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Krug besitzt, wie „Das Rothe Kreuz" mittheilt, ein eigen- artiges Verschlußstück, das aus einem Zapfhahn und einer kleinen F'asche mit flüssiger Kohlensäure besteht. Die Füllung reicht zum Ausschank von etwa 7 Litern. Das Bier wird unter Druck durch den Hahn in das Trinkglas gepreßt. Die dem Bier stetig beigegebene Kohlensäure erhält dasselbe bis zum letzten Tropfen frisch und schmackhaft.
Künstliche Milch herzustellen, ist bereit» von vielen Forschern versucht worden, ohne daß man bisher zu nennens- werthen Resultaten gelangt wäre. Mehr Erfolg fchetnen die neuerdings von Dr. Klimont angestellten Versuche zu versprechen. Derselbe stellt zunächst aus Waffer, Milchzucker und Cassin unter weiterem Zusatz von Eidotter und einer Lösung vborphorsaurem Kalium, Kalk und Kochsalz ein Milchserum her. Dasselbe erhält nach längerem tüchtigen Schütteln durch ein Rührwerk eine, wie „Das Rothe Kreuz" mitcheilt, der natürlichen Milch gleichende Farbe und behält dieselbe nach dem zur völligen Herstellung noch erforderlichen Fettzusatz in Gestalt von Margarine und Sesamöl. Das der Milch nach Aussehen und Gehalt ähnliche Präparat hält sich im ün- stigen Falle zwei bis drei Tage bei Zimmertemperatur, setzt viel stärkere Rahmschicht ab als natürliche Milch und wird durchschnittlich nach sechs Tagen sauer. Der Geschmack soll milchähnlich sein. Der Kostenpunkt dürfte bei den gegenwärtigen Preisen de« Casöin« und des Milchzuckers der Her- stellung im Großen vorläufig Hindernifle in den Weg legen
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Makrelen in Wein. (Flämisches Gericht ) Man schwitzt 15 Gramm Mehl in 100 Gramm Butter gelb, fügt eine Tasse aufgelöste» Liebig» Fletschextraet, drei Gla» Bur- gunder, Salz, Pfeffer und ein wenig Muscatblüthe hinzu und läßt in dieser Sauce die Makrelen 10 bi» 15 Minuten dünsten, worauf man unter die erstere etwas Champignonextract rührt und sie über die auf einer heißen Schüffel angerichteten Fische gießt. In Flandern werden aus vorstehende Weite hauptsächlich Seemakrelen zubereitet, indeffen läßt sich viese Zu- dereitungsart auch auf Flußmakrelen anwenden.
Verm.Echtes.
Sprichwörtlich ist schon die Angewohnheit aller Frauen geworden, vor jedem Schaufenster, hinter dessen Glasscheiben Damenmoden und insbeso? dere Hüte zum Besichtigen anlocken, stehen zu bleiben und die Auslagen mit begehrlichen Augen zu betrachten. Namentlich sind es Hüte, welche schön geschwungene weiße oder schwarze Straußenfedern al« Aufputz tragen, die so manchem Frauenmunde ein „Ahl" und „pr und in der Folge manchem Ehegatten und Vater manch' glänzenden Goldfuchs entlocken. Straußenfedern, die Königin unter den Federn! Sie war es von jeher, von den Zetten der Pharaonen an, wo Sclavinnen mit umfangreichen Federwedeln ihren Gebietern Kühlung zufächelten, bis auf das Mittelalter, wo die Straußenfeder nicht nur die Hüte der Evelfräulein schmückte, sondern auch von den Rittern, vom Helm oder Barett lang herabwallend, al» Kopfschmuck vielfach Verwendung fand - endlich bis auf die Jetztzeit, wo die Straußen- feder ein so beliebter Mode-Art'kel geworden ist, daß zur Deckung des Bedarfs umfangreiche Straußenzüchtereien angelegt werden mußten. Hebet die Menge der gewonnenen Federn, ihre Bearbeitung und den Werth, welchen sie auf dem „Markt" repräfentiren, giebt uns eine interessante „Epistel über Straußenfedern" in der illustrirten Familienzeitschrist „Universum" (Dresden) ausführliche Auskunft. Als bezeichnend für den gewaltigen Bedarf heben wir die Thatsache hervor, daß auf den sechs Londoner Auctionen des Jahres 1894 sür nicht weniger als ca. 12 Millionen Mark Straußenfedern versteigert wurden.
Literarisches.
Die Jugend unserer Fürstenhöfe. E8 war ein entschieden glücklicher Gedanke, als die illustrirte Zeitung ,Uet»ee Land und tjHeer* es kürzlich unternahm, ihrem Leserkreise im Bilde eine Reihe von deutschen Prinzessinnen und Prinzen vorzuführen, die noch dem „Heranwachsenden Geschlechte" angehören und dem größeren kreise der Oessentlichkeit erst bekannter zu werden pflegen, wenn sie zum Altäre treten oder zum Throne gelangen. Auch die soeben ausgegebene Num- mer 13 des genannten Blattes bietet wieder eine derartige Serie dar, die zweite Reihe der deutschen Prinzessinnen. Wie bei der ersten, so zeigt sich auch bei dieser, über wieviel Reiz und Anmuth die deutschen Fürstenkinder verfügen, die wir einstweilen erst als „angehende" Landesmütter zu betrachten haben.
