»Me Männer würden mehr Erfolge haben, wenn sie kühner wären," dahin vartiren: „Die Frauen würden einen unbe» grenzten Erfolg haben, wenn sie sich- nur in Seide kleideten I"
Man lachte abermals, aber man verlangte nun doch, dennoch etwas Positives über den „Henneberg" zu hören- Der Journalist setzte sich zurecht und spielte mit dem Bleistift, als wolle er seine eigenen Worte zur Protokoll nehmen. „Also in der Kürze eine kleine Skizze. Auf dem ca. 8000 Quadrat» fuß Flächeninhalt faffenden Lagerräumen des palastähnlichen Doppelhauses in Zürich liegen Tausende von Seidenstücken in allen denkbaren Qualitäten, Farben und Dessins aufge» speichert, ein geradezu unschätzbares Capital. Bequeme Treppen führen in die ersten Etagen. Auf der einen Seite befinden fich dis „Sammet» und Plüsch-Departements"; daran stößt die große „Muster-Abtheilung", wo Dutzende von Mädchen die Muster auf Maschinen schneiden, heften, etiquettiren u. s. w. Dann folgt die „Expedition" der für den Export bestimmten Stoffe und schließlich die Hauptbuchhaltung und die „Kasse". In der oberen Etage, wo die Rohseide eingekauft wird, gibt es dann die Annoncenexpedition, die Privat-Bureaux, Maaren- abnahme und Controlle, wie auch das „Allerheiligste," das Compositionszimmer. Kein profanes Auge darf für gewöhn» lich hier hinetnschauen; um so ehrenvoller erschien mir die Ausnahme, deren man mich würdigte. Herr Hsnneberg zeigte mir die Farbenmusterbücher der großen Lyoner Färbereien, wo er für seine Fabriken viel Seide färben läßt — eine Scala von ea. 6000 verschiedenen Farbentönen I Tausende von Proben aller nur denkbaren Stoffe lagen umher — werden doch hier die „NouveautoS" componirt, die neuesten Farben ausgesucht, die erst ein halbes Jahr später auf allen Weltmärkten erscheinen. Selbst für mich, der ich persönlich uninteresstrt bin, war der Anblick verblüffend — wie würde Ihnen, meine Damen, erst dabei zu Muthe geworden sein?
Bor dem Portal erwartete uns Herrn Hennebergs Equipage, und sort ging'» nach der Fabrik. Die Fahrt durch die herrliche Gegend stimmte meinen Gastfreund ganz philosophisch. „Was ist der Begriff Glück eigentlich?" meinte er. „Hat es jemand im Leben zu etwas gebracht, so heißt es leichthin: der Mann hat Glück — als ob man sich in den Lehnstuhl setzen und warten könne, bis das Glück hrrankommt, als ob dieses ,,Glück haben" nicht Arbeit von früh bis spät, Tage in Abhetzerei, durchgrübelte Nächte, ein Verzichten auf Ruhe und Vergnügen bedeutete! „Glück" ist allerdings in erster Reihe hervorragende Beanlagung, aber zähe Energie, eiserne Arbeitskraft muß dazu kommen. Geschäftssinn und con- sequentes Festhalten an dem, was ich mir vorgenommen, dazu die Kraft entbehren zu können, wenn es ein bestimmtes Ziel gilt, sind mir angeboren. Als achtjähriger Junge gründete ich mein erstes Geschäft, indem ich in einigen Cafös in Görlitz Fidibuffe verkaufte, ein Geschäft, das schon mein Vater ein paar Tage darauf durch eine tüchtige Tracht Prügel schloß; als neunjähriger Quintaner verzichtete ich auf das Weißbrödchen zum Kaffee, um mir eine Uhr zu kaufen, die mein guter Vater mit seinen 900 Mk. Gehalt als Steuerbeamter natürlich nicht erschwingen konnte. Welcher Stolz, als ich nach drei Jahren die Uhr, ein höchst achtbares Exemplar, silberne Ankeruhr mit Goldrand, mein eigen nannte! Alle späteren Erfolge haben an Süßigkeit kaum diesen ersten erreicht — doch da find wir!"
„Wen Gott lieb hat, dem giebt er ein Haus in Zürich." Dieses schon im Mittelalter ost genannte Wort fiel mir ein, als wir vor der Rtesenanlage, die direet am Züricher See an dessen schönster Stelle aufgesührt ist, ankamen. Drei herrliche Bauten mit zwei mächtigen Dampf»Schornsteinen, Alles in rothem Verblendstein und Granit aurgeführt.
Der Fabrik-Director machte uns die Honneurs. Die Ausschrist aller Thüren „Verbotener Eingang" hatte für uns keine Giltigkeit. Zuerst der Rohseiden-Saal. Es ist doch etwa« Prächtiges um die rohe Seidel Diese Glätte, Weiche, Zartheit, wie zum Streicheln und Liebkosen gemacht. Noch
Sebaction: N. Gcheyda.
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jetzt thut es mir leid, daß ich Herrn Henneberg nicht um einen solchen Strang als Andenken gebeten habe. In dem Saale der gesärbten Seiden hängen diese in unzähligen großen Körben und an Holzhaken. Welcher Farbenzauber, welcher berückende Glanz in den Seidensträngen — und welcher Werth, den sie repräsentiren! Doch weiter: der große Fergger-Saal, wo die Seidenstücke, die von den Webstühlen kommen, abge> liefert, durchgesehen, etiquettirt und nummerirt werden, und frische Seide sür die Stühle herausgegeben wird.
Ein gleichmäßiges Getöse wie ein ferner Wasserfall bereitete mich auf das vor, was kommen sollte, die Webe-Säle! Wie gebannt blieb ich stehen in dem Geräusch, dem wirbelnden Durcheinander. Links die Spülmaschinen, Tausende von kleinen Holzspulen, die sich mit erstaunlicher Schnelligkeit durch Dampskraft drehen. Bricht oder reißt solch' dünnes Seidenfädchen, so bleibt das betreffende Spülchen von- selbst stehen und eine Arbeiterin ist sofort zur Stells, um den Schaden aurzubeffern. Dann die großen Windmaschinen, die vermittelst großer Haspeln die „Kette" oder den „Zeddel" der Seidenstoffe präpariren. Ich sah darüber hinweg: Das wogte und wallte wie Meereswellen, in allen Farben spielend, wie bengalisch beleuchtet, Seide, nichts als Seide, ein blendender, sinn» verwirrender Anblick. R> chts die eisernen Webstühle, ebenfalls durch Dampfkraft getrieben, hin- und herfliegende Schiffchen, Surren und Sausen, ein gewaltiges Leben und Hasten in dieser Welt im Kleinen. Es werden hier nur glatte Seidenstoffe fabrtzirt; man. kann genau verfolgen, wie der Stoff centimeterweise entsteht, mit jedem Schuß ein winziges Stückchen; 8 bis 16 Meter liefert solch' ein Webstuhl täglich. — In einem oberen Saal stehen die majestätischen großen Zeddel« Maschinen, auf denen die „Ketten" der Stoffe für den Webebaum fix und fertig gestellt werden. Der Director zeigte mir u. A. eine Seidenkette, die bei einer Breite von 60 Centim. etwas über 18,000 Seidenfäden aufwies. Die interessantesten und complizirtesten von allen Stühlen find die Jaquard- Webstühle, auf denen die kostbaren Damaste und Brokate gewebt werden; besonders schwere Stühle dienen sür die besseren Qualitäten der einfarbigen Stoffe.
Uebrigens beschäftigt die Firma Henneberg auch eine Menge Handweber, die in den umliegenden Dörfern und Bauernhäusern zu Hunderten ihre Webstühle aufgestellt haben, denn nicht sämmtliche Stoffe können mechanisch, d. h. durch Dampskraft hergestellt werden. „ , ., m t
Herr Henneberg führte mich auch noch in sein Privat- Bureau. Hier herrschte die Unordnung des Genies; Seiden» muster, Pläne, Carton«, Farbrn-Musterkasten und Cigarren« kisten standen wirr durcheinander, doch behauptete der Besitzer, jedes Stück sofort aus dem Chaos herausfinden zu können. Etwas, was mir sehr nothwendig erschien, fehlte: Ein Stuhl, von einem Sopha ganz zu schweigen, doch mein Wirth erklärte dies für einen Act weiser Berechnung, da er gern, um nicht zu lange aufgehalten zu werden, alle Unterredungen stehend erledige. , .
Mir schwirrte von Allem, was ich gesehen und gehört, etwas der Kopf, doch war mein Gedächtniß noch fähig, eine Ziffer zu behalten, nämlich die von einhünderttausend Francs, dis die Firma jährlich für Briefmarken verausgabt. Um Veruntreuungen unmöglich zu machen, werden die Manen fämmtlich mit den Buchstaben G. H. durchlocht. Zum Schluffe öffnete mein Wirth noch eine Schublade, um ihr einige Beweise sür die Findigkeit der Post zu entnehmen: ein Couvert mit dem Poststempel Nerv-Jork, jadressirt Mr. G. Henneberg in Europa; der Brief war prompt in Zürich eingetroffen. Dann: An die Seidenfabrik in Henneberg (Schweiz). Ferner verschiedene: An die erste Seidenfabrtk in Zürich; An Hennebergs Seidenfabrik, Werschetz (Ungarn). Dieser Brief war in Arnheim in Holland aufgegeben und direet nach Zürich gesandt worden. Mein Gönner meinte lächelnd: „Die Weltpost weiß ihren Henneberg zu finden." — Ich fügte hinzu: „Die Damen auch." (Rundschau.)
- Druck und Verlag der Brühl'schen UmverfikatS-Buch- und Stemdrnckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.
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