UnterhaltungMatt pim Gießener Anzeiger (General-Anpiger).
MWMU
Der Confident.
Aus den Erinnerungen eines Criminalbeamten.
Von A. Oscar Klausmann.
(Schluß.)
Darauf gerleth Frohner in noch größeren Zorn und schwur, er werde dem alten Mann schon zeigen, was er könne. Natürlich hatte das Liebespaar wenig Hoffnung, trotzdem es Frohner wiederholt seiner Protection versicherte. Aber schon am nächsten Tage kam er zu mir und fragte mich, ob es nicht möglich sein würde, Frau Grinzinger an einem der nächsten Tage nach dem Commissariat zu bestellen.
„Was giebt's denn?" fragte ich Frohner.
„Nun," meinte er entrüstet, „ich muß einmal ein Wörtchen mit dem alten Esel, dem Grinzinger, sprechen und die Frau soll dabei nicht im Hause sein. Ich muß Rücksicht auf die Frau nehmen. Könnten Sie, Herr Commiffar, die Frau nicht hierher vorladen und Sie im Vorzimmer warten lassen, damit sie ein oder zwei Stunden nicht zu Hause ist?"
„Das kann ich nicht ohne Weiteres, Frohner. Vor Allem muß ich wissen, um was es sich handelt."
„Nein, nein, das ist mein Geheimniß!" sagte Frohner. „Ich mache die Sache ganz allein. Ich werde dem Alten schon zeigen, was es heißt, närrisch sein und Menschen unglücklich machen I Ich sage Ihnen, der Ferdel und die Poldi gehen beide in die Donau, wenn es noch lange dauert, und es ist ein so hübsches Paarl, ein bildsauberes Mädel und ein prächtiger Bursch, und habe ich dem Esel, dem Grinzinger, deshalb sein Vermögen gerettet, damit er jetzt solche Dumm- heilen macht?'
„Ich versichere Sie, ich habe einerseits über Frohner lachen müssen, weil er höchst drollig in seinem Zorn über Grinzinger war, als dessen Gönner er sich aufspielte, andererseits war ich gerührt nicht nur über die Art und Weise, wie sich dieser „Auswürfling" der menschlichen Gesellschaft de» unglücklichen Liebespaares annahm, sondern auch über den Gedanken, wie es das Schicksal und des Himmels Fügung vielleicht einrichtete, daß selbst ein solcher Mensch, den seine eigenen Mitmenschen kaum für ihresgleichen hielten, dazu be
rufen sein sollte, das Glück Anderer zu begründen, während er selbst nie aus dem Unglück und aus erbärmlichen Verhält« ntssen herauszekommen war.
„Ich will Ihnen was sagen, Frohner," erklärte ich ihm, „ich kann mit amtlichen Maßnahmen nicht vorgehen, aber wenn Ihnen so viel daran liegt, an einem gewissen Tag und für einige Stunden die Frau Grinzinger nicht zu Hause zu haben, so kann ja vielleicht meine Frau die Frau Grinzinger zu einem Kaffee einladen. Eine solche Kaffeevisite dauert ja auch einige Stunden. Machen Sie nur keine Dummheiten, Frohner."
„Ich mache keine, Herr Commiflar, selbst wenn der Grinzinger noch dümmer ist, als ich glaube, und noch bösartiger und verstockter. Was kann mir schon geschehen? Einsperren können Sie michl Al» ob ich mir daraus etwas machte! Es geht so wie so wieder zum Winter."
Damit schob Frohner ab und begab sich direct zu meiner Frau, um ihr klar zu machen, daß Frau Grinzinger an einem bestimmten Tage bei ihr eingeladen werden müsse. Meine Frau verkehrte sonst nicht mit Frau Grinzinger; aber Frohner setzte ihr auseinander, es würde ein Leichte» sein, Frau Grinzinger zu einem Besuch zu bewegen, wenn ihr meine Frau in einem Briefchen mittheile, sie habe ihr etwa» von ihrem Sohne zu erzählen. Daß Frau Grinzinger auf jeden Fall kommen würde, weil sie sich so wie so durch die Einladung geschmeichelt fühlte, war eigentlich selbstverständlich."
Es war drei Tage später. Grinzinger saß in seiner Privatwohnung und hielt einen etwas dauerhaften Mittagsschlaf. Seine Frau war nicht zu Hause; sie befand sich als Gast in meinem Hause. Da erschien in der Küche bei Grin- zingers dis wohlbekannte Gestalt Frohners. Er verlangte dringend den Hausherrn zu sprechen. Man erklärte ihm, daß dieser j-tzt schliefe und nicht geweckt werden dürfe. Frohner aber geberdete sich sehr aufgeregt und erklärte, er müsse Grinzinger unter allen Umständen sprechen; e» Handls stch um eine sehr wichtige Sache. Da man im Hause wußte, daß Grinzmger in der Thal etwas auf den Pülcher hielt, wurde Grinzinger geweckt und nach kurzer Zeit erschien vor ihm Frohner. Der Pülcher hatte ein unheilverkündendes Gesicht, als er sagte:
„Ich küß die Hand, Euer Gnaden. Herr Grinzinger,