Unter dem Titel »Hoch Freundschaft «nd GeseUigkrit l* erschien im Verlage von Levy L Müller in Stuttgart eine Sammlung ausgewählter Reden und Trinksprüche, bei Einladungen, geselligen Abenden, bei Spiel und Tanz, zu Sylvester und Neujahr, sowie im engeren Freundeskreise zu verwenden. Das von Justirus Abel hetaus- gegebene Buch bringt so ziemlich alles, was von einem Gesellschafter verlangt werden kann. Sämmtliche Reden und Toaste sind dem modernen Leben angepaßt und entfalten an passenden Stellen einen Humor und Witz, wie er in andern derartigen Werken nirgends angetroffen wird, und wie er doch durchaus nothwendig ist, roenit durch eine Rede „Stimmung" in die Gesellschaft gebracht werden soll. Was wir dem Verfasser recht hoch anrechnen, ist der Umstand, daß er alle abgedroschenen und trivialen Redewendungen verschmäht und aus der reichen Schatzkammer seines Geistes nur das Beste und Originellste bietet. Gerade jetzt, wo das gesellichaftliche Leben reger zu pulstren beginnt, wird der gefällige Band von 112 Seiten — er kostet broschiert nur Mk. 1.20, elegant kartoniert Mk. 1.50 — vielen ein hochwillkommener Helfer in der Roth fein.
Gräßliche Zauberkunststücke werden durch ganz glaubwürdige Reisende von den indischen Fakirs erzählt. Ein solcher Fakir steht auf einem Teppich, dicht umringt von einer Menge Menschen. Er wirst ein Seil in die Höhe und — das Seil bleibt in der freien Luft hängen. Ein Knabe klettert daran in die Höhe und verschwindet in der Lust; der Fakier klettert, ein großes Messer zwischen den Zähnen, ihm nach und verschwindet ebenfalls. Plötzlich fallen einzelne bluttriefende Gliedmaßen, der Körper und endlich der Kopf des Knaben dicht neben dem Seile herab. Ihnen folgt der Fakier, langsam an dem Seile herabgleitend. Unten angelangt, bringt er die einzelnen Glieder in die richtige Lage, murmelt Beschwörungen und deckt alles mit dem Teppiche zu. In diesem Augenblicke erscheint der Knabe frisch und gesund, indem er sich von draußen durch die Menge drängt. — Unsere größten Taschenspieler dürften es unmöglich finden, dieses Stück nachzumachen, und doch geht diese „Zauberei" ganz mit rechten Dingen zu. Ebenso ist es mit einem beliebten Kunststück der burätischen Schamanen. Diese springen vor den Augen der Zuschauer ins Feuer und ziehen glühendes Eisen über die Zunge; man nimmt den Geruch des verbrannten Fleisches wahr, und doch erscheint der Thäter selbst nachher nicht beschädigt. Einiges Licht in diese rätselhaften Vorgänge bringt die illustrierte Familien- Zeitschrift »Heimchen m Herd* (Verlag des Universum in Dresden), die wöchentlich nur 10 Pfg kostet.
Meisterwerk« der Hoizschneidekanft aus dem Gebiete del Architektur, Skulptur und Malerei. Siebzehnter Band. Ein Großwlio- band mit 108 Holzichnitt-Tafeln. In Prachteinband 18 Mark Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Die „Meisterwerke der Holzichnetde- kunst," von denen bisher im Lause von 17 Jahren ebensoviele Bände erschienen sind, haben unter den künstlerischen Veröffentlichungen Deutschlands sich längst einen festen Platz, eine daheim wie auswärts gleich sehr geachtete Stellung errungen. Hervorgegangen aus dem doppelten Bestreben, die Schöpfungen bildender Kunst jeder Art in vorzüglichen Nachbildungen in weiteste Kreise zu tragen und dabei dem gediegenen und vornehmen Holzschnitt gegenüber den mechanischen Vervielsälügungs- weisen photographischer Technik sein altes Ansehen zu wahren, sind sie der gestellten Aufgabe nach beiden Seiten hin mit gleichem Ernst und Eifer gerecht geworden. Frei von jeder Einseitigkeit, haben sie neben der zeitgenössischen Kunst, die selbstverständlich die ausgedehnteste Berücksichtigung fand, von Zeit zu Zeit auch hervorragende Werke vergangener Perioden in ihren Kreis gezogen, auf dem Gebiet modernen Schaffens aber neben der nächstliegenden Malerei auch der Plastik und Architektur den gebührenden Raum gewährt und hier wie dort nach Möglichkeit jede bemerkenswerthe künstlerische Richtung der Zeit zum Ausdruck gelangen lassen. So ist eine von Jahr zu Jahr augewachsene Sammlung von denkbar größter Mannigfaltigkeit der Darstellungen sowohl wie der künstlerischen Anschauungen entstanden, die in einer langen R>ihe ansprechender, zum Theil bedeutender Kunstschöpsungen verschiedendster Art ein stattliches Stück künstlerischer Entwickelung widerspiegelt und auch dem, der größere Galerien und Ausstellungen nur selten sieht, ooch eine ständige Theilnahme am künstlerischen Leben ermöglicht. Nach ihrem ersten Auftreten haben diese Holzschnittfolgen denn auch in Deutschland und weit über dessen Grenzen hinaus eine von Jahr zu Jahr gesteigerte Verbreitung gefunden, und der gleichen Theilnahme dürfen sie fernerhin um so gewisser fein, als das Jntereffe am Schaffen der bild-nden Künste in unseren Tagen ganz unverkennbar in ständig wachsender Zunahme begriffen ist.
Bebaction: A. Scheyba. — Druck und Verla, der Brühl'schen UniverMtS-Buch- unb Steinbruckerei (Pietsch * Scheyba) in »'-tzm.


