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senden, um mir einen Hirschbock und ein paar Dutzend Schnepfen schießen zu lasten. Hätte den Verdienst lieber Euch zugewendet, Bob."
Noch immer verharrte der Andere in tiefem Schweigen.
„Geht jetzt hinaus in die Küche und laßt Euch zu effen geben."
Bob gab so wenig eine Antwort, als er Miene machte, sich zu entfernen.
„Hört Ihr nicht? Ihr sollt Euch etwas zu effen geben lasten. Und Du, Cäsar, sag' der Veny, sie soll ihm eine Pinte Rum bringen." , ,,
„Brauche Euren Rum nicht," knurrte Bob, „bin nicht durstig."
„Scheint so," versetzte, ohne die mindeste Ungeduld zu zeigen, der Richter. „Habt vermuthlich schon mehr als nöthig davon im Leibe. Seht ja aus, als könntet Ihr eine wilde Katze lebendig verschlingen."
Ohne weiter von ihm Notiz zu nehmen, wandte er sich jetzt an Fred.
„Und Ihr, Mister? — Was Teufel, Cäsar, stehst Du und hältst Maulaffen feil? — Siehst Du nicht, daß der Mann frühstücken will? Trinkt Ihr Kaffee oder Thee?"
„Ich danke Ihnen, Alcaldel Habe soeben erst gefrühstückt."
„Seht nicht danach aus. Was ist Euch denn zugestoßen? Habt doch nicht etwa das Sumpffieber? Und wie kommt Ihr eigentlich zu dem da?"
„Ich verdanke ihm nicht mehr und nicht weniger als mein Leben."
Ungläubig schüttelte der Richter den Kopf.
„Ihr verdankt Bob Euer Leben? Eine curiose Neuigkeit — das muß ich sagen."
„Und doch die lautere Wahrheit. Ohne ihn wäre ich ein tobtet Mann. Ich hatte mich in der Jacinto-Prairie verirrt, war vier Tage planlos umhergeritten, ohne einen Bissen über die Zunge zu bringen. Da kam ich zufällig an den Fluß, mein verschmachtender Mustang sprang mit mir hinein und ich wäre unfehlbar ertrunken, wenn dieser Mann mich nicht gerettet hätte."
„Ist das wahr, Bob? Wohl, - es freut mich um Euretwillen. Kann vielleicht doch noch was Brauchbarzs aus Euch werden. Wenn Ihr nur von Eurem Johnny laffen könntet! Wird Euch noch in's Verderben bringen. Solltet wahrhaftig beffer von ihm laffen."
Bob sah ihm einen Augenblick in's Gesicht; dann senkte er wieder den Kopf.
»Ist zu spät, Squire — zu spät!"
„Wüßte nicht, warum es zu spät sein sollte. Müßt mir das näher erklären. Nehmt aber zuvor ein Glas!"
„Möchte nichts trinken jetzt — habe keinen Durst!"
„Ist auch nicht gegen den Durst — ist nur um Herz und Nieren zu stärken. Thut, wie ich Euch sage!"
Und er selber schob ihm ein Glas zu, das er während der letzten Worte gefüllt hatte. Gehorsam sührte Bob es zum Munde; dann aber schüttelte er sich heftig und setzte es auf den Tisch zurück. Er hatte kaum einen Tropfen über die Lippen bringen können.
Mit augenfälligem Erstaunen sah ihm der Richter zu.
„Liegt Euch also was Besonderes im Magen? Nun, dann in Gottes Namen heraus mit der Sprache! Ist zwar heute Sonntag und am Sonntag sollen die Geschäfte ruhen. Aber weil Ihr es seid, will ich Euch anhören. Solltet Euch nur zuvor eine Cigarre nehmen — das beruhigt die Nerven."
Bob aber schob das dargebotene Kistchen zurück.
„Hilft Alles nichts, Squire! Wollte es ja für mich behalten, glaubte, ich könnte es wieder zwingen. Geht aber nicht — weiß der Teufel, warum es gerade diesmal nicht geht! — Habe doch schon Manchen unter die siebente Rippe — aber dieser —"
Der Alcalde warf seine kaum halb gerauchte Cigarre mit einem energischen Schwünge zum Fenster hinaus und seine Miene wurde plötzlich strenger.
