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»Ist Altinghof vielleicht ein Majorat?" fragte Paulsen rasch.

Nein, mein Herr kann testamentarisch frei darüber verfügen und hat's hoffentlich zu Gunsten der Baroneffe auch schon gethan. Ich bin sozusagen mit meinem gnädigen Herrn ausgewachsen, da mein seliger Vater bereits im Dienste der Familie war und als Förster in diesem Hause wohnte. Ich weiß deshalb auch genau, daß der jüngere Sohn, Herr Baron Hans Joachim, der vor fünf» oder sechsundzwanzig Jahren nach Amerika auswanderte, sein Erbe vollständig er­halten hat. Es steht mir im Grunde wohl nicht an, Fremden gegenüber von solchen Dingen zu reden," setzte er, stch be­sinnend, unruhig hinzu,auch ist es sonst meine Art nicht, aber ich will's nur gestehen, daß Ihr Anblick, junger Herr, mich merkwürdig überrascht hat, weil Sie eine ganz auffallende Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Neffen meines Herrn haben. Verstehen Sie mich recht, es sind nur die Gestchts- züge, woraufhin man beim ersten Blick schwören möchte, daß Sie Brüder sind. Sehen Sie, ich meine ja nur auf den ersten Blick, sonst aber gefallen Sie mir weit besser, ich will Ihnen auch sagen warum. In der Ahnen «Reihe derer von Alting hängt als letztes lebensgroßes Bild die selige Mutter meines Herrn, eine liebe, schöne Dame, der Sie, junger Herr, wie aus den Augen geschnitten sind. Sie haben ihren freundlichen Blick, den Zug von jener Herzensgüte int Gesicht, die mit allen Menschen Erbarmen hatte, auch mit dem ver­kommensten Sünder. Das war eine Frau, sag' ich Ihnen, nein, ein Engel, um den die Armen noch jahrelang getrauert haben. Und da kommt nun urplötzlich ein Wildfremder, der ihr gleicht, als wär's ihr Sohn, und der meinen armen todtkranken Herrn sprechen will soll ich da nicht an ein Wunder glauben? Soll ich nicht hoffen dürfen, daß der Herrgott Sie hierher geschickt hat, um ein Wunder zu voll­bringen? Verzeihen Sie einem alten Manne, der sich in seiner Angst und Roth an einen Strohhalm klammert und Ihnen am Ende wie ein Narr erscheinen mag."

Nein, Herr Förster, erwiderte Romberg, ihm bewegt die Hand reichend, die Erichsen mit festem Druck umfaßte, ich begreife Ihre Angst und Ihren Kummer nur gar zu gut, weil ich den Neffen des Rittmeisters kenne. Wenn er aber mir gleicht, so muß er doch auch seiner Großmutter ähnlich sein."

Nun ja, er sieht ja seinem Vater sehr ähnlich, der das Abbild der gnädigen Frau Mutter war. Aber die Augen, mein lieber junger Herr, da liegt der Unterschied. Sein Blick ist falsch und dazu grausam, er quält die Leute bis aus's Blut, als wären sie schwarze Sclaven; er hat das schönste Pferd ein Geschenk meines Herrn zu Schanden geritten, daß es mit zerrissenen Flanken im Stall verendete. Seine Augen sagten mir Alles auf den ersten Blick. Und nun bitte ich Sie, mir nur zu verrathen, ob Sie von Amerika kommen?"

»Ja," sagte Romberg leise,ist es aber nicht gefährlich, solche Ding» hier im Walde zu erörtern, wo man vor Horchern nicht sicher ist?"

Unbesorgt," erwiderte der Förster, der seiner Erregung nur in leisen Worten Ausdruck gegeben hatte,mein Cäsar hier hätte mir schon längst Anzeige davon gemacht, er wittert jeden Feind und hat Sie Beide bereits als Freunde legitimirt. Und nun bitte ich nochmals um Verzeihung, Sie mit meinen unbescheidenen Reden belästigt zu haben, anstatt den Gästen meiner Baronesse Obdach und Erfrischung anzubieten. Kommen Sie, meine Herren I"

Halt, Herr Förster," sprach Paulsen mit Nachdruck, Sie müssen doch wissen, wen Sie unter Ihr gastliches Dach einladen. Ich bin ein Schleswig-Holsteiner, habe anno 48 für die Heimath gekämpft und folgte meinem Hauptmann in die Verbannung. Er ist just vor unserer Abreise gestorben und dies hier ist sein Pflegesohn, Herr Justus Romberg, der seinen Namen bis heute getragen hat, wenn er auch nicht daraus getauft worden ist. Ich bin der schleswig-holsteinsche Unteroffizier Paulsen."

