eine kleine buona mano? Der Miethprets? — Ah, eine Kleinigkeit I — Und der brave Bürgermeister forderte eine Summe, für die man in Neapel einen Palazzo miethen konnte, gab aber ebenso eoulant seine Zustimmung, als Herr Schwarze ihm den zehnten Theil bot.
„Den Schlüssel zu der Villa?"
Dio mio, wo war er? Ader da« schadete nichts, man schlug die Thür einfach mit der Axt ein. — Kon fa niente! — Thut nicht»!
Und fröhlich holte der gute Mann die Axt, mit welcher er gestern fein Brennholz zerkleinert.
„Sie sehen nun doch ein wenig bange drein, Gnädige," sagte H-rr Schwarze, als sie sich auf den Weg begaben.
„Ihre Mordgeschichte hat mir Furcht gemacht," erwiderte sie in der That etwa« kleinlaut.
„Ah, warum? Jene Schurken waren fremd, die Leute von Agerala sind gut und ehrlich, — und was die Briganten betraf, die noch vor acht Jahren den Monte Sant' Angelo unsicher machten und Alles, was in feinem Bereich liegt, so stammten sie nicht au« diesem harmlosen Völkchen, sondern waren die verlorenen Söhne von Rom oder Neapel."
„Paula, komm'!" rief der Präsident. Er war weit voran, immer schweigsam, wenn er nicht reden mußte, sjetzt klang seine Stimme hell und froh
„Ja, ich wußte es wohl," lachte Herr Schwarze.
Und nun traten sie unter den Bäumen des Wäldchens hervor zu dem alten Herrn auf einen freien Platz, welchen Caetus und wilde Role», Ginster und Feigen überwucherten. Mitten drauf stand ein kleines, steinerne« Hau«, urfest gebaut, die Thür geschloffen, vor den Fenstern Holzläden, sonst Alle« verwittert zwar, aber nicht zerstört.
Und tief unten am Fuß der Klippe, deren Wände steil anfragten, lag da« weite, uferlose Meer, blauer al» der Himmel, der sich darüber wölbte, — mit Segeln bedeckt, glatt wie ein Spiegel.
Recht« ragten da« Cap Positano mit dem ruinenhaften gleichnamigen Städtchen und die schroffen Felsen der Zauber« eilander Capri empor, link» zu Füßen lag auf schmalem Uferrand Amalfi, amphitheatralisch sich aufdauend bi» hoch zu den steilen, mit Wein-, Oliven- und Orangengärten bedeckten Felsbergen hinan. Und hinter dem malerischen Amalfi lag Atrani und hoch darüber da» entzückende Ravello mit seinen maurischen Ruinen und daran schloß sich wie ein herrlicher Rahmen die ganze Küste de» Golf» von Salerno, al» besten fernster Punkt die Tempel von Paestum von scharfen Augen zu erkennen waren.
„Nun, meine Gnädige," fragte Herr Schwarze mit seinem liebenswürdig wohlwollenden Lächeln, „habe ich zu viel gesagt ?"
„Das Meer, das herrliche, wundervolle Meer!" stammelte Paula.
Inzwischen waren die Axtschläge erfolgreich gewesen, die Thür sprang auf; eine dumpfe, schlechte Luft drang ihnen entgegen und dann fiel der neugierige Blick auf kahle Wände, herabhängende Tapeten, erblindete Scheiben und einen Wust von Staub, der vereinzelte Möbelstücke und den Boden bedeckte.
„O Himmel!" rief Paula von Neegenhart. „Da können wir nicht wohnen!"
„Du bleibst bei der Signora Cardueca, bis Martin und ich hier Ordnung geschafft haben!" sagte herrisch der Präsident.
Sein Diener blickte bestürzt und faffungslo» das gnädige Fräulein an und vergaß über dem schreckensvoten Gedanken, in dem alten Gemäuer mit seiner Herrschaft wochenlang wohnen zu sollen, seinem Herrn unterthänigst zuzustimmen.
Diese Unterlassungssünde erhöhte besten üble Laune.
Von den Dreien unbemerkt war ein kleiner, wunderlich aussehender Mann zu ihnen getreten: „Mein Herr, in dem Loch da wollen Sie wohnen? Thun Sie das nicht! Die dumpfige Luft ist ungesund, es werden sich unzählige Pilzarten zwischen dem Gestein —"
Der Präsident hatte sich erschrecktl nach der krächzenden Stimme umgewendet, welche ihm in seiner ehrlichen deutschen
Muttersprache in die Ohren schrie, daß seine gereizten Nerven zuckten.