„Was habt Ihr?" fragte er. „Was sollen diese verdächtigen Reden von siebenten Rippen? Keinen Eurer Sodoma- Sprünge bitte ich mir aus! — Können sie hier nicht brauchen — verstehen uns nicht auf solche Späße."
„Verstehen sie drüben noch weniger!" brummte der Andere trotzig. „Wäre sonst wahrhaftig nicht in diesem verwünschten Texas-"
„Aber Eure Knochen bleichten dafür drüben irgendwo an einem Baume oder in einem Graben. Wiffen das, Bob — wiffen es hinlänglich. Aber je weniger davon gesprochen wird, desto beffer ist es. Habt versprochen, hier einen neuen Menschen anzuziehen, weshalb sollen wir die alten Geschichten aufrühren?"
„Hab's versprochen und hab's auch halten wollen. Ist aber nun Alles vorbei. Und wird nicht wieder beffer mit mir, als bis ich gehängt bin —"
Fred starrte den Unseligen in sprachlosem Entsetzen an.
Der Richter aber nahm eine frische Cigarre aus dem Kistchen und erst nachdem er sie umständlich in Brand gesetzt hatte, erwiderte er: „Steht es so mit Euch, Bob? Ja, aber warum wollt Ihr denn nun mit einem Mal gehängt sein? Hättet den Strick wenigstens ein Dutzendmal verdient drüben in den Staaten, sofern nicht alle Zeitungen in Georgien und Alabama lügen. Aber hier sind wir in Texas und unter mexikanischer Gerichtsbarkeit. Geht uns hier nichts an, was Ihr drüben verbrochen habt. Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter."
„Ist aber ein Kläger da, Squire — ein Kläger, der sich nicht befehlen läßt, zu schweigen. Weiß, daß Ihr es gut im Sinne habt mit Euren Reden, muß aber doch heraus. Es läßt mir keine Ruhe. Wollte hinüber nach San Felippe, hinunter nach Anahuac, aber es half Alles nichts. Wohin ich immer gehe, das verdammte Gespenst folgt mir überall nach und treibt mich zurück unter den Patriarchen."
„Unter den Patriarchen?"
„Ja, Ihr wißt wohl — steht nicht weit von der Furt am Jacinto.^ Aber was für ein Gespenst ist das, das Euch unter den Patriarchen treibt?"
„Nun, das Gespenst von dem — von dem Andern, — den ich
Den Ihr —"
"Den ich kalt gemacht habe — zum Teufel!"
Wie mit einem ungeduldigen Ruck waren ihm die ver- hängnißvollen Worte herausgefahren, gleichsam als hätte eine unsichtbare Macht, der er willenlos unterworfen war, sie ihm abgepreßt. Der Alcalde warf auch die neue Cigarre zum Fenster hinaus; dann erhob er sich von seinem Stuhl.
„Sollt mir Eure Geschichte erzählen, wenn es durchaus sein muß. Will sie aber nur unter vier Augen hören. Ist eine besondere Gefälligkeit gegen Euch, denn wir haben heute Sonntag, wo ich mich sonst nicht auf dergleichen einlaffe- Will deshalb auch keinen Zeugen dabei haben — ist vor der Hand nicht nöthig. Der Gentleman wird mir das, wie ich hoffe, nicht weiter verübeln."
Er winkte Bob, ihm in das Nebenzimmer zu folgen. Und die Thür fiel hinter ihnen 8«.
In einer halben Betäubung blieb Fred zurück. Die ganze Scene, der er soeben beigewohnt hatte, erschien ihm nur wie ein toller, phantastischer Spuk.
Die Selbstbezichtigung des unglückseligen Mörders hatte ihn bis in's innerste Herz erschüttert; das sonderbare Benehmen des Richters aber hatte ihn daneben angemuthet wie em Austritt aus irgend einer seltsamen Comödie. Es dünkte ihm ganz undenkbar, daß dies Alles vollkommen ernsthaft zu nehmen sei und doch hatte sich eine schwere, beklemmende Bangigkeit auf seine Brust gelegt — eine Bangigkeit, die ihn mit Inbrunst das Ende des unheimlichen Spiels herbeisehnen ließ.
Eine halbe Stunde etwa blieb er allein; dann traten die beiden Männer wieder in das Zimmer, der eine m t ruhigem, unbewegtem Gesicht wie zuvor und der andere nn derselben verstörten, verzweifelten Miene, die Fred seit dem


