Ausgabe 
6.2.1896
 
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dem Herrn, was soeben beschloßen worben.

Aber Sie? Aber Sie, gnädige« Fräulein? Wie werden Sie dort existiren?" rief er unruhig.

Ich habe meine Pflicht, ich habe der armen Mama ge< lobt, den Vater treu zu pflegen," sagte sie.

Leichten Herzens ging sie doch nicht.

Damit trat er durch die Glasthür bereits auf bU Terrasse- Die Anderen blickten ihm aufgeregt «ach.

Neegenhart? Der Vielbesprochene und Vielbekritelte, der Minister des Fürsten von S.? Der während der steten Abwesenheit Seiner Durchlaucht den Alleinherrscher des reichen Landes gespielt und jetzt in Ungnade gefallen war, we l er gar zu despotisch geherrscht und sich seiner Macht über- &°ben9ta das ist Partei-Urtheil," wandte ein Herr ein und zwei andere stimmten ihm zu.

Die Sache hatte jedenfalls viel Staub aufgewirbelt und war in der Zeit von den Blättern aller Parteien besprochen ro°KbUnteM hatte der Maler sich dem Präsidenten genähert.

Willkommen in Castellamare, Excellenzl"

Der alte Herr stutzte, erkannte den sreundschaftlich mit ausgestreckter Hand auf ihn Zukommenden und wandte sich plötzlich eilig ab. -

Ohne Gruß, ohne ein Wort schritt er von der Terraffe in den Garten und dann verschwand er.

Seine Tochter und Herr Schwarze blickten ihm ganz bestürzt nach, ebenso der Maler, und dann nahm Paula besten herubsinkendSiHandr Ensisberg, rechnen Sie ihm

seine Sonderbarkeiten nicht an. Die Nerven seine bitteren Erlebnifle, - laßen Sie mich Ihr Willkommen mit Dank

Ihr herzlicher Ton, die tiefe Bangigkeit und Nieder- geschlagenheit in ihren Mienen weckten dar Mitleid der

jene Gegend^^ «ine menschenmögliche Wohnung dort?" fragte bang die Tochter. ... _ _

Paula von Neegenhart stieg einsam den von prächttgen alten Steineichen beschatteten Weg nach der königlichen Villa hinauf, welche in den Schooß der grünen Berge gebettet auf Castellamare herabsieht.

Quistsana nannte man sie jetzt.

Ja __ jQ, - hier hätte man gesunden können!

Seit das geeinigte Italien den letzten König von Neapel verjagt, stand das Schloß leer; - man wollte es zu einem großen Hotel umbauen; seine Gärten verwilderten inzwischen, aber die Poesie der Verlassenheit hatte die Schönheit dieser

Auf Äer^e? höchsten Terraflen saß Paula und konnte sich nicht satt sehen an dem zauberischen Bilde, welches da­von den Dichtern aller Zeiten besungene Meer mit seinen

Ein wonnevolles Schwelgen im Genuß der unendlichen Schönheit und Harmonie dieses Blicke« erfüllte sie ganz und dabei der Schmerz, die« Alles nur einen einzigen Tag gen.^n ru^sollem Träumerei.

Heinrich Tornegg I Sie erhob sich in peinlicher Be­troffenheit. _ r ,1O

Hatte er sie hier aufgesucht?

Doch nein I Er stammelte erschrocken eine Entschuldigung und wollte sich eilig zurückziehen.

Wie konnte ich auch ahnen? - Verzeihen Sie nur, Paula! Ach, daß ich Ihnen mit meinem Anblick nun auch I da» bischen Freude trüben muß!"

I Nun that er ihr plötzlich leid. Auch er hatte sich ver I ändert, seit sie ihn zuletzt gesehen. Er hatte sie al» Student

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A)ie Gnädige finden es wohl auch noch anderwärts I wieder," tröstete Herr Schwarze, dem der Präsident, höflicher und friedlicher al» gestern gelaunt, inzwischen die Nothwendig» feit seiner baldigsten Abreise angekündigt.

Ich ertrage den Menschenverkehr für jetzt nicht. Meine Nerven sind auf dem Punkte, zu zerreißen, wenn ich nicht ein Asyl finde, welche» mir sichere» Alleinsein, völliges, un­gestörte» Alleinsein bietet," hatte er gesagt und in der Tochter stillen, freudlosen Augen schimmerte es feucht durch.

Aber wo, Vater? Wo? Wißen Sie uns nicht Rath zu geben, Herr Schwarze?" bat sie.Es kann eine Einöde fein, ein Dorf, nur o, bitte, Vater, keine Wüste, nachdem ich hier war!" .

Ein Dorf? Ich weiß eins, Gnädige, fast so schön gelegen wie dieser Platz hier; aber so eins, in welches die Civilisation kaum je gedrungen. Einmal vor zwanzig Jahren freilich aber das war auch nur so ein Versuch und die Civilisation zog den Kürzeren dabei."

Ja ja das wäre das Rechte!" rief der Präsident- I Solche Einsamkeit! Die Bauern pah! Sie würden mich für einen verrückten Jnglese halten und mich gehen laßen. Aber kann man Unterkunst finden? Wo ist es?"

Dort oben hoch im Gebirge, auf der anderen Seite des Monte Sant' Angelo ein paar taufend Fuß hoch über dem Meere und Amalfi; Agerala heißt'» und morgen muß ich dorthin, Wein einzukaufen. Fremde kommen fast nie in

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&fiÄÄI«*>- liegt beim Dorfschulzen. Er wird es Ihnen vermiethen

Und kann man Lebensmittel erhalten?"

Das Nothwendigste wohl, Herr Präfident, Geflügel,

Milch, Eier, Brod"

Das genügt. Wollen Sie die Güte haben, uns morgen mit hinauf zu nehmen?" .

Herr Schwarze verneigte sich höflich zustimmend.

Das Wie und Wann war bald besprochen.

Die anderen Pensionsgäste kamen nach und nach herunter, Grund genug für den alten Herrn, sich zu flüchten.

Ich werde an's Meer hinabgehen," sagte er zu Paula-

" Sie gingen selten nur zusammen; er brauchte ja Alleinsein. ,,

Ich? Ich will nach der Villa Reale hinauf, von welcher die Cameriera sprach." .

Gut, mein Kind! Und sollte Heinrich Tornegg etwa nicht so viel Tact haben, uns zu vermeiden, so speisen

Er wird un» nicht suchen, Vater! Wie bedrückt sah er gestern aus, als er mich erkannte."

Im Speifesaal flüsterte man in einer Gruppe von Herren und Damen schon von den intereffantenNeuen", die man auf der Terraffe beobachten konnte.

Offenbar distinguirte Erscheinungen, der Vater sowohl wie die Tochter! Wer mochten sie nur sein? An die Adreffentafel hatten sie ihre Karten noch nicht gesteckt- Der alte Herr sah au» wie ein Mann, der keinen Widerspruch erträgt.Rasend selbstherrlich!" warf die Gräfin dazwischen.

Dann kam ein Herr, der gestern an der Tafel fehlte und den man lebhaft begrüßte und befragte. Er hatte eine Tour auf den Monte Sant' Angelo gemacht.

Gleich, gleich sollen Sie Alles wiffen- Ich muß erst alte Bekannte begrüßen, die ich soeben von meinem Fenster aus entdeckte, Präsident von Neegenhart au» S. und Tochter. Die Mutter habe ich einst gemalt, war die schönste Frau de» Landes. Sind wohl gestern angekommen?"