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(Beliebten int rosaseidenen Kleide durch die Säle geführt, wie glücklich mit ihr im Lact der Mufik durch den Saal geschwebt, bis sie ihn um eine Erfrischung gebeten. —
Er war gegangen, und als er ahnungslos zurückkehrte, fand er sie in den Armen einer fremden sonnverbrannten Manne«, der sie küßte!
Da« Gla« siel zu Boden, er stürzte aus dem Saal, einem Wahnsinnigen gleich. Wie hatte er das falsche Weib geliebt!
Er konnte es nicht verwinden, jede Verbindung brach er ab, einen Brief, den sie schrieb» und der ihm von Ort zu Ort nachgesandt ward, wie» er zurück.
Er war betrogen — seine Augen hatten es gesehen, seine Ohren gehört — es bedurfte keiner Erklärung oder Entschuldigung. Das Vorspiel begann von Neuem, eine entzückend süße Stimme sang verborgen hinter den Couliflen ein Modelied. Zwei, die sich liebten und die ein Verhängniß von einander riß. Er glaubte sich betrogen und erst nach ihrem Tode erfuhr er, daß der, den er für den glücklicheren Nebenbuhler gehalten, der Vater seiner Geliebten gewesen.
Seine eigene Geschichte — nur der Schluß war offenbar ein Roman — die Wirklichkeit ist bitterer, grausamer. Die Dame neben ihm macht eine heftige Bewegung, sie fährt wiederholt nach der Stirn.
„Die Hitze ist unerträglich, mein Fräulein, darf ich Sie hinunter führen in« Foyer und Ihnen eine Erfrischung holen?"
Wirkliche Besorgniß liegt in seiner Stimme, um so verletzter fühlt er sich, al« sie so verschieden von ihren früheren Antworten, kurz und rauh erwidert:
„Nein, ich danke, ich mag nicht!"
Sie nimmt ihre Sachen zusammen, als ob sie gehen wollte. Er legt leise eine Hand auf ihren Arm:
„Verzeihung, ich wollte Sie nicht beleidigen, gehen Sie nicht; wenn Sie wünschen, werde ich gehen-"
„Ich bin nicht beleidigt, nur enttäuscht — 0 die Männer find alle gleich, doch Sie erschienen mir zuerst anders —"
„Ich bitte Sie nochmals um Verzeihung, mein Fräulein, ich bi« durch Jahre hindurch aller gesellschaftlichen Gebräuche ungewohnt geworden, ich habe verlernt, mich mit Damen zu unterhalten"
„Nur ein wenig Geduld, das war es, was mich so angenehm von Ihnen berührte, Ihnen fehlt der augenblicklich gerade moderne Weltstadtton, die Effecte und Schlagwörter unserer jetinSsse doree — in einigen Wochen werden sie Ihnen so geläufig fein, als wären. Sie niemals weg gewesen."
Er lacht ein wenig, dann sogt er:
„Verzeihen Sie, meine Gnädigste, daß ich, ein Fremder e» wage, Ihnen eine solche Frage vorzulegen: Ich glaube annehmen zu müffen, Sie seien im Leben wenig angenehmen Männern begegnet."
„Wenigen? Nein! Zuvielen! Sie waren alle zu angenehm, um wahr scheinen zu können. Ich kannte nur einen, der anders schien, — er schien nur so; denn als der Augenblick kam, der ihn prüfen sollte, sah ich, daß auch er war, wie alle I Etwas in Ihrer Stimme erinnerte mich an jenen Mann. E« ist lange her, ich habe die Kränkung überwunden, nur da« neue Lied vorhin erweckte die Erinnerung in mir. Was jener Dichter singt, war meine Geschichte, das Leid meines Leben«, nur war der Fremde nicht mein Vater, sondern mein Bruder, den ich zehn Jahrs lang nicht gesehen!
Der Mann, aber dem ich mein Leben weihen wollte, dem mein Herz gehörte, urtheilie nach dem Schein, ihm fehlte da«, was besser ist al» Liebe noch, der Glaube und da» Vertrauen." Er erwiderte nicht«, er fühlt, jedes Wort wäre hier eine Beleidigung — wie sonderbar — auch sie!
Endlich, nach einer Weile entgegnet er:
„Man sagt, daß gleiche Schicksale verbinden, nun weiß ich, weshalb es mir schien, als ob ich Sie schon jahrelang kenne — wir theilen dasselbe Schicksal."
Jenes Sieb ist auch mein Schicksal gewesen — nur ich
ward wirklich betrogen, meine Augen sahen er, meine Ohren hörten es, ich sah jenen Kuß, so küßt man nur in Liebe.
Doch die Tropen haben mich geheilt, gesundet an Leib und Seele kehrte ich zurück, um ein neues Glück zu erringen."