Nun, dann heiße ich Sie als Landsleute herzlich will­kommen," rief Erichsen erfreut.Möge Ihre Gegenwart für

meinen theuren Herrn und für ganz Altinghof ein Glück be- deuten, das für uns einzig und allein in der Genesung des Gebieters liegt."

Er führte die Fremden in'« Haus und dann in feine einfache Wohnstube, deren Hauptfchmnck aus verschiedenen Jagd-Trophäen bestand.

Ich glaube, Herr Förster," nahm Romberg hier rasch mit halblauter Stimme das Wort,daß es aus verschiedenen Gründen wohlgethan, ja sogar nothwrndig sein würde, wenn wir uns noch vorerst so viel als möglich verborgen hielten. Können Sie sich auf Ihre Leute hier im Hause verlassen?"

Was meine Frau, unsere alte Magd und den Jäger- burschen anbetrifft, vom Holzknecht gar nicht zu reden, so kann ich mich aus ihre Verschwiegenheit wie aus mich selbst ver­lassen. Nun ist aber auch noch der Arzt und ein Barbier hier im Hause, natürlich nehm' ich den Doctor aus; für den Barbier, der stch Heilgehilfe nennt und dabei ein böses Klatsch­maul ist, kann ich aber nicht einstehen. Na, meine Herren, warten Sie nur, bis die Baronesse zurückkehrt, sie ist die Ein­zige, an die Sie stch als die rechtmäßige Stellvertreterin des Herrn Rittmeisters wenden müssen und der Sie volles Ver­trauen schenken können. Nun aber wollen wir erst eine Magen- stärkung haben."

Halt, Herr Förster," sprach Paulsen,kommt dar Klatschmaul von Barbier auch zuweilen in diese Stube?"

«Natürlich und noch dazu, ohne erst anzuklopfen."

Dann bringen Sie meinen jungen Herrn in ein andere« Gelaß, mich kann er gern sehen, Eie können mich ja für Ihren Verwandten ausgeben. Aber Herr Romberg mit seinem Gesicht ich setze nämlich voraus, daß der Barbier den Neffen des Herrn Rittmeisters kennt

Freilich, er hat ihn ja oft genug schon unter feinem Scheermeffer gehabt," fiel der Förster nachdenklich ein,da müssen Sie sich also mit einer kleinen Kammer begnügen, Herr Romberg, weil mein kranker Herr natürlich da« ge­räumigste Zimmer haben mußte. Will aber doch dafür sorgen, daß er uns jetzt nicht überrascht."

(Fortsetzung folgt.)

Wie Ehen geschloffen werden.

Von Eugen Jfolani.

------- (Nachdruck verboten.)

Die Ehe ist unstreitig ein hochinteressante« Capitel au» der Geschichte des Menschheit. Ich habe in meinem Leben vielleicht zweitausend verschiedene Romane gelesen und die gleich Anzahl Lustspiele und Schwänke gesehen, und fast in jedem dieser Werke wurde die Ehe auf andere Weise vom Dichter zusammengebracht. Ich habe EhebÜndniffe kennen ge­lernt, bei denen der Regen den Galeotto gemacht, und solche, die im Scheine der Sonne und durch den Glanz derselben geschloffen wurden; Ehen, die sowohl auf ebener Erde, wie zehntausend Fuß hoch Über dem Meeresspiegel in einer einsamen Unterkunftshütte auf den Bergen zum Abschluß gelangten. Selbst das Ehebündniß im Luftballon ist mir nicht fern ge­blieben, während Zola in seinem Germinal die Herzen zweier Liebenden zusarnmengeschmiedet.

Aber trotz alledem möchte ich behaupten, daß die Wirklichkeit die Phantaste der Romanschriftsteller weit Übersteigt. Die Geschichte der Liebe ist so unendlich reich an Stoff, daß Tausende von Dichtern all das Material nicht aufarbeiten können, welche» das Leben un» bietet. Wie oft geräth man bei der Lectüre eines Romans ober im Theater über die Art und Weife, wie der Autor feine Gestaltensich kriegen" läßt, in Erstaunen und zuckt über die Unwahrscheinlichkeit die Achseln. Und doch kenne ich zahlreiche Liebesgeschichten, die man kaum für möglich hält, die sich indeß wirklich ereignet haben. Einige derartige wahr und wahrhaftige Liebes- und Ehegeschichten will ich in folgenden Zellen erzählen.

Es war im Sommer bee Jahre» 1780, al« die Dichterin