Ausgabe 
8.9.1896
 
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AeuStag -ev 8 September

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MM Gießener Anzeiger (General-Anzeiger)

Roman von E. v. Linden.

(Fortsetzung.)

Schweigen wir davon," sprach der Baron kurz,Sie beurteilen meine Ellen falsch, sie ist mit dem gewöhnlichen Maß nicht zu messen. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß die häßlichen Sportwetten aufhören sollen, insoweit sie meinen Neffen angehen, begreife aber nicht, woher er die viele Zeit nimmt, seinen Ltehabereien so ausgedehnt zu fröhnen, da er den ihm auferlegten Pflichten in der Erlernung der Land» wirthschaft zu meiner Befriedigung nachkommt. Ich fordere ja allerdings noch nicht viel von ihm, well er drüben ein ziemlich ungebundenes Leben geführt zu haben scheint. Nach Tisch wir speisen regelmäßig um drei Uhr ist er mit wenigen Ausnahmen sein eigener Herr."

«Na ja, da haben wir's," grollte Römhild,das ist entschieden zu viel Freiheit, geben Sie ihm mehr zu thun, alter Freund, halten Sie ihn fest bei der Arbeit, sonst möchte ich wünschen, der famose Hans Justus wäre drüben geblieben. Ja, ja, es ist so, und Sie denken dasselbe, denn wär« nur der Sport allein, zu dem er unsere Söhne ver» leitet, ich wollte es nicht so sehr tadeln, weil immerhin ein reeller Kern darin steckt. Nicht alle aber haben eine ameri» kantsche Bärennatur wie Ihr Neffe, welcher die Nacht zum Tage machen kann, ohne daß man's ihm anmerkt."

Baron Alting blickte den Freund verständnißlos an.

Erklären Sie sich deutlicher, Herr von Römhild!" sprach er mit heiserer Stimme,es scheint, als ob des Pudels Kern sich jetzt erst enthüllen sollte."

Nun, zum Henker, was nutzt es denn auch, um den heißen Brei herumzugehen," erwiderte der Hirschholmer mit einem entschlossenen Anlauf,es liegt am Ende auch in Ihrem Interesse klar zu sehen. Ihr Neffe hat bei dem Lindenhagener eine geheime Spielbank etablirt, wo es toll hergehen, und die schöne Nichte des famosen Demetrius, wie der Gutsherr bekanntlich von unserer Jugend genannt wird, die Wtrthin machen soll, der kleine Kuno Mowitz hat'« seinem Vater gebeichtet, ich fürchte, der flotte Junker wird's

bis an die Grenze des Verbrechens getrieben haben, weil der alte Mowitz zu sehr geknickt schien. Wenn ich bedenke, was mein Harald für Geldforderungen an mich gestellt hat und was für sogenannte Ehrenschulden er außerdem noch haben wird, dann stehen mir meine Haare zu Berge.'

Der alte Edelmann nahm die Jagdkappe, welche er ge» wöhnlich trug, ab und fuhr sich seufzend durch da« spärliche graumelirte Haar.

Baron Justus war bei der überraschenden Enthüllung todtenbleich geworden, ein Zittern durchflog seinen Körper und wankend griff er nach einem Halt. Römhild legte er» schreckt den Arm um ihn.

Der Kuckuck auch, nun hab' ich wa« Schönes ange» richtet, klagte er,alter Freund, thun Sie mir das nicht zu Leide, er ist ja nicht Ihr Sohn"

Führen Sie mich doch nach der Bank, es wird schon wieder beffer," stieß Alting hervor, und ließ sich dann, al« er von dem Freunde geleitet, sie erreicht hatte, mit einem tiefen Seufzer darauf nieder.

Soll ich Ihre Ellen holen, lieber Alting?" fragte Römhild erregt.

Nein? sie braucht nichts davon zu wissen, das bleibt ein Geheimniß unter uns Männern, nicht wahr? Sie versprechen mir das."

®i, natürlich, hier meine Hand drauf, dis Geschichte darf doch nicht ruchbar werden. Verzeihen Sie mir, alter Freund, ich hielt es für meine absolute Pflicht und außerdem," setzte er zögernd hinzu, «bin ich sozusagen der Bevoll» mächtigte, welcher im Namen unserer Freunde"

Ja, ja, es ist gut, ich danke Ihnen für die bittere Medicin, mein lieber Mmhildl" unterbrach Baron Justus ihn mit einem matten Lächeln.Sie haben nichts weiter als Ihre Schuldigkeit gethan, an mit liegt es jetzt, diese Ehren­scharte wieder auszuwetzen."

Ich wiederhole, Freund, es ist ja nicht Ihr Sohn," suchte Römhild ihn zu trösten.

Er trägt meinen Namen, vergessen Sie das nicht," erwiderte Alting, sich straff aufrichtend,und ist al« mein nächster Blutsverwandter bestimmt, diesen Namen fortzupflanzen. ! Aber lieber mag mein unbeflecktes Ahnenschild zerbrochen mit mir " in die Gruft gesenkt werden, als daß ich es bei meinen Lebe