Mit unbeschreiblich hochmüthiger Abwehr sah er zornig auf den kleinen, grotesken Mann nieder, der wie eine vollständige Carricatur des Naturforscher», mit schleierumwalltem altem Strohhut, blauer Brille, Schmetterlingsnetz und Bota- nistrbüchse in engen und zu kurzen Hosen und einem einstmals flotten, kurzen Studentenrock, auf seinen Alpstock gestützt, vor ihm stand.
Der kleine Gelehrte beachtete aber diese Gewalthabermiene nicht, sondern fuhr in bester Absicht eindringlich fort: „Die Padroua, die brave Signora Carducea, sagte mir von Ihrem Vorhaben; ich wohne seit acht Tagen bei ihr. Wenn Sie verlaffene und ruinenhaste Wohnsitze lieben, so ziehen Sie doch in da» Schloß drüben, da brauchen Sie nicht zu ebener Erde zu schlafen! E« giebt drinnen, ein oder zwei Stockwerke hoch, ganz leidliche Räume."
Ganz verblüfft von der freundlichen Zudringlichkeit des Brillenträgers und der Wirkungslosigkeit seine» einst gefürchteten Jupiterblicke», stand der Präsident und ließ den Wortschwall und die Blechstimme über sich ergehen. — Dann aber hatte er sich gefaßt und wandle sich mit stummer Verachtung von ihm ab.
„Ah! Taub!" murmelte der Naturforscher.
Und dann schrie er, sich auf die Fußspitzen erhebend, dem Präsidenten wohlwollend in die Ohren: „Herr! Da drinnen ist ungesund wohnen! — Ziehen Sie lieber in da» Schloß, da sind Sie auch nahe bei mir und wir können Abend» ein Spielchen —"
„Herr! Ich suche die Einsamkeit hier, — da» Alleinsein, verstehen Sie? Da» Alleinsein!" donnerte wüthend der Präsident.
„So? Entschuldigen Sie," stotterte der Kleine erschrocken. Plötzlich bekam aber der Aerger Über diese grobe Zurückweisung die Oberhand. Ec riß höhnisch seinen Hut ab.
„Gesegnete Mahlzeit allerseits!" schrie er und damit lief er fort. Er wußte gar nicht, welchen Unsinn er sagte, so sehr alterirte ihn die Grobheit des „Großmoguls", wie er nachher voll grimmigen Aerger» den Präsidenten in seinem Bericht an die brave Padrona titulirte.
„Martin," sagte inzwischen würdevoll der Präsident, „Du holst Dir au» dem Dorfe sofort Frauenzimmer her, die da» Hau» säubern. Mach' ihnen begreiflich, daß ich sie gut bezahlen werde; sieh' aber auf Ordnung, und was sie heute nicht fertig bekommen, dar thun sie morgen; empfiehl ihnen Eile, so rasch wie möglich will ich hier einziehen! Verstanden?"
„Sehr wohl, Excellenz!" dienerte Martin und fragte sich, wie er e» überhaupt anfangen sollte, sich mit den Leuten hier zu verständigen.
Herr Schwarze legte sich in’» Mittel.
Die Dorfbewohnerschaft war in hellen Haufen herzugelaufen, die Fremden zu sehen und stand neugierig von fern. Den deutschen Signor au» Castellamare kannten sie Alle und er brachte eine reiche „Eccellenza" nach dem Dorfe. Da» war sehr gut von ihm. Er brauchte nur zu sagen, wa« verlangt wurde, so meldeten sich ein halbe» Dutzend Frauen und Mädchen und ein Schock halbwüchsiger Buben.
Nun gab es bis Abends noch eine unendliche Menge von Dingen zu besprechen und einzurichten. Herr Schwarze wußte für Alles Rath und die Weithin, welche Geld witterte, half mit Freuden. (Fortsetzung folgt.)
Wie Gottlieb Knake avancirte.
Eine lustige Soldatengeschichte.
Generalmusterung war befohlen und der Herr Hauptmann der dritten Compagnie schwebte in Todesangst. Fiel sie gut aus, dann kam er „um die Ecke" und wurde Major; wenn nicht, so erhielt er das „a. D." vor seinem Namen und konnte „in Civil" spazieren gehen. Die Excellenz aber war ganz unberechenbar, wie viele Leute, welche die Gewalt haben.


