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berichtete sie alsbald in athemlosem Eifer von ihrem Aben- I teuer im Thurm.

Die beiden Damen lauschten ihrer Erzählung mit utt* »erkennbarem Interesse.

Da hast Du ja das Haus voll Patienten," bemerkte Valerie halb scherzend.

Du hast ja auch einen!'' erwiderte Liffa lebhaft und sah mit leuchtenden Augen von dem niedrigen Sessel, auf dem sie Platz genommen hatte, zu der Freundin auf.

Valerie zog die Brauen zusammen und Paula Dönhoff warf ihrer Nichte einen bedeutsamen Blick zu. Asten hatte den beiden Damen schon genugsam von dem reizenden Ge- schöpf, das sich, als er das Bewußtsein wiederfand, über ihn beugte, vorgeschwärmt; seiner Beschreibung nach konnte es keine Andere als Liffa gewesen sein. Wie Valerie jetzt in das mit lieblichem Lächeln zu ihr aufblickende Gesicht sah, beschlich sie ein solches Gefühl des Neides, ja, des Haffes, daß sie nicht begreifen konnte, wie sie dieses Mädchens Gesell« schäft bisher nicht nur geduldet, sondern thatsächlich gesucht hatte.

Herrn von Asten meinst Du?" versetzte sie gleichgiltig. Den kann man kaum krank nennen. Johann sagte uns, er fühle sich heute wieder wohler, allerdings haben wir ihn noch nicht gesehen."

Dann wird er zu Eurer Gesellschaft jedenfalls wieder ganz gesund sein!" rief Liffa mit verrätherisch strahlenden Augen.

Valerie biß zornig die Zähne zusammen. Wie hatte sie nur so thöricht sein können, dieser Mädchen mit seiner be­strickenden Schönheit dazu einladen zu können!

Sie sah nach ihrer Tante hin.

Dieselbe stand am Fenster und starrte in die Ferne. In ihren kalten, strengen Mienen aber las VÄerie deutlich, daß die noch immer hübsche Wittwe er geradezu empörend fand, daß der Wärters Nichte an der Gesellschaft lhellnehme« follte.

Valerie war rathlos. Was thun?

Die Einladung direct zurückziehen verbot ihr die Höflich­keit und doch und doch sie mußte Asien von dem Mädchen fernhalten.

Weißt Du, Liffa," Hub sie endlich, sich gewaltsam zu scheinbarer Ruhe zwingend, an,das ist diesmal ganz anders wie sonst; wir erwarten zu dieser Gesellschaft verschiedene sehr vornehme Leute aus der Residenz."

O, das ist ja herrlich!" rief Liffa und klatschte vor Vergnügen in die Hände.

Plötzlich sprang Valerie auf und trat zwischen Jene und die offene Balkonthüre.

Aber zu spät!

Curt von Asten, den sie ganz unerwartet draußen einher« promeniren sah, hatte Liffa bereits bemerkt.

Ingrimmig biß Valerie sich auf die Unterlippe, als sie beobachtete, wie es in den so ruhig, fast phlegmatisch drein­schauenden grauen Augen plötzlich aufleuchtete und dieselben mit unverhohlener Bewunderung auf Liffas graeiöser Gestalt haften blieben.

In diesem Moment erstarb der letzte Hauch von Freund­schaft in Valeriens Brust; statt dessen erwachte ein Gefühl bittersten Hasses, wie nur so kalte, selbstsüchtige Naturen wie die ihre empfinden können.

Einen kurzen Moment blieb Osten zögernd an der Thüre stehen, sichtlich erwartend, man werde ihn auffordern, näher zu treten, dann wandte er sich, warf die Cigarre weg, that noch wenige Schritte und lehnte gegen eine der steinernen Säulen, ohne von Liffa bemerkt worden zu sein.

Obwohl den Rücken dem Zimmer zugekehrt, entging ihm doch kein laut gesprochenes Wort der drinnen geführten Unterhaltung.p, pt

Wirst Du Dich auch in so vornehmer Gesellschaft zu benehmen verstehen, Liffa?" setzte Valerie in plötzlich gedämpf­tem Tone die Unterhaltung fort.Ist Dir nicht bang. Dich ungeschickt zu benehmen und dadurch Dich und mich mit in Verlegenheit zu bringen?"

GeMKinnNtziges.

Syphon-Bier, d. h. Bier, welchem der Consument im Augenblick des Gebrauches nach Bedarf die erforderliche Kohlensäure zusetzen kann, ist eine Neuerung, die auch vom gesundheitlichen Standpunkte alles Interesse verdient. Sollten sich die bisherigen Versuche bewähren, so würde das jetzige Flaschenbier bald dem Syphon-Bier Platz machen. Das letztere wird in Krügen von 6 Litern und darüber zu 30 bis 50 Pfg. das Liter, je nach Art des Biere», abgegeben. Der

Liffa meinte nicht ander», al» die Freundin sei nur schlecht gelaunt.

Wo Du Dich richtig zu benehmen weißt, werde ich mir wohl auch keine Blößen geben," versetzte sie daher mit ihrem silberhellen Lachen.Du weißt ja, ich habe die halbe Welt durchreist, habe in den verschiedenen Ländern die verschiedensten Menschen kennen gelernt und erinnerst Du Dich, wie Monsieur de Soi immer meinte, daß man sich dadurch besser als auf irgend eine andere Weise gesellschaftliche Routine aneigne?"

Valerie hatte diesen von ihrem ftanzösischen Lehrer ost gethanen Ausspruch nicht vergessen, aber gerade jetzt und von dieser Mädchens Lippen daran erinnert zu werden, brachte sie halb von Sinnen.

Ihre mattblauen Augen blitzten wie die einer Natter und ihrs Züge färbten sich dunkelroth, wie sie sich über die ahnungslos lächelnde Liffa beugte.

Du kleine, boshafte Kreatur!" zischte sie voll Ingrimm.

Wie kannst Du Dich erdreiste«, so zu reden?"

Erschrocken über da» unheimliche Blitzen in Valeries Augen wich Liffa scheu zurück.

Wie? Hatte die Freundin den Verstand verloren?

Jetzt trat auch Frau von Dönhoff hinzu und sah streng verweisend auf die Erstaunte herab.

Zügle Deine Zunge, mein Kind," sprach sie.Wie darfst Du ein Findelkind, das von der Güte eines armen, alten Krüppels lebt, dem es an jeglicher Bildung fehlt, dessen dritte» Wort ein Fluch ist wie darfst Du wagen, so zu uns zu reden!"

Liffa hörte von dem Allen nur die schändliche Verleum­dung ihre» geliebten Onkels.

Mit funkelnden Augen und vor Erregung leidenschaftlich flammenden Zügen sprang sie auf.

Das ist nicht wahr!" rief sie heftig.Sie find die Erste, die an meinem guten, geliebten Onkel etwas auszufetze« hat! Ich bin stolz darauf, feinen Namen zu tragen!"

Wer weiß, zu welch' unüberlegten Worten ste sich noch hätte hinreißen lassen» wäre in dem Moment nicht St. Clair eingetreten.

Mit einem Blick erfaßte er sofort die Situation und ei« sarkastisches Lächeln umspielte feine Lippen.

Frau Dönhoff, blaß vor Zorn, daß er Zeuge dieses Auftrittes ward, verlor den letzten Rest von Selbstbeherrschung.

Es ist wohl an der Zeit, Liffa, Dich über etwa«, das Dir völlig fremd zu fein scheint, aufzuklären," Hub ste mit vor innerem Grimm erstickter Stimme an.Du sagst, Du seist stolz auf Deinen Namen, weißt aber wohl gar nicht, daß Du selbst auf diesen, so werthlos er ist, gar kein Recht hast? Du hast überhaupt keinen Namen, bist ein armer Findling, den die See ausgeworfen hat!"

Schreck und Bestürzung malten sich bei diesen Worten auf Liffas Zügen, fie wurde leichenblaß und starrte mit wildem, verstörtem Blick von Einer zur Anderen.

Einen Moment war sie versteinert, dann erschütterte krampfbaftes Zucken ihren ganzen Körper und ohne noch einen Blick, ohne ein Wort des Abschieds floh fie durch die Balkon- thüre die Stufen hinab und lief durch den Garten nach der Bucht, wo fie ihr Boot gelassen hatte.

(Fortsetzung folgt.)