36§

Das Hauptsächlichste aber kann er mir nicht geben, Liebe," versetzte Adah.Ich habe nie davon gesprochen, Jesste, doch jetzt muß ich es Dir sagen. Ich habe den armen James zu sehr geliebt, um je einen anderen lieben zu können."

Ach Adah," rief Jesste,es ist mir ein rechter Trost, daß Du auch meinen armen Bruder noch liebst, ich meinte, ich wäre die Einzige auf der Welt, die ihn noch immer lieb hat." Und jetzt hörte James Graham, wie die Frauen weinten. Ja Adah," sagte seine Schwester,wenn der arme James zurückkehrt, so soll er hier eine Heimath finden, und mein Mann wird ihm helfen, wieder eine ehrliche Stellung zu schaffen. Er muß ja bald frei werden. Doch ich glaube, das Kind ist wieder eingeschlafen, wollen wir uns nicht auch niederlegen?"

Der Mann, der fich in das Haus geschlichen, um zu stehlen, weinte wie ein Kind; ihm war, als hätten Engel zu ihm gesprochen. Plötzlich erinnerrte er sich, warum er hier- hergekommen war, er küßte die Thür, dann schlich er sich hinweg und kletterte leise aus dem Fenster.....

* e *

Er schlägt die Augen auf," sagte eine Stimme.

James Graham hörte diese Worte und fragte sich, was wohl geschehen sein mochte, und warum er nicht im Stande war, sich umzuwenden. Dann kam ihm plötzlich die Erinner­ung an einen Streit, und wieder glaubte er, den Schuß einer Pistole zu vernehmen. Jetzt wußte er alles, seine Gefährten hatten ihn niedergeschossen, als er sie verhindern wollte, in das Haus einzubrechen und man hatte ihn für tobt auf dem Platze gelassen.

Liebe Adah," sagte die Stimme von vorhin,ich glaube, er schlägt die Augen auf." James Graham sah, wie sich zwei Frauen über ihn neigten, von denen die eine seine Haare betastete und leise zu ihm sprach:

James, kennst Du Deine Schwester Jesste nicht mehr?"

Die andere weinte leise vor sich hin, und er erwiederte mit leiser Stimme:

Ja, ich kenne Euch beide, doch wie komme ich hierher?"

Wir fanden Dich verwundet, tobt, wie wir glaubten, vor unserer Gitterthür," sagte Jessie.Adah erkannte Dich zuerst; wie es gcschehen ist, wissen wir nicht- Wenn Du Dich wohler fühlst, mußt Du uns alles erzählen. Doch jetzt haben wir Dich, und Du sollst nie wieder von uns gehen, niel"

Er fühlte, daß es mit ihm zu Ende ging, und dennoch war ihm leicht und wohl ums Herz.

Das waren furchtbare Jahre," erklärte er,furchtbare Jahre, die ich durchlebt, doch jetzt ist alles wieder gut, ich habe Euch ja wieder. Kommt näher, ich kann Euch nicht gut sehen, ein Schleier breitet sich vor meine Augen. Ich möchte Jesste küssen."

Die Schwester unschlang seinen Nacken und küßte ihn. Dann wandte er sich zu Adah Musgrave:

Wenn ich am Leben bliebe, würde ich es nicht ver­langen," sagte er,doch ich fühle, daß ich sterbe. Willst Du mich jetzt küssen, geliebte Adah, nur einmal noch?"

Sie umschlang ihn mit ihren Armen.

Habe Dank" hauchte er,Gott ist barmherziger, al» die Menschen. Vielleicht werden wir uns noch Wiedersehen, dort oben im Himmel I"

Das waren seine letzten Worte.

GeineinnÄtziges.

