Ausgabe 
5.9.1896
 
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sammenhang des Dramas stch jemals hatten verlauten kaffen. Mit Staunen fah der Schloßherr von Altinghof, wie sein halbverwilderter Neffe sich im Fluge die Gunst seiner vornehmen Freunde und Bekannten gewann, mit welcher Liebenswürdigkeit man ihm, dem muthmaßlichen Erben und Nachfolger des reichen Oheims, entgegenkam und wie Hans Justus sich in dieser Gesellschaft bald ebenso gewandt und sicher zu bewegen verstand, als wäre er Zeitlebens darin er­zogen worden. Seine Spottlust machte ihn gefürchtet, in ftiner Keckheit, welche verfeinerte Frechheit war, lag rechte Race, wie die Damen behaupteten, und im Sport, welcher Art derselbe auch sein mochte, reichte ihm keiner der Herren Landjunker das Waffer-

Ihr Neffe ist ein famoser Junge, lieber Alting," sagte der Schloßherr von Hirschholm, der alte Freiherr von Römhild eines Tages.Mein Harald ist Feuer und Flamme für ihn, sie sind bereits die besten Freunde, und meine Charlotte schwärmt für den schönen Hans Justus, der wie ein Gott tanzt, und wie ein Teufel reitet. Ha, ha, ha, Alterchen, es ist doch hübsch, daß Ihr schönes Altinghof den rechten Erben bekommt. Der Himmel schenke Ihnen noch viele Jahre, aber sterben müssen wir schließlich alle" m »Danke, alter Freund," unterbrach Baron Justus seinen Redefluß,ich gedenke mich wirklich auch noch einige Jahre meines Lebens zu freuen und bin meinem Riffen keinen Heller schuldig, Sie wissen, daß ich nicht der Mann bin, der Götzendienst mit seinem Namen treibt, doch wenn Hans Justus sich desselben würdig zeigt, dann ist er der Nächste nach meiner Tochter, selbstverständlich."

Sie gingen zusammen im Garten von Altinghof, die beiden alten Freunde. Der Schloßherr von Hirschholm besaß drei Söhne und eine Tochter. Die ersteren hatten dem Vater schon viele Sorgen bereitet nnd ihm manche Goldfeder aus- gerupft. Ein Sohn war Diplomat, der zweite Offizier und der älteste Harald war Landwirth, weil er dereinst dar Ritter­gut übernehmen sollte.

Na, Alter," brachs jetzt unwillkürlich über seine Lippen, danken Sie dem Himmel, daß Sie keine Söhne haben, die kosten Heidengeld. So ein Mädchen verschlingt ja auch ihren Theil an Putz und Flitterkram, und nachher die Aussteuer, lieber Gott, man ist herzensfroh, wenn man sie Halbwegs gut versorgt sieht, ich weiß nicht, aber ich an Ihrer Stelle hätte mir diese fremde Tochter nicht aufgeladen."

Ich würde meine Ellen nicht um alle Schätze der Welt missen," sprach Baron Justus ernst.

«3a, ja, Sie haben ganz recht, bester Alting, das Mädchen ist eine Perle für Sie, so tüchtig in der Wirthschaft, immer freundlich und liebevoll und dabei kein Putz-Affe.

man spricht ost ungereimtes Zeug. Ich wollte von ihr auch garnicht reden, im Gegentheil, von dem Neffen, der nun doch auch so gut wie ein Sohn für Sie ist. Zum Henker, Alterchen, Sie müssen ihm kein zu hohes Taschengeld geben, es verdirbt unsere ganze Jugend. - Oder hat er vielleicht noch ein väterliches Capital hinter der Hand?"

Baron Justus erwiderte nichts, ein unangenehmer Ge- ihn, ein Gefühl, als ob ihm die Kehle zuge­drückt würde. Dann blieb er plötzlich stehen und blickte den Freund fast drohend an.

Ich verstehe Sie nicht, Römhild!" sagte er mit ge- preßter Stimme,natürlich empfängt mein Neffe ein nicht iu karg bemessener Taschengeld von mir. Ich wüßte aber doch nicht, inwiefern er damit einen verderblichen Einfluß ausüben könnte, wollen Sie sich nicht es deutlicher darüber erklären?"

Herr von Römhild räusperte sich verlegen.