Er beugt sich ein wenig vornüber und leise setzt er hinzu: „Mein Fräulein, wollen Sie mir helfen?"
Doch ehe sie noch antworten kann, ertönt die elektrische Glocke, blendende Helle durchfluthet da« Theater, er siebt in ein bleich gewordenes liebliches Gesicht, sieht in ein Paar feuchtschimmernde braune Augen--
„Harry!"
„Anna!"
Er führt sie behutsam hinaus aus der gaffenden Menge in das vollkommen leere Foyer und zwingt sie zum Niedersttzen.
„Anna! Du! Unsere Geschichte! So? Mädchen, Geliebte, willst Du, kannst Du mir verzeihen? Ich liebe Dich noch heute, wie damals, ich fühle es, laß uns vergessen, ein neue« Leben beginnen!"
Sie schüttelt leise den Kopf.
„Vergeben habe ich Dir längst, vergessen könnte ich er nie! Und war das schlimmste ist, jetzt fehlt auch mir dar Vertrauen und der Glaube — — Harry — es gibt kein Glück auf Trümmern! Die Welt steht Dir offen, Du wirst ein neues, junge« Glück finden, es ist nichts für uns zwei, die Jahre, die vergangen in Groll und Bitterkeit, find nicht aurzulöschen. Lebe wohl I"
Sie hat sich erhoben. Sie ist nicht mehr das strahlende, reizende Mädchen von damals, aber ein im Kampf gereiftes, begehrenswerthes Weib. Er sieht ihr nach, doch macht er keinen Versuch, sie zurückzuhalten. Ein Etwas in den schimmernden Augen hatte ihm gesagt, baß es nutzlos sei, er kannte j« Annas unbändigen Stolz. Es war vorbei! Im Zwielicht fand er sein zerstörte» Glück wieder, um es sofort aufs neue und für immer zu verlieren.
Literarisches
Di« Kraureupfleg« im -aus«. Von Dr. Paul Wagner. Mit 71 Abbildungen. Preis 3 Mark 50 Pfg., in Original-Leinenband 4 Mk. 50 Pfg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die „Krankenpflege im Hause" hat sich das Ziel gesetzt, gebildeten Laien die Grundzüge der häuslichen Krankenpflege in möglichst klarer und verständlicher Weise zu schildern. Alles das, was nur von einer berufsmäßigen, practisch geübten Krankenpflegerin geleistet werden kann, ist kurz an- gedeutet worden. Entsprechend den Grundsätzen der Weber'schen illustrir- ten Gesundheilsbücher soll auch die vorliegende Krankenpflege -die Verständigung zwischen Arzt und Laien erleichtern und somit beiden zum Nutzen dienen. Besonders eingehend hat deshalb der Verfasser die Einrichtung eines guten Krankenzimmers und Krankenbettes geschildert; hieran schließen sich ausführliche Abschnitte über die Pflege und Ernährung bettlägeriger Kranken, über die Krankenbeobachtung und über die Ausführung derjenigen ärztlichen Verordnungen, die auch von Laienpflegerinnen verlangt werden können. Im besonderen Theile findet vor Allem die Pflege bei akuten, fieberhaften Krankheiten, insbesondere bei den ansteckenden Krankheiten, eine genaue Schilderung, wobei namentlich die den neuesten Forschungen entsprechenden DesinfectionSverfahren eingehend gewürdigt werden.
«al««drr der Jllustrirten Leitung für 1897. Preis 1 Mk. Verla i von I. I. Weber in Leipzig. — Mit einer reizenden Weihnachtsgabe überrascht die Leipziger Jllustrirte Zeitung ihre Freunde; sie bietet ihnen einen triple extrait aus dem Blüthenkranze der modernen Meister in Form eines künstlerischen Wandschmuckes unter dem Titel: Kalender der Jllustrirten Zeitung für 1897. An das von Caspari aquarellirte, in Farbenholzschnitt wiedergegebene Titelbild schließt sich das Kalendarium an, welches mit jedem Monat eine entsprechende Illustration in farbigem Druck bringt. Mit feinem künstlerischen Verständniß ist den Originalen der Stimmungston abgesehen und nicht weniger ist die Leistung des Buchdruckes bei der Wiedergabe dieser besten Vertreter moderner Illustration anzuerkennen Aus der bunten Reihe greisen wir das Blatt Januar mit dem geistvollen Porträt des deutschen Kaisers von Vilma Krüger-Parlaghi heraus, der Lenbach'sche Bismarck für April, Böcklins Spiel der Wellen sür Juli und Uhdes Anbetung der Hirten für December mögen genügen, um unfern Lesern einen Einblick in den Bilderschmuck des Kalenders zu geben.
Rebaction: A. Schetzda. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniverflMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.
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