Ausgabe 
6.8.1896
 
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Ferdinands fei und nun gab es einen Mordsscandal im Hause. Poldi wurde davongejagt, Ferdinand wurde mit Enterbung und väterlichem Fluche bedroht und selbst die Mutter Ferdi­nand«, welche zwischen Vater und Sohn zu vermitteln suchte, konnte mit den beiden harten Köpfen nichts aurrichten. Grinzinger senior war eigensinnig wie ein Kosakenpferd und wollte nichts von einer Versöhnung mit dem Sohne wissen, wenn er sich nicht seinen Wünschen fügte. Grinzinger junior war ebenso eigensinnig und wollte sich selbst durch den väter­lichen Fluch nicht von Poldi abbringen lassen, der er Treue geschworen hatte- Frau Grinzinger kam zu mir und klagte mir ihr Leid; aber die Polizei hatte natürlich nicht die mindeste Veranlassung, einzuschreiten und sich in Familien» angelegenheiten einzumischen. Die Verhältnisse blieben wie sie rottreu, das heißt, unerquickliche. Der alte Grinzinger ärgerte sich und grämte sich über den Sohn, die Mutter war außer sich, daß der Sohn verstoßen war, und dem Ferdinand Grinzinger ging es auch nicht gut. Er hatte eine Stelle als Aushülsrkellner genommen, konnte aber kaum so viel zu« sammenbringen, um sich selbst zu erhalten; an eine Verbindung mit der Poldi war nicht zu denken. Der alte Grinzinger verfolgte das Mädchen auch geradezu. Sie hatte in einem anderen Kaffeehause eine Stellung gefunden. Der alte Grin­zinger war nichtswürdig genug, seine Bekanntschaft mit dem Besitzer des Kaffeehauses auszunützm, um Poldi wieder au» der Stelle herauszudrängen. Gerade dieser letzte Schritt hatte den Sohn noch mehr gegen den Vater erbittert. Poldi fühlte sich unglücklich, denn sie fürchtete, es würde ihr ferner ganz und gar unmöglich fein, irgendwo unterzukommen. Das Liebespaar war nahe daran, wegen seiner ungünstigen Verhältnisse zu verzweifeln, als ihm, ich weiß nicht durch welchen Zufall, Frohner in den Weg kam.

Frohner gerieth in große Entrüstung bei der Nachricht von dem Geschehenen.

Habe ich denn," sagte er,dem alten Esel sein Geld deshalb gerettet, damit er Dummheiten damit machen soll? Ist das ein Benehmen von einem Vater gegen seinen einzigen Sohn, Zwenn dieser ein bildsauberes Mädel heirathen will? Gleich gehe ich zu dem alten Krauterer und sage ihm die Wahrheit! So viel Grobheiten soll er noch nie gehört haben!"

Ferdel und Poldi baten aber Frohner dringend, seinen Entschluß nicht auszuführen. Sie stellten ihm in sichere Aus­sicht, daß Grinzinger senior ihn ohne Weiteresliefern", das heißt hinauswerfen würde, wenn Frohner sich erdreisten sollte, sich in Familienangelegenheiten zu mischen. Grinzinger senior sei so verbittert, wüthig und unzugänglich, daß ver­nünftiges Zureden gar keinen Zweck bei ihm habe.

(Schluß folgt.)

Ursachen und Verhütung der vorzeitigen Kahlheit des Kopfes.

Von Dr. Otto Gotthilf.

------- (Nachdruck verboten.)

Es ist eine bekannte Thatsache, daß Kahlheit bei Männern überaus häufiger vorkommt, als bet Frauen. Auch fängt das Ausfallen der Haare bei den Männern an anderen Stellen an. Zunächst lichtet sich der Stirnfcheidel entweder in der Mitte oder zu beiden Seiten. In letzerem Falle bleibt meist ein Stirnbüschel noch längere Zeit kümmerlich erhalten. Bis­weilen tritt die Kahlheit auch zuerst an dem Hinterhaupt­schädel auf. Bet Frauen dagegen beginnt dis Kahlheit fast nie an diesen Stellen, sondern auf der Höhe des Kopses oder hinter beiden Ohren. Diese Verschiedenheit des Auftretens wird verursacht durch die ungleiche Kopfbedeckung und durch die verschiedenartige Behandlung der Haare, wie sie bei Frauen und Männern üblich ist.

Es hängt nämlich das Wachstum der die Haare bilden­den Zellen von der richtigen Blutzufuhr und von der An­regung der betreffenden Nerven ab. Alle Störungen dieser

Vorgänge müssen, wenn sie längere Zeit hindurch einwirken, nothroendig zur Verkümmerung der Haarwurzeln und zum Verluste der Haare führen.

Die Kopfbedeckung der Frauen ist nun leicht und luftig, nicht im geringsten drückend oder beengend, und sitzt nur auf den gewickelten ober geflochtenen Haaren. Im Sommer ist buchstäblich der Sonnenschirm die eigentliche Kopfbedeckung der Frauen. Aber auch im Winter kann die Luft die Stirn und einen großen Theil des Stirnscheitels wohlthätig beein­flussen. Es werden also einerseits weder die Nerven noch Adern des Kopfes durch Pressung bei ihrer die Haarwurzeln nährenden und anregenden Thätigkeit gehindert, und andrer­seits tritt eine gesunde Abhärtung der Kopfhaut ein, wodurch das zarte Geschlecht die starke Männerwelt bedeutend übertrifft.

Die Kopfbedeckung der Männer hingegen ist schwer und beengend, wenig durchdringlich für Luft und Licht und meist von drückender Starre. Viel zu selten werden im Hoch­sommer leichte Stoff- und Strohhüte getragen; auch dann ist vielfach noch ein steifer Hut von hellerer Farbe in Ver­wendung. Außerdem tragen die Männer die Haare sehr kurz, so daß zwischen dem drückenden Hutrände und der Kopf­haut nur eine sehr dünne, die Haut kümmerlich deckende Haarlage sich befindet, wodurch namentlich bei schmächtiger Veranlagung der Haare die zwischen dem starren Hutrände und den Kopfknochen gelegene Haut mit ihren Adern und Nerven einem heftigen Druck ausgesetzt ist. Dieser wird nur da einigermaßen gemildert, wo auf den Knochen Muskeln lagern, welche wie ein Polster wirken. Es trifft dies haupt­sächlich an den Schläfen zu, weshalb auch dort fast nie eine vorzeitige Kahlheit eintritt. An den übrigen Stellen aber, namentlich an den hervortretenden Knochen der Stirne und des Hinterhauptes, bewirkt ein starrer Hut schon sehr bald eine tiefe, meist sichtbare Strangulirungsfurche, mit welcher sogar eine erhebliche Spannung der Haut verbunden ist, wenn infolge stärkeren Windzuges der Hut fester aufgedrückt wird. Solch ein Druck, welcher oft stundenlang andauert und Jahre hindurch immer wieder die gleichen Hautstellen trifft, muß natürlich über kurz oder lang die Gefäße und Nerven in ihrer Ernährung stören. Daher erstreckt sich die Ausbreitung der Glatze fast stet» gerade über das Verästelungs­gebiet der Stirn und Hinterhauptsnerven. Eine abnorme Schädelbildung kann am Umrisse der Glatze insofern etwas ändern, als ein stark entwickelter Hinterhauptshöcker durch den directen Hutdruck haarlos wird, so daß sich die Kahlheit dann hinten nach unten bedeutend verlängert und verschmälert. Durch den luftdicht abschließenden Hut wird aber auch die Ausdünstung der Kopfhaut sehr erheblich beeinträchtigt. Bei Leuten, welche eine solche schädliche Kopfbedeckung tragen, sind bei körperlicher Bewegung die Haare in der Regel ganz naß geschwitzt. Daher führen die meisten Kahlköpfigen den Beginn und raschen Fortschritt ihres Zustandes auf eine be­stimmte Zeit zurück, wo sie häufig am Kopfe schwitzten. Auch pflegt eine beginnende Glatze während der warmen Jahres­zeit die größten Fortschritte zu machen.

Bei den Frauen hingegen fallen alle diese unheilvollen Vorgänge gänzlich weg. Demgemäß kommt bei ihnen vor­zeitige Kahlheit viel seltener vor, und wenn sie sich zeigt, so ist in der Regel die unrichtige Behandlung der Haare schuld, indem dieselben beim modischen Aufputze besonders hinter den Ohren und auf der Höhe des Scheitels anhaltender Zerrung ausgesetzt sind. Es tritt dort häufig Zerreißung der Haar­wurzeln und allmähliche Verödung des so mißhandelten Haar- bettes ein, weshalb eben bei Frauen die Kahlheit an dieser Stelle zu beginnen pflegt.

Allerdings gibt es auch noch andere Ursachen, welche zum Haarausfall beitragen können. So pflegen tief erschüt­ternde seelische Erregungen, Sorge, Kummer, Schreck und Angst nicht nur da» Allgemeinbefinden zu stören, sondern auch das Gedeihen der Haare ungünstig zu beeinflussen. Schwindet doch durch solche Gemüthraffecte bisweilen plötzlich die Pig­menterzeugung der Haarpapillen, so daß ein sofortiges Ergrauen statifindet. Dies kann gar nicht so wunderbar