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Das blaue Herz.
Rvm«n von Earl S d. Klopfer.
(Fortsetzung.) III.
Adele von Effenberg hatte nicht viel von dem Sheleben ihrer einstigen Freundin erfahren und dies Wenige eigentlich nie von ihr selbst. Wirkliche Intimität zwischen ihnen hatte nur in dem Pensionat bestanden. Thekla Klausner, die Tochter eines Fabrikanten in Prag, war die einzige Freundin der um ein Jahr jüngeren Baroneffe gewesen. Zu Weihnachten 1885 reiste sie auf Ferienbesuch heim — und kehrte nicht mehr in die Wiener Töchterschule zurück. Sie lernte, wie sie der Freundin bald darauf in einem jubelnden Briefe schrieb, einen in Böhmen begüterten Cavalier kennen, den Grafen Norbert Degenstein, der viel im Hause ihres Vaterverkehrte. Im Carneval heirathete sie den Grafen, und im Frühling darauf sah Baroneß Adele die vormalige Schul- collegin wieder; die Jangvermählten kehrten da eben aus Italien von ihrer Hochzeitsreise zurück. Adele hatte zu dieser Zeit auch gerade dar Pensionat verlaffen und freute sich sehr, Thekla in Wien begrüßen zu dürfen. Das Paar hielt sich übrigens nicht lange in der Reichshauptstadt auf, da der Gatte bald auf feine Güter zurückkehren wollte. In dieser kurzen Zeit malte die Baroneffe Theklas Portrait, wenigstens in den Hauptzügen, zu denen sie ihrer Sitzung bedurfte. Adele sagte ihr, sie wolle sich so ein Andenken von ihr sichern, da sie ja jetzt so entfernt von einander leben sollten. Thekla sah aber auch entzückend aus in ihrer reizenden Frauentoilette, und das Glück, das aus ihrem frischen Gesichtchen lachte, konnte einem des Festhaltens im Bilde wohl werth dünken. Adele hatte heimlich die Absicht, ihr da« Portrait nach seiner Vollendung zu schenken; sie wollte e« ihr mitbringen, wenn sie sie im Sommer auf ihrem Hauptgute Chlobonitz in Böhmen besuchte, wohin sie von Thekla bei deren Abreise eingeladen wurde. — Aber es kam nicht dazu. Thekla ließ lange nichts von sich hören, dann schrieb sie, daß sie kränklich sei und wieder ein milderes Klima aufsuchen solle. Sie begab sich auch wirklich noch im selben Jahre mit dem Gemahl abermals auf Reisen; in Wien stieg
sie jedoch nicht mehr ab. Ihre Briefe wurden immer seltener und kürzer. Rur zwischen den Zeilen wollte Adele errathen, daß da« Glück, in dem die junge Frau einst geschwelgt, sich bedenklich verringert habe — eben weil sie mit keiner Silbe davon sprach, während sie in jenem Frühling in Wien nicht genug Worte hatte finden können, ihr sonnige» Geschick zu preisen. Adele fühlte sich Anfangs über den Mangel an Vertrauen von der Freundin gekränkt; aber schließlich begriff sie, daß die Aeltere schon durch die Heirath an sich weit über die Jugendgenossin hinausgereift ifei, und daß Theklas Mißstimmungen oder Leiden nicht von der Art wären, um damit das beschwerte Herz vor einem Mädchen ausschütten zu können. Aus gelegentlichen Gesprächen zwischen den Eltern fing sie später so viel auf, um sich zusammen;»» reimen, daß Graf Degenstein ein ungeordnetes, leichtfertige» Leben begonnen oder vielmehr — e» au« seiner Junggesellenzeit wieder ausgenommen habe. — Ende 1887 starb der alte Klausner, und bie Tochter erbte seine Millionen. Da» schrieb Thekla der Freundin noch selbst und knüpfte daran die Bemerkung, da» viele Geld mache ihr nur Kummer; von ihrem Gatten, von ihrem häuslichen Leben — kein Wort. Ueber ein Jahr verging, ohne daß Adele von der Gräfin Wesentliches vernahm. Dann berichtete Thekla, sie leide gegenwärtig an der Kopfrose, der Arzt hätte ihr aber sichere Heilung in Aussicht gestellt, und daß sie nicht zu fürchten brauche, ihr Haar verlieren zu müssen. Sobald sie wieder hergestellt sei, werde sie ihren Mann nach Paris begleiten, einerseits, weil ihr der Arzt während der Reconvalescenz Luftveränderung angerathen habe, andererseits, weil sie auch nicht allein bleiben wolle, während Graf Norbert in Paris dringende Geschäfte zu erledigen habe. Das war — da» letzte Lebenszeichen von ihr. Adele durfte sich wundern, daß Thekla von der bevorstehende» Reife nicht mit mehr Wärme gesprochen hatte; für Paris war dar Frauchen ja einst voller Begeisterung gewesen. — Nun, Mitte Februar, erhielt Adele — die Todesanzeige. Sie wurde durch diese plötzliche Trauerbotschaft furchtbar erschüttert. Wäre st« Herrin über stch gewesen — sie hätte sofort die Reise nach Frankreich unternommen, die Freundin, die sie erst jetzt so recht schmerzlich entbehrte, wenigstens im Sarge «och einmal zu umarmen. So konnte sie sich nur brieflich an den


