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G-nBeinnÄtzig-S.

(gilt Sanitäts - Beerenwein. Der aus Heidel« oder Blaubeeren bereitete Wein besitzt in der Bevölkerung noch lange nicht das Interesse, welches er al» wirklich gutes und gesundes Volksgetränk verdient. Die Heidelbeeren sowohl in frischem wie getrocknetem Zustands und der aus ihnen durch sachgemäße Behandlung gewonnene Wein besitzen werthvolle medicinische Eigenschaften, die andere Beeren und Beerenweine, ja selbst Traubenweine nicht haben. Nach einer Analyse der Weinbau-Versuchsstation Würzburg ist Heidelbeerwe n reich an Gerbstoff und Eisenverbindungen und deshalb als diäte­tischer Wein werthvoll. Es ist aber nicht das allein, was die Heidelbeeren in gesundheitlicher Hinsicht so nützlich macht; es ist vor allem ihr Farbstoff. Jedermann weiß, daß der Farbstoff der Heidelbeeren in die feinsten Spalten einzudringen vermag; er dringt sogar in die feinen Canäle des Zahn­schmalzes ein. In dieser starken Färbekraft liegt nun eine besondere Heilwirkung, die sich bei manchen leichteren Mund- krankheiten und Flechten der Haut bewährt hat. Der Färb- stoss dringt in jede kleine Zelle ein und macht sie unschädlich und schafft so eine Wundfläche von noch lebenskräftigen Zellen. Zu Wein verarbeitet kann die Heidelbeere nur noch größere wirthschaftlichs Bedeutung erlangen, als sie jetzt als Genuß- mittel schon hat. Es ist immerhin ein wirthschaftlicher Ge- winn, wenn ihre Gewinnung und Verarbeitung einen Theil des Capital» an sich zieht, das bisher alljährlich noch für Rothweine ans Ausland gezahlt wird. Die Mengen von Heidelbeeren, welche die deutschen Waldungen in sich bergen, würden der ärmeren Bevölkerung, namentlich der Gebirgs­gegenden, eine willkommene Erwerbsquelle gewähren, wenn bei verstärkter Nachfrage sicherer Absatz das Einsammeln lohnte.

Milch- und Kaffeedecken werden mit einer Mischung von Eigelb und Glycerin bestrichen, dann in warmem Wasser ausgewaschen und noch feucht auf der verkehrten Seite mit einem nicht gar zu heißen Plätteisen geplättet. Für wollene und halbwollene Maaren benutzt man eine Mischung aus einem Theil Glycerin, neun Thetlen Wasser und einem halben Theil Salmiakgeist. Man benetzt die befleckten Stellen damit und wiederholt das Benetzen zwölf Stunden lang, so oft die Stellen trocken werden. Dann preßt man sie zwischen reinen Lappen und plättet dieselben. Seidenstoffe werden in ähn­licher Weise mit fünf Theilen Glycerin, fünf Theilen Wasser und einem Vierteltheil Salmiakgeist behandelt, doch muß man sich früher überzeugen, ob die Farbe nicht leidet. Man stellt den Glanz durch Bepinseln mit Gummiwafler oder Bier vor dem Plätten wieder her. *

Wirksames Mittel gegen Fliegen. Da in der warmen Jahreszeit die Fliegen in den Ställen und Wirth- schaftsräumen des Landwirthe» oft zu einer großen Plage werden, so sei auf ein ausgezeichnetes Mittel aufmerksam gemacht, welches der Rittergutsbesitzer Koch in Altenzaun gegen die Fliegen mit großem Erfolg anwendet. Ende Februar oder auch noch im März werden sämmtliche Stallungen und Wirthschaftsräume geweißt und jedem Eimer Kalkmilch wird etwa */< Liter Kresolin zugesetzt.

Die Volkstracht, die sich leider nur in einigen Gegenden unsere» deutschen Vaterlandes erhalten hat, stellt auch ein Stück deutschen Volksthums dar. Sie weist ein hohes, ehrwürdiges Alter auf, indem sie eine Ueberlieferung aus der grauen Vorzeit unseres Volkes und zum Theil bi» auf die germanische Götterwelt zurückzusühren ist. Mehrfach sind in jüngerer Zeit Bestrebungen hervorgetreten, u. A. auch

in Oberhessen, die noch vorhandenen Volkstrachten vor dem Untergangs, vor der Verdrängung durch die alle» gleich machende städtische Tracht zu bewahren. Diesen Bestrebungen liegt der edle Wunsch dess Festhaltens an der Väter Weise zu Grunde, der auch den Leitgrund der nachfolgenden stimmungs- und gemüthvollen Dichtung eines fränkischen Land- wirthe» bildet.

Bärbchens Lied.

Wenn ich im Hausflur oben geh' An Muhmes Truh' vorbei, Wird stets mir um das Herz so weh, Als ob dort unter Erd' und Schnee Ein Glück vergraben sei;

Wohl weiß ich, was im trübem Muth Mein Herz so traurig macht: Im spruchgeschmückten Schreine ruht Die alte, liebe Tracht.

Da liegt, gefaltet säuberlich Von Händen, die längst ruhn, Manch' Röckchen, dessen Grün verblich, Dess' buntes Band entfärbte sich. Bei hohen Stöckelschuh'n;

Der Ahne braunes Bernsteinbaud, Manch' alter Thaler schwer, Ein Silberreif für Bauernhand Und andre Schätze mehr.

Es ruht im altersgrauen Schrein Seit vielen Jahren aus Manch' schneeig-weißes Halstüchlein, In dessen Ecken stickte fein Die Ahn' den Blumenstrauß, Und auch ein Mützlein*) ruht dort wohl, Von längst verschollenem Schnitt, Mit Silberknöpfen schwer und hohl Denn anders that man's nit.

Doch auch manch' dunkles Häubchen rund, Dran manch' gewässert Band, Dess' Form man nicht mehr kennt jetzund, Und Seidentüchlein zart und bunt, Mit weichem Franzelrand.

Wie wird mir doch so trüb zu Sinn, Daß man dich nun verlacht, Wo gingst du hin, wo gingst hin, Du alte, liebe Tracht!

Im Schenkhaus tanzt heut' eine Maid, Tanzt eine Bauernbraut, Nach neu'ster Mode ist das Kleid Der luft'gen frohen Freiersleut', Die Gäste jubeln laut.

Ich hab' befestigt ihr den Kranz, Dann schlich ich fort mich sacht Du fielst mir ein bei Spiel und Tanz, Du alte, liebe Tracht!

Wenn ich einst freie, soll anS Licht Der Schmuck Großmütterleins, So tret' ich an den Altar schlicht Die neue Tracht, ich mag sie nicht! Im Glanz des Sonnenscheins. Und wenn sie einst mich sargen ein, Sei es in alter Tracht, In ihr geh' ich zum Himmel ein, Bin ich zum Heil erwacht.

Wenn dann der Petrus zögern will Und starmt mich an gar sehr, Und geht hinein zum Herrgott still, Daß selbst er meinen Wunsch erfüll', Und ruft ihn keife her, Spricht wohl der Herr: Mach' auf geschwind, Zeig' ihm des Himmels Pracht! Das ist das letzte Bauernkind In alter, lieber Tracht.

Edmund Stubenrauch.

*) Altfränkische Bezeichnung fürKittel".

Eine klassische Köchin. «Da sehen Sie her, Marie, schon wieder haben Sie etwas verschüttet!"Aber gnädige Frau, im Alterthum wurden zwei Städte verschüttet! Die Gelehrten freuten sich darüber und Sie schimpfen bei lever Kleinigkeit!"

Redaktion: I. V.: Hermann Elle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Sch end a) in Gießen.