Ausgabe 
6.8.1896
 
Einzelbild herunterladen

Haupt noch nicht gesehen habe. Seine College« draußen im Grünen sollten einen Festtag haben, wie lange nicht.

Der arme Kerl sollte aber nicht dazu kommen, die Freude auszukosten, denn al» ich Weghuber am nächsten Tage im Bezirkscommiffariat aufsuchte, sagte er mir:

Denken Sie, den armen Frohner haben die Schufte abgefangen und gezeichnet. Die Genoffen der Einbrecher, die er verrathen hat, haben furchtbare Rache an ihm genommen. Man hat ihn halb todtgeschlagen aufgefunden, und da er ein Berräther ist, haben ihm die Kerle außerdem noch mit ihren Meffern kreuzförmige Stücke Fletsch au» der Stirn und den beiden Backen herausgeschnitten. Er ist für die Zeit seine» Lebens entstellt; aber dieses Leben dauert wohl nicht mehr lange. Sie haben ihn so mißhandelt, daß er höchstwahr­scheinlich nicht aufkommt. Man hat ihn erst heute Morgen gefunden. Wahrscheinlich hat er die ganze Nicht in Bewußt­losigkeit gelegen und im Krankenhaus geben die Asrzte wenig Hoffnung auf feine Wiederherstellung. Da» hat man nun von der Sache. Der Grinzinger muß geschwatzt haben und so haben die Freunde der eingesperrten Einbrecher erfahren, durch wen die Sache verrathen worden ist. Ich mache mir Vorwürfe, daß ich nicht vorsichtiger gewesen bin- Ich hätte den Frohner miteinsperren sollen oder wenigstens an dem Tage eingesperrt halten sollen, an dem die Kerle erwischt wurden. Dann wäre in der Verbrecherwelt auf ihn kein Verdacht ge­fallen. Nun ist es auch mit seinem Confidententhum aus, selbst wenn er davonkommt, was ich nicht glaube."

Ich sah ein, daß e» in der That seine unangenehmen Seiten habe, Constdent und Helfer der Crimnialpolizei zu sein. Die Polizei liebt den Verrath, aber der Verbrecher haßt den Verräther, und Frohner hatte diesen Haß in sehr fühlbarer Weise kennen gelernt.

Al» ich vier Tage später von Wien wieder fortging, erkundigte ich mich beim Abschied auch nach dem Befinden Frohner».

Es geht ihm bester, wenn auch nur ein klein wenig," erzählte mir der liebenswürdige Commistar;er wird noch viele Wochen brauchen, bevor er wieder herumkraxeln kann. Sie haben ihn gar zu mörderisch zugerichtet. Mehrere Rippen find ihm gebrochen, ein Fuß im Knöchel ist gebrochen, wahr­scheinlich, weil die Bande auf ihm herumgetrampelt ist und

1896

TQ

M

MW

UntrrhaltimgMatt nun Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

Der Confident.

Aus den Erinnerungen eines Criminalbeamten.

Von A. Oscar Klausmann.

(Fortsetzung.)

Was ihn aber am meisten nach seinem eigenen Ge» ständniste packte, und was ihm überhaupt die Lust nahm, jemals wieder in geordnete Vrrhältniste zurückzukehren, war der Umstand, daß sich seine Braut, während er im Gefängnisse saß, einem lüderlichen Leben ergeben und von Stufe zu Stufe gesunken war," fuhr der Commistar nach einer kurzen Pause fort. Sie hatte einen Übel berüchtigten Spieler und Schwindler geheirathet, mit dem sie in einer höchst unglücklichen Ehe lebte. Warum gerade diese Verhältniffe Gottlieb so gepackt hatten, darüber hat er sich nie ausgelaffen, in der Beziehung ist er verschwiegen und verschloflen wie ein Buch mit sieben Siegeln; in ein Kaffeehaus aber geht er nicht und anständig werden will er auch nicht. Wenn Sie wollen, Herr Grinzinger, depontren Sie bei mir ein paar Gulden für Gottlieb, damit er sich einmal etwas zu Gute thun kann. Jede andere Mühe ist vergebens, ich habe mir selbst gesagt, daß ein Mensch mit so viel Talent und Kenntnissen nicht hinter dem Zaune sterben darf. Aber wie bereits wiederholt bemerkt, hatte ich keinen Erfolg."

Herr GrWnger deponirte darauf eine Fünfundzwanzig» guldennote, aber Weghuber wies dieselbe zurück.

Zehn Gulden thun e» auch. Wenn Gottlieb plötzlich sünsundzwanzig Gulden bekommt, könnten seine Pülcher- Genoffen höchstens in die Versuchung kommen, ihn tobt zu schlagen, oder er macht fich durch die vielen Geldausgaben verdächtig und wird verhaftet."

Grinzinger deponirte darauf eine Zehnguldennote und ging kopfschüttelnd davon, indem er nochmals erklärte, es thäte ihm in der Seele weh, daß er für den verkommenen Menschen nichts thun dürfe.

Ich war am nächsten Tage dabei, als Frohner sich die Zehnguldennote abholte. Er war über dieselbe außerordenttich erfreut, und behauptete, er würde dafür einen solchen Borrath von Tabak ankaufen, wie man ihn im Wiener Prater über-