Na, sehen Sie, alter Freund, wir sind ja auch jung ßnWeien unb haben auch vielfach über den Strang geschlagen, alles Alles muß seine Zeit und seine Grenzen haben. Meine jungens kommen mir nur um zu fordern, und von den dreien war der Harald noch der einsichtsvollste, abeL seitdem diese Sportgeschichten sozusagen als Berufs« und Ehrensachen veyandelt werden, ist von einer ernstlichen Arbeit gar nicht

mehr die Rede. Die jungen Herren thun justement, al» ob das Geld Spreu wäre, ich habe schon Klagen genug von unseren alten Freunden darüber gehört, und nahm mir heute vor, mal an die rechte Schmiede zu gehen. Sie werden's mir nicht übel nehmen, lieber Alting."

Gott bewahre, im Gegentheil," beruhigte ihn Baron Justus hastig!,mich wundert in diesem Falle nur, daß Sie mit einer Lobhymne auf meinen Neffen begonnen haben. Sind'» denn nur die Sportgeschichten, welche Sie beunruhigen?"

Allerdings nicht allein, obgleich man jetzt, wie ich er­fahren, ein Wettspiel damit verbunden hat, so eine Art Totalisator, bei dem der Meister natürlich stets den Haupt­gewinn einstreicht."

Sie meinen damit Hans Justus," versetzte Alting er­regt,das wäre allerdings ein Ausbeutungs-System, dem ich unter allen Umständen ein Ende machen werde. Aber ver­zeihen Sie, lieber Freund, find denn die jungen Herren sämmtlich mit Blindheit geschlagen, daß ste's darauf anlegen, sich und ihre Familien zu ruiniren?"

Weiß der Henker, wie'» zugeht," seufzte Römhild,er hat alle am Bande, auch die Frauenzimmer."

Meine Ellen ausgenommen," bemerkte Alting, finster lächelnd,sie ist eine jener reiner Naturen, welche den Mephisto unter jeder Larve wittern."

Der Hirschholmer blieb stehen und sah ihn forschend an.

Man sagt bereits allgemein, daß sie aus den Beiden ein Paar machen wollen."

Ich bin kein Kuppler, lieber Freund, und auch kein gewissenloser Vater, der sein Kind wider seinen Willen zu einer Heirath zwingen würde. Ich gebe Ihnen hiermit das ausdrückliche Recht, dergleichen Heirathspläne für Lügen zu erklären."

Nun, die Sache war so unglaublich doch nicht," meinte Römhild,und Sie wissen wohl, daß eine Abneigung bei jungen Mädchen häufig ins Gegentheil umschlägt, zumal Ihr Hans Justus ein verdammt hübscher Kerl ist."

(Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziger.

Um eine« Cairarienvogel von Milben nnd Läusen zu befreien, muß man zunächst den Käfig (auch die Sitzstangen) mit heißem Sodawasser gründlich ausbrühen und nach dem Trocknen möglichst alle Ritzen und Spalten mit Glaserkitt verstreichen. Dann pinsle man alle Ecken und die Enden der Sitzstangen mit verdünntem Glycerin (1:10 Wasser) ein und blase echtes persisches Insektenpulver darauf. Ebenso wird der Sockel des Käfigs und der Boden der Schublade mit Insektenpulver bestreut. Dann wird ein Zeitungsblatt darüber gelegt und ausgeglühter Mauersand aufgeschüttet. Seesand ist nicht zu verwenden, da er meist zu feucht ist und zu viel glasige Bestandtheile hat. Den Vogel selbst, der vor diesem Reinigungsverfahren natürlich in einen anderen Käfig gesetzt ist, bepinsele an Hinterkopf, Nacken und Schultern mit dem Glycerin und blase Insektenpulver darüber. Dies wiederhole einen Tag um den anderen, im Ganzen drei Mal. In der Mittagsstunde muß man dem Vogel Badewaffer reichen. Nunmehr wird das Thierchen in den gesäuberten Käfig zurückgebracht, und er wird von den Plagegeistern befreit sein. Wenn man verzinnte Käfige ohne jedes Holz mit Ausnahme der Sitzstangen verwendet, so dürste das Nebel kaum vorkommen.

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Meitze Weinsuppe. *6 frische Eidotter und 2- Uel feines Mehl werden mit einer Flasche Wein und einer Flasche Waffer angerührt, mit Zucker gehörig versüßt und mit einigen kernlosen Citronenschetben über starkem Feuer in einem gut gescheuerten Topf mit einem Schaumbesen fort» während bis zum Kochen geschlagen, und dann schnell in die Terrine gerührt, in der man vorher etwas Muskatblüthe zer­rieben hat. Von dem mit reichlichem Zucker zu festem Schaum