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ihr aus der Straße hob sich ein nur zu wohlbekanntes Bild von dem grauen Himmel ab: Janek. Gewiß begab er sich in's Dorf, aber was mochte er gerade hier an diesem Orte so eifrig zu beobachten haben, als ob er jeden Schlupfwinkel des Pfarrgärtchens genau erforschen wollte? Sie betrachtete ihn ängstlich mit vorgebeugtem Kopfe, wie er so, sich auf die Fußspitzen hebend, auf seinem Lauscherposten stand. Da kreuzten sich plötzlich ihre Blicke; ein strahlendes Lächeln flog über die jungen Gesichter und verjagte auf einmal wie mit Zauberkraft alle Spuren der bisherigen Besorgniß.
„Wie lange haben wir uns nicht getroffen, Binia?" sagte er mit zufriedener Miene.
Sie lächelte schelmisch.
„Lange? Es war ja gestern."
„Ja, in der Kirche, da kann man doch nicht plaudern.
Das junge Mädchen verzog den Mund ein wenig, wie I um zu sagen: Versteht man sich nicht auch ohne Worte?
Wie merkwürdig Janeks Anblick sie verwandelt hatte! Jetzt fürchtete sie ihren Vater nicht mehr, dachte nicht an die drohende Zukunft, sondern sühlte nur noch Eins, die herrliche, wunderbare Gegenwart.
Er betrachtete sie aufmerksam, als sähe er sie das erste Mal in seinem Leben, und bewunderte das zarte Oval ihres Gesichts, ihre großen Augen voll tausend ungelöster Fragen und ihren zierlichen Mund. Wer konnte zu behaupten wagen, daß sie häßlich wäre? Im Gegentheil, noch nie war sie ihm so hübsch erschienen; die dunklen Augensterne glichen den vom Gewittersturm bewegten Waffern des Stry und ihr fast farbloses Antlitz erinnerte ihn an die Blüthenkrone gewtffer Blumen, die sich im Sommer im Waldesdunkel erschließen.
„Gestern in der Kirche," begann er, „glaubte ich zuerst, Eie wären krank, weil ich Sie nicht gleich sah; erst nach der Predigt bemerkte ich Sie ganz hinten dicht an der Thür."
Sie hob ihre sanften Augen zu ihm auf. O, wie sie sich des gestrigen Tages erinnerte, wie feine ungeduldigen, forschenden Blicke sie überall in der Kirche suchten und wie er dann triumphirend lächelte, als er endlich die hinter den anderen Frauen Knieende entdeckte! Eine bisher unbekannte Seligkeit hatte sie durchfluthet; sie war zerstreut und unruhig und kaum im Stande gewesen, ihre Gedanken zu sammeln, aber dann hatte sie Gott tausendfach um Verzeihung angefleht, ihm ihre Schuld bekannt und sich zahllose Male bekreuzigt, die Stirn bi» zur Erde geneigt.
„Ich war ein bischen spät gekommen," sagte sie, „und | wollte mich nicht vordrängen."
„Sie dürfen nie mehr so dicht am Eingang stehen bleiben, Binia," sagte er ernsthaft, „es ist gefährlich und Sie sind zart. Denken Sie noch der Erkältung, die Sie sich vor drei Jahren zugezogen hatten?" Es kam ein weicher Zug in sein Gesicht bei dieser Erinnerung. Dann fügte er hinzu: „Und dabei waren Sie gestern so leicht angezogen!"
Die Wangen de« jungen Mädchens färbten sich purpurn. War es möglich, daß er es bemerkt hatte, daß er sich fo sehr für ihre unbedeutende Person interesfirte? Noch nie hatte ein Mensch auf der Welt so mit ihr gesprochen. Und eine Fluth von dankbaren Gefühlen stieg ihr aus dem Herzen auf und drängte sich auf ihre Lippen; fast hätte sie ausgesprochen, was sie empfand, so glücklich war sie.
„Nicht wahr, Binia, Sie versprechen mir, ein andermal ein Tuch umzuhängen?"
Sie bejahte schüchtern. Ihre Augen lachten, aber sie schimmerten seucht.
Eie schwiegen eine Zeit lang. Denn sie hatten sich so viel zu sagen seit den drei Jahren der Trennung, daß sie nicht wußten, wo anzufangen sei.
„Eie find sehr lange fortgeblieben," sagte fie endlich leise.
