L8S6. ff]
Samstag bett 6. Auni
c
-^V* V®® VV
ariiiheiwlatKM?
MkeKek
UntechalümgMatt pim Gießener Anzeiger (General-Anzeiger)
MZMZ
LA-LMMW
WM
Die Magdalena des Correggio.
Erzählung nach actenmäßigen Quellen von Reinhold Ortmann.
(Nachdruck verboten.)
Wild und ungeberdig brauste an einem Octobertage des Jahres 1788 der Herbststurm über die Felder und Wiesen vor dem schwarzen Thore von Dresden, al« ein einfach ge- kleideter junger Mann auf dem schlechten Landwege einem zwischen Aeckern und Weiden einfam gelegenen Hause zu» strebte.
Er hatte ein frisches, offenes Gestcht mit einnehmenden Zügen und lustig glänzenden Augen Anscheinend war es ihm sehr eilig, sein Ziel zu erreichen; denn er schritt rüstig aus, ohne sich viel um den schneidenden Wind zu kümmern, der ihm gerade entgegenblies. Und ob er dann auch ein wenig außer Athem war, als er endlich vor dem schiefen Gitterthor in der Umzäunung des ziemlich armseligen Gehöfts anlangte, ließ er doch unverwetlt dreimal nacheinander einen eigentümlichen, weithin schallenden Juchzer vernehmen, der ohne Zweifel ein Signal von ganz bestimmter Bedeutung darstellte.
Nach wenigen Minuten schon wurde es offenbar, was für eine Bewandtniß es mit diesem Erkennungszeichen gehabt; denn aus dem Hause trat eine jugendschlanke, zierliche Mädchengestalt, wandte vorsichtig spähend das blonde Köpfchen nach allen Seiten und eilte dann behend über den Hof zu dem draußen harrenden Manne.
Mit einem Blick und mit einem Lächeln, das keinen Beobachter über die Natur ihrer Empfindungen hätte im Ungewissen lassen können, reichte fie ihm ihre beiden Hände.
„Wie freue ich mich, daß Du noch gekommen bist, Hermann! Ich meinte schon, es wär' Dir leid geworden bei schlimmen Wetter."
„Als wenn man nach dem Wetter fragte, wenn es gilt, seinen Schatz zu besuchen!" gab er fröhlich zurück. „Der schreckliche Wogaz ist doch hoffentlich nicht daheim?"
„Nein, er ist schon frühzeitig in die Stadt, weil heute der Proceß entschieden werden soll, den er mit dem Nachbar Klimsch wegen der großen Wiese hat. Aber in'« Haus darf ich Dich darum doch nicht lassen, denn er kann in jedem Augenblick wiederksmmen."
Der junge Mann warf mit einer etwa« ungeduldigen Geberde den Kopf zurück.
„Und wenn er uns nun wirklich beisammen fände, was könnte am Ende so Schreckliches geschehen? Es ist doch kein Verbrechen, daß wir uns lieb haben."
Das reizende Gesichtchen der Achtzehnjährigen wurde sehr ernst und ein tiefer Seufzer hob ihren Busen.
„Er würde e« gewiß dafür ansehen," sagte sie, „und es möchte böse Tage für mich geben, wenn er's erführe. Quält er mich doch ohnedies, daß es kaum noch zu ertragen ist!"
„Was? — Er wagt es, Dich schlecht zu behandeln, Christine?" fuhr der Andere hitzig auf. „Das darf er nicht und ich werde es nicht leiden, mag er hundertmal Dein Oheim und Dein Vormund fein!"
„Nicht doch!" fiel das Mädchen begütigend ein, indem es die Hand auf seinen Arm legte und ihn ein wenig mit sich fortzog, so daß sie vom Hause her nicht mehr gesehen werden konnten. „Er meint e« ja im Gegentheil nach seiner Weise sehr gut mit mir und gerade seine Freundlichkeit ist es, gegen die ich mich wehren muß."
Diese Berichtigung war nun aber offenbar am wenigsten darnach angethan, den jungen Mann sanfter zu stimmen. In Hellen Flammen loderte das Feuer der Eifersucht aus seinen eben noch so lustigen Augen.
„Trägt sich der schlechte Kerl wirklich mit solchen Gedanken? — Und er ist vielleicht gar schon zudringlich gegen Dich geworden?"
Christine wurde sehr roth, während sie mit einem verneinenden Kopsschütteln Antwort gab.
„Er weiß, daß ich nicht eine Stunde länger unter seinem Dache bleiben würde, wenn er sich Dergleichen herausnähme. Aber er bedrängt mich freilich oft genug mit Bitten, daß ich einwilligen solle, seine Frau zu werden. Und es ist lächerlich, was für goldene Berge er mir dabei verspricht. Wenn man ihn so reden hört, könnte man wahrhaftig glauben, daß er irgendwo einen Haufen von Schätzen verborgen hat."
„Vielleicht besitzt er eine Wünschelruthe oder er hat den Stein der Weisen gefunden," sagte der junge Liebhaber mit grimmigem Spott. „Und Du wirst dann wohl auch eine» Tages einsehen, daß e« besser ist, ihn zu nehmen, al» einen