Der Epheu und feuchte Wände. Da der Epheu die gute Eigenschaft hat, vermittelst seiner feinen Saugwurzeln Wasser aus den Mauern aufzunehmen, an denen er empor­rankt, so hat man ihn mit Vortheil angepflanzt, um feuchte Außenwände von Häusern trocken zu legen. Freilich dauert es einige Jahre, ehe die trocknende Kraft des Epheu» sich zeigt, da er nur an denjenigen Stellen Wasser saugt, wo er

sich mit seinen Wurzeln angeklammert hat, aber man findet, daß überall, wo der Epheu die Außenwand üppig bedeckt, die Nässe im Innern des Gebäudes verschwindet. Zur An­pflanzung eignete sich am besten der winterharte weinblättrige Epheu, der überall in unseren Wäldern wildwachsend vor­kommt. Der Epheu, der alte Ruinen so gut kleidet, ist da» her nicht bloß ein Schmuck, sondern trägt auch zur Erhaltung manchen ehrwürdigen Gemäuers bei, das sich die Nässe zu zerstören bemüht.

»

Vertilgung des Hausschwammes. Zur Ver­tilgung des Hausschwammes, der sich in dem Hohlraum zwischen dem Zimmerfußboden und der unterhalb desselben befindlichen Zimmerdecke genistet hat, ist kürzlich von dem Regierungsbaumeister Seemann ein Verfahren erfunden worden, das ohne Aufnahme der Dielen und ohne Störung für die be­nutzten Räume benutzt werden kann. Wie uns das Bureau für Patentschutz und Vrrwerthung von Dr. F. Schanz & Cs. (Berlin, Breslau, Hamburg, Dresden, Leipzig, München) berichtet, beruht das patentirte Verfahren auf der Erfahrung, daß der Hausschwamm in absolut trockener Luft zu Grunde gehen muß; er gedeiht nur in abgeschlossenen, ungelüsteten, Feuchtigkeit enthaltenden Räumen, speciell zwischen der Diele und Schalung der Gebäude, woselbst sich dem Bauholz an­haftende oder aus der Bauperiode oder von Ueberschwemmungen herrührende Feuchtigkeit befindet. Diese nun wird in sehr energischer Weise durch eigens construirte Apparate derart vertrieben, daß das ganze Schwammgebiet absolut ausge­trocknet wird. Alsdann wird unter großem Druck in dis einzelnen Balkenselder ein Gas geführt, welches in die feinsten Poren der Hölzer und der Ausfüllung dringt und alle pflanz­lichen Organismen daselbst vernichtet. Wer die Schäden kennt, welche der bisherigen Art, den Schwamm aus Häusern zu beseitigen, anhasten und die enormen Kosten solcher Aur- sührungen und der damit verbundenen Miethsverluste schätzen gelernt hat, wird den Werth des neuen Verfahrens und seine öconomischen Vortheile leicht beurtheilen können.

*

Einfaches Mittel gegen Bremsenstiche. Gegen die bei der heißen Jahreszeit Rinder, Pferde u. s. ro. peinigenden Bremsenstiche hilft unfehlbar eine Salbe aus 1 bis 1V4 Theilen Antimonium und 100 Theilen Schweinefett oder Vaselin, mit welcher die Thiere reichlich eingerieben werden. Antimonium und Vaseline liefert jeder Apotheker und Drogist. Landwirthe, Knechte u. s. w. sollten dies einfache Mittel in den heißen Sommertagen bei ihren Thieren anwenden.

Humoristisches.

Standesgemäß. Neu geadelter Bankier (in der Sommerfrische zu seinem bäuerlichen Quartiergeber):Der Arzt hat mir empfohlen, Holz zu spalten besorgen Sie mir einige Klötze Edeltannen."

* *

Höchste Protzerei. Herr (in der Badeanstalt): Warum steht denn hier ein feuer- und diebessicherer Cassa- schrank!" Badediener:Den hat unser Herr Commerzien- rath ausstellen lassen, damit er während des Badens fein Portemonnaie ablegen kann!" * *

Ihm fehlt's. Ehemann:Weshalb hast Du mir eigentlich gerathen, diese Xanthippe zur Frau zu nehmen?" Freund:Ja, weißt Du, Du warst so ein dummer Kerl, und da dachte ich: vielleicht wird er durch Schaden klug."

Ein Schwerenöther.* Dame (am Flügel):Sie find ja Kenner, Herr Lieutenant! Wie finden Sie mein Spiel, namentlich meinen Anschlag?" Lieutenant:Entzückend, Gnädigste! Einfach Flügelschlag eines Engels!"

Rebaction: K. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverflkStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße».