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ermuthigend mir die Fackel emporhält, wenn im Wust der > die Hände vergraben, und ihr ganzer Körper zitterte unter
Arbeit, des Kampfes das himmlische Licht sich mir zu ver« der Gewalt bittersten Wehs.
dunkeln droht. Dich in meine Arme nehmen wie ein gewöhn« „Käthe," sagte sie weich und neigte sich zärtlich zu ihr, sicher Weib, hieße Dich entgöttlichen." ihren Kopf zu sich erhebend. „Liebe Käthe, ich weiß, ich
„Um Gotteswillen, schweig'," rief Käthe und legte ihm ahne Alles! Ja, ja, so stark wir uns auch dünken mögen,
mit geisterbleichem Antlitz den Finger auf den Mund, auf den wir bleiben doch das liebebedürftige Geschlecht." er einen leidenschaftlichen Kuß drückte. „Kehren wir zur „O bitte, Tante, sage nichts," wehrte Käthe. „Es wird Vernunft, zur Wirklichkeit zurück! Wann wird Eure Ver« vorübergehen, bald vorübergehsn. Ich wußte ja, daß mir das
lobung stattfinden?" Höchsts Glück des Weibes nie blühen werde. Mein Herz ge«
Axel senkte das Auge; nicht so räