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Philippine Satterer, die Tochter des berühmten Hofraths und Historiker» gleichen Namens in Göttingen, nach Kastel herüber- kam, um sich von dem Academie-Director Joh. Heinrich Tisch­bein, dem Aeltesten aus der zahlreichen Künstlerfamilie dieses Namens, malen zu lasten. Die einfache, zwanglose Liebens­würdigkeit des vterundzwanzigjährigen Mädchens nahm da» freundschaftliche Herz des damals achtundfünfzigjährigen Mannes so ein, daß er sehnltchst wünschte, die junge Dichterin bei sich in Eassel behalten zu dürfen. Zu diesem Zwecke vermittelte er die Bekanntschaft eine» jungen Freundes mit ihr, Namens Engelhard, der fast vier Jahrs älter als sie, eben wirklicher Kriegsfecretariu» geworden war, und mit Vornamen Philipp hieß.Philipp und Philippine Nomen et omenl* so scherzte Tischbein. Seine Bemühungen waren mit Erfolg ge­krönt. Wie das Bild Philippineus auf der Leinwand immer mehr und mehr Gestalt gewann, so auch im Herzen des jungen Kriegssecretarius. Philipp und Philippine liebten sich, erklärten sich und heiratheten sich.

Soweit mag diese Ehegeschichte etwas Besonderes wohl nicht bieten. Aber das Ungewöhnliche kommt noch. Philippine war längst nicht mehr die junge Frau Kriegssecretarius, sondern die mit Töchtern gesegnete Frau Oberappellationrrath. Es war im Sommer des Jahres 1808. Die Residenz des König» Jerome war in großer Aufregung. Der Maire von Castel, Herr von Tanstetn, hatte den Kopf verloren, da die zum ersten Male ankommenden Retchsstände von ihm Wohnung verlangten. Dis Honoratioren der Stabt mußten Logirgästs aufnehmen; im Hause des Herrn Oberappellationsrath erhält der reiche Fabrikant Nathusiu» au« Magdeburg Quartier. Der schon im vorgerückten Alter befindliche Hagestolz fühlt stch in der Familie äußerst behaglich, besonder» gefallen ihm die steben Töchter der Hauses, und es entgeht ihm auch nicht, daß dieser reiche Mädchensegen auf keinem sonderlich reichen Boden erwachsen ist. Die Sehnsncht nach einem so behaglichen Heim überkommt ihn, und es währt nicht lange, so offenbart er den Eltern seine Verhältnifle und gibt den Wunsch zu erkennen, eine der Töchter mitnehmen zu dürfen, um ste al» seine Gattin heimzuführen. Doch nicht er selbst will wählen, sondern es den Eltern und Töchtern zu bestimmen überlaffen, was ihm zu Theil werden soll. Da entschließt von den Sieben sich die Zweitälteste für den glücklichen Nathusius. Doch etwas trübt noch besten Glück. Er hat die sechs Schwestern seiner Braut auch sehr lieb, und möchte daher auch diese mit nach Magdeburg nehmen. Da fällt ihm ein, daß er in seinem ausgedehnten Geschäft genug junge Männer habe, die er gern für ihre Tüchtigkeit belohnen und ebenso glücklich machen möchte, wie er es sei. So war die ganze Auflage einer deutschen Dichterin mit einem Male vergriffen. Nathusius hielt, was er versprochen, er sorgte dafür, daß seine sämmtlichen Schwägerinnen sehr bald alle in den Ehe­stand treten konnten, nachdem er das ganze halbe Dutzend zugleich mit seiner Frau nach Magdeburg genommen'

In sehr eigenthümlicher Weise kam auch Dufresne, der französische Dichter und Historiker, der im 16. Jahrhundert lebte, zu einer Frau. Gr beschloß nämlich einfach eines Tages zu heirathen, und zwar die erste Beste, dis ihm gefallen würde. Da trat feine Wäscherin, ein hübsches Mädchen, ins Zimmer. Dufresne, der sehr dem Spiel ergeben war und daher viel Schulden hatte, war auch der Wäscherin Geld schuldig; diese drängte den Leichtsinnigen, ihr endlich seine Schuld zu bezahlen, da sie in den nächsten Tagen heirathen wolle. Was that Dufresne? Er machte der Wäscherin selbst einen Heiraths« antrag, sie willigte ein und so hatte er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: er war seine Schuld los und hatte eine Frau.

Eine der originellsten Ehen schloß Anton Friedrich Büsching, ! der berühmte deutsche Geograph (geb. 1724, gest. 1793), welcher der deutschen Nation das erste geographische Werk gab, | das auf wissenschaftliche Behandlung und auf einige Vollständig- |

feit Anspruch machen konnte. Büsching war zweimal ver- hb«rathet. Wie er zu seiner ersten Frau kam, vermag ich nicht zu erzählen; nur soviel kann ich mitthellen, daß er sie im Jahre 1777 plötzlich durch den Tod verlor. Büsching wohnte damals in einem Gartenhause einer Berliner Vorstadt. Der Gelehrte muß mit seiner ersten Gattin sehr glücklich gelebt haben, denn er war über ihren Tod fast untröstlich, und da er sich nicht von der Verstorbenen trennen wollte, so ließ er ste unter seinem Fenster im Garten begraben, ohne daß er die Erlaubniß des Oberconsistoriums dazu erhalten hätte. Als er späterhin dann erfuhr, daß er diese auch niemals erhalten haben würde, freute er sich über das Schnippchen, das er den Behörden geschlagen hatte, denn nun konnte man ihm das eigenmächtig genommene Recht ja nicht streitig machen. Der Tod seiner ersten Frau trat im Spätherbst ein. Als nun aber der Winter kam, wurde er ihm in seinem Garten­hause zu kalt und er mußte nach seiner Stadtwohnung zurück- kehren. Da er jedoch fürchtete, daß es ihm hier allein erst recht einsam erscheinen würde, so beschloß er, nicht ohne Gattin dieselbe zu beziehen. Er nahm sich einen Wagen und fuhr eines Morgens zu feinem Freunde, dem Oberconsistorialrath Teller, den er bat, ihm eine Wahl treffen zu helfen, damit er in acht Tagen wieder verheirathet fein könne. Dr. Teller, der wohl wußte, daß feinem Freunde Ideen, die er sich ein­mal in d-n Kopf gefetzt hatte, nicht so leicht auszureden feien, rief feine Frau herein und alle drei berathschlagten nun, wer für ihn wohl am geeignetsten wäre. Frau Dr. Teller schlug eine verwittwete Justizräthin vor. Sofort setzte stch Büsching wieder in seinen Wagen, fuhr bei der Dame vor und erklärte ihr, weswegen er komme. Als er dann aber im Laufe des Gesprächs sagte, seine Frau dürfe weder unter achtundzwanzig noch über 30 Jahre sein und nun hörte, daß die junge Wittwe dieses Alter noch nicht erreicht habe, bat er um Ent­schuldigung wegen der verursachten Störung und verließ die, nicht wenig über den sonderbaren Freier erheiterte Dame. Büsching fuhr zu seinem Freunde zurück und bat ihn, eine andere Gattin vorzuschlagen. Dies geschah, die Empfohlene gefiel besser; den dritten Tag verlobte er sich, und eine Woche darauf feierte er schon seine Hochzeit, nachdem er beim Con- sttorinm erwirkt hatte, daß das damalige Aufgebot am vor­hergegangenen Sonntage genügte. Bei der Trauung stellte sich Dr. Teller etwas spät ein, und Büsching bat ihn daher, er solle es kurz machen, da er nicht viel Zeit habe. Die Trauungsrede bestand deshalb nur in wenigen Worten. Auch diese im Laufschritt eingegangene Ehe soll eine ungemein glück­liche gewesen fein.

Zum Schluß will ich noch erzählen, wie Garibaldi zu seiner Frau kam. Er selbst berichtet in seinen Denkwürdig- ketten, auf welch' seltsame Art und Weise er die kecke Amazone kennen lernte, welche die Gefährtin seine» abenteuerlichen Lebens wurde. Nach einem blutigen Gefecht, in dem alle seine italienischen Waffengenoffen gefallen waren, befand sich Garibaldi in der Nähe der Burra, des östlichen Theiles der Einfahrt in die Jayuna.Zufällig warf ich einen Blick auf ein Hau»," so erzählt Garibaldi,und bemerkte dort eine junge Dame, die mich auf eine so geheimnißvolle und un­widerstehliche Weise an sich gezogen hatte. Ich begrüßte sie, wir wurden schnell bekannt, und ich fühlte, daß der verborgene Schatz, den ich entdeckt hatte, von seltenem und unschätzbarem Werths sei. Später habe ich mir oft Vorwürfe gemacht, daß ich sie der friedlichen Zurückgezogenheit ihrer Heimath entriß, um ste in Mühen, Letven und Gefahren zu stürzen.

Der zufällige Anblick eine» Mädchen», da« still und be­scheiden dahin lebte, hat hier dazu geführt, daß dieses die Frau eine» berühmten Mannes wurde und als solche Eigen­schaften entwickelte, die ste stcherlich in ihrem stillen Mädchen- Heim wohl niemals geahnt hatte, denn Frau Garibaldi, die ihren Mann immer begleitete und an seiner Seite zu Wasser und zu Lande focht, verrichtete Wunder der Tapferkeit, obwohl ste in ihrer Jugend das friedlichste Leben geführt.

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