Ausgabe 
5.11.1896
 
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Im Zwielicht.

Novellette von M. C. Larpenter Meyer.

------- (Nachdruck verboten.)

Zehn Jahre war er fern gewesen unten im Caplande, nun war er heimgekehrt, lebensfroh, lebensvoll, lebensdurstig. Die im Frühlingsschmuck prangende Natur, die erwachende Pracht der Weltstadt erschien ihm al» nur für ihn geschaffen, da» Zwitschern und Jubiliren der Vögel in den knospenden Zweigen nur ihm zu gelten, sür ihn nur dufteten die Blumen, gaukelten die Schmetterlinge im Sonnenschein, ste alle dünkten ihm Willkommengrüße zu sein für den Heimgekehrten.

Da» Pusten und Stöhnen der Eisenbahnen, die Klingel der Pferdebahnen, da» Ausrufen und Schreien auf den Straßen kam ihm alles vor wie ein liebe», vertrautes, unentbehrliches Etwas zu feinem Leben.

Er hatte vorzüglich dlnirt, dinirt nach alter Sitte, gute, deutsche Speisen, während alter, goldheller Rheinwein, der ihm köstlicher mundete als alle feurigen Eapweine, in seinem Römer funkelte. Sine innere Unruhe ließ ihn auf- und niedergehen in dem großen Hotelzimmer; ein seliges Gefühl hatte ihn er­faßt, ein wonniger Taumel nicht Weinrausch, Freude am Leben, ein Rausch über fließender, männlicher, ungebrochener Kraft, ein Gefühl, das einen Jeden überfällt, der nach jahre­langer Abwesenheit siegreich und erfolggekrönt au» dem harten Kampf ums Dasein zurückkehrt in die alte nievergeffene Heimath.

Er empfand es besonders dankbar, wieder daheim zu sein, nicht gebrochen an Leib und Seele wie tausend andere, sondern strotzend von Jugendkraft und Gesundheit, gestählt an Körper und Geist und im Besitz dessen, weshalb er aurgezogen Reichthum- Arm und aussichtslos hatte er damals die Heimath verlassen und lange Zeit sah es um seine Zukunft gar trübe aus bis endlich doch das Glück bet ihm ein­kehrte I Die Zeit der große» Diamanten- und Goldfunde im Caplande, die so manchen armen Teufel über Nacht zum reichen Manne gemacht, half auch ihm. Er war einer der Glücklichsten; das launischste der Weiber, Fortuna, lächelte ihm holdselig und warf ihm ein enormes Vermögen in Gestalt jener kostbaren Steine in den Schoß ja Fortunas Gunst ging noch weiter, er gewann nicht nur die Millionen, ste blieben ihm auch er­halten; ein gütiges Schicksal führte ihn hinweg von jener Stätte, wo nur zu oft die eben gewonnenen Schätze wieder zerrinnen; es führte ihn heim!--

Langsam, im Vollbewußtsein seines Glücks, reckte er seine hohe nuskulöse Gestalt noch höher auf und zwirbelte den straffen Schnurrbart noch fester und kühner. Wie berauschend schön war es doch, vollkommen frei und unabhängig zu sein, ohne Sorge sür den anderen Tag, für die Bedürfnisse der Zukunft; erst diese Stunde ließ ihn erkennen, wie keine zuvor, wie glücklich er war.

Er nahm seinen Hut und verließ da» Hotel. Ziellos schlenderte er durch die Straßen, durch die wogenden Menschen hindurch, hörte ihre Unterhaltung, beobachtete ihren Gang, ihre Kleidung bi» dahin hatte er nicht daran gedacht, jetzt erst fiel es ihm ein daß er ällein sei.

Allein war er ja stets gewesen, so lange er denken konnte. Familie, Angehörige Hütte er nie gekannt, allein war er auch damals gewesen, als er ging bis auf eine kurze Zeit, da hatte er geglaubt, daß es mit dem Alleinsein vorbei sei.

Zögernd blieb er vor einer Anschlagsäule stehen. Wohin nun?

Er überlas die angekündigten Vergnügungen: Lady Macbeth, die Räuber, Tell, Sinfonieconeert. Da» war alles nicht». Da fiel sein Blick auf ein großes malvenfarbiges Plaeat, auf dem ein Amazonenbildniß fein Auge fesselte.

VariSts-Theater. Auftreten der berühmten Jllustonistin Mademoiselle Lelia."

Sr winkte eine vorüberfahrende Droschke heran:

VariLiS-Theater I

srs

Nachdem er ein Parquetbillet gelöst, trat er ein; doch erschreckt wich er zurück, was war das?

So oft e» ihm damals vor Jahren seine beschränkten Mittel gestattet, war er in« Theater gegangen, doch stet» waren dieselben hell erleuchtet gewesen, ja! er entsann stch ge­nau, daß von seinem Platze auf dem höchsten Olymp da» Funkeln der Brillanten und die kostbaren Toiletten der eleganten Damen in den Logen ihn entzückt hatten, er erinnerte stch i auch noch sehr wohl der Wandgemälde, die die Theater geziert, und hier im größten Vergnügungsetabliffement der Welt um- ' gab ihn Finsterniß.

Hin und wieder der Umriß eines Kopfe», ein blitzende» Juwel, ein weißichimmernder Arm, das war alles, was er i unterscheiden konnte.

Befremdet wendet er stch an den Diener:

Warum herrscht hier diese Dunkelheit und seit wann?^ i Die neueste, wirkungsvolle Scenerie, mein Herr, Made- moiselle bedarf derselben zu ihrem Debüt."

Er nickt und strebt mechanisch weiterzukommen.

Da, etwa» Blitzende«, Kalte» und ein weicher, warmer Körper er ist gegen den Stuhl einer Dame gerannt.

Ich bitte vielmals um Entschuldigung, meine Gnädigste, aber diese Dunkelheit -'

D bitte, e» hat nichts zu sagen!"

Es liegt nicht» Besonderes in der weichen Frauenstimme, ; keine Koketterie, weder Neugierde, noch Abweisung, und doch fesselt ihn die Stimme, er nimmt zu ihrer Seite Platz.

(Schluß folgt.)

Literarisches

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