„Ja; doch wäre ich so gern einmal heimgekommen, aber e» war unmöglich. Sehen Sie, ich war zuerst in Böhmen, bann in Ungarn. O, es ist merkwürdig dort; die Leute kleiden fich nicht wie bei uns und sprechen anders. Eljen, Eljen, Bernten. Hoch, hoch, Brüder! Und dann wird Schmollis ge-
Gegend von der Verlobung Ihrer Schwester Sofronya. Ist es denn wahr, heirathet sie und wann ist die Hochzeit?"
Sicherlich ahnte er nicht, als er diese alltäglichen Worte aussprach, wie sie der Aermsten da» Herz zerriffen. Ach, ein paar Augenblicke hindurch hatte sie sich dem köstlichen Glück überlassen und ihr Elend vergessen, und nun fiel fie aus ihrem Himmel wieder zur Erde nieder und da« fürchterliche Schreckgespenst ihrer nahen Verlobung stand von Neuem deutlich vor
Seele*
„Die Hochzeit, ich weiß nicht," flüsterte sie so traurig und müde, daß Janek fie befremdet ansah.
„Sofronya macht eine gute Partie," fuhr er fort, „Herr Rayski ist in der ganzen Gegend geachtet."
„Ja, eine sehr gute Partie," wiederholte sie mit fast rauhem Ton.
Warum war sie denn so ganz verändert? Sollten Eifersucht und Neid Raum haben in dieser scheinbar so durch« sichtigen, klaren Seele?
„Aber was geht uns die Verlobung anderer Menschen an!" rief der junge Mann plötzlich. „Sagen Sie mir lieber, Binia, wann wir uns im Walde wiedersehen. Jetzt kommt die schöne Jahreszeit und bald giebt es Veilchen."
„Im Walde . . ."
Ihr Gesicht verzog sich schmerzlich. „O, niemals mehr," sagte sie schnell mit einer Heftigkeit, die sie sofort bereute, al« । sie es in Janeks Augen finster und blitzartig aufleuchten sah.
„Niemals mehr, wirklich?" wiederholte er ironisch. „Sind Sie so stolz geworden, weil Ihre Schwester den Thierarzt heirathet?"
Sie verneinte er mit so demüthiger Stimme, daß er fich sofort wieder besänftigte.
„Nun, sagen Sie doch, wann kommen Sie? Denken Sie nicht mehr daran, wie wir Drei im Forsthause zusammen vesperten?"
O ja, sie dachte daran und sah sich wieder im grünen, fonnendurchleuchteten Walde, an dem gastlichen Tisch, zwischen den beiden guten Menschen, sah den Berg rother Erdbeeren, die goldige Honigscheibe, den dampfenden Samowar und ihre linkische Ungeschicklichkeit beim Thee«Etngießen. Wie weit lag das Alles zurück!
Da rief eine scharfe, von ihr allein vernommene | Stimme: „Binia, Binia!" und raubte ihr die letzte Fassung.
Fast schien er, als erriethe ihre Mutter drinnen im Pfarrhause die Kämpfe ihres Herzen» und riefe sie zu ihren Pflichten zurück.
„Ich komme nie mehr in den Wald, Herr Hans," wiederholte sie mit fester Stimmer, „weil — weil das jetzt unmöglich ist. - ."
Hans betrachtete sie überrascht. Ein schneller Wandel vollzog sich in seinem Geiste: Sie schämt sich meiner jetzt, da ihre Schwester eine so gute Partie macht! Diese Heirath hat der ganzen Familie den Kopf verdreht!
„O, seien Sie ganz unbesorgt, mein Fräulein," sagte er trocken, „ich werde Sie nicht mehr darum bitten. Eigenllich ist es auch besser, es bleibt Jeder in seinem Kreise. Es giebt Dinge, die man versteht, ohne daß ste ausgesprochen werden- Fürchten Sie nichts, ich werde Sie nicht mehr mit meiner Gegenwart belästigen- Es war einfältig von mir, zu glauben, daß Sie mir ein bischen freundlich gesinnt wären; ich habe mich eben getäuscht, weiter nichts!"
Warum antwortete sie ihm nicht, warum sagte sie ihm nicht die Wahrheit? , ,
Sie war wie gelähmt, unfähig, ein Wort zu sprechen.
trunken in Wein und immerfort angestoßen. Und diese Musik, die ste haben! Wenn die Zigeuner eine beliebte, schöne Melodie spielen, werfen die Magyaren Alle« hin, was sie nur bei sich haben, Geld, Uhr, Kette, Schmucksachen; so toll macht fie die Musik!"
Binia hing mit entzückter Aufmerksamkeit an seinen Lippen.
„Aber," rief der junge Mann, plötzlich dem Gespräch eine andere Wendung gebend, „man spricht allgemein in der
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