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Unterhaltungsdlatt MM Gießener Anzeiger (General-Anzeiger)
, GawßLag den 7. März
Nr
fl.
Schwester Ilse.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung.)
Sich aus Axels Armen lösend, eilte Adeline zu ihrer am Theetisch beschäftigten Mutter.
„Hörst Du, Mutter, hörst Du? Die Tragödie fängt an, sich zum Lustspiel umzugestalten," rief sie der erstaunt sie Anblickenden entgegen. „So erzähle doch, Axel, erzähle. Eine Burleske tollster Art. Der Herr von Gattersberg denkt nicht an's Sterben, sondern führt eine junge Frau in sein Haus l Ist es nicht zum Todtlachen, Mama, wirklich zum Todt» lachen?"
Sie hielt sich das Taschentuch vor den Mund und sank, noch immer lachend, auf einen Stuhl. Mrs. Graham blickte, halb erschreckt, halb ungläubig, von ihrer Tochter zu deren Verlobten hin-
„Was redest Du da? Bitte, erklären Sie, lieber Baron."
Statt aller Antwort nahm Axel das ihm von dem College« Schirmer gegebene Zeitungsblatt aus der Tasche und reichte es Mrs. Graham hin. Diese las langsam und auf« merksam, ihr Gesicht wurde noch um ein Weniges starrer, noch fester hefteten sich ihre Lippen aufeinander.
Ungeduldig riß ihr Adeline das gelesene Blatt au» den Händen. Sie hatte aufgehört, zu lachen und las jetzt ganz ernsthaft mit leicht gerunzelter Stirne.
„Ah, aber," meinte Mrs. Graham dann, „das ist ja das Seltsamste, was ich je erlebt habe. Von der Person, die den kranken Mann heirathet, ist das natürlich nur Spscula» tion."
„Warum krank? Vielleicht ist Wolf schon wieder ganz gesund oder doch nahe daran, es zu werden."
„Sie glauben?"
„Ja, ich hörte schon vor einigen Tagen, daß der behandelnde Arzt in Hertheim die feste Hoffnung, daß er völlig genesen werde, ausgesprochen haben soll —"
„So, so? Das ist ja recht erfreulich auch für Sie. Es war Ihnen ja so bedrückend, der Erbe Ihres Gegners im Duell zu «erden. Nun ist diese Eventualität ja beseitigt."
„Freilich und ich habe mich daher auch entschlossen, mich sogleich um das freigewordene Consulat in Porto Allegre zu bewerben."
„Porto Allegre — in Brasilien?" fragte Mrs. Graham.
„Ja, in Brasilien," bestätigte Axel. „Es soll eine schöne Stadt am Jacuhy sein, der Mittelpunkt der deutschen Colonien und mit ausgezeichnetem Klima."
„Reizend," rief Adeline auflachend. „Und die Seereise, wie lange dauert sie?"
„Drei bis vier Wochen; eine Amerikanerin, die wie Du den Ocean durchquert hat, wird sich doch vor solcher Seereise nicht fürchten? Vorläufig indessen steht uns noch eine Trennung bevor, nach der wir erst unsere definitiven Entschlüsse für die Zukunft werden fassen können- Das Ehrengericht hat mich wegen des Duells zu drei Monaten Festung verurtheilt."
„Um Gotteswillen," schrie Adeline auf, „Du wirst ein Gefangener sein?"
„Erschreckt Dich das so? Oder glaubst Du, das würde so ungeahndet an mir vorübergehen? Nein, bei uns in Preußen darf man nicht ungestraft zur Pistole greifen wie bei Euch im freien Amerika. Und ich denke, selbst Du meintest, daß ich eine Strafe verdient habe."
Adeline ging auf den Scherz nicht ein; sie zeigte im Gegentheil eine so müde, abgespannte Miene, daß Axel sehr bald schon wieder ausbrach.
„Du stehst sehr angegriffen au», Adeline; es wäre wohl das Beste, Du legtest Dich bald nieder."
Sie widersprach nicht und auch Mrs. Graham lud heute nicht wie sonst zum längeren Verweilen ein. So nahm er denn seinen Hut und empfahl sich.
Kaum hatte er die Zimmerthür hinter sich geschloffen, als die Blicke von Mutter und Tochter sich bedeutungsvoll trafen.
„Nun," brach Adeline zuerst aus, „da hast Du nun Deine gute Partie. Soll ich wirklich nach Porto Allegre gehen, mich dort vergraben in die Einsamkeit als Frau eines simplen deutschen Consuls?"
Mrs. Graham schüttelte verweisend den Kopf.
„Du übertreibst, Adeline. — Nun ja, ich gestehe, Axel ist nicht mehr die gute Partie, für die ich ihn hielt, und die Frau eine» Consuls in Brasilien zu werden, scheint mir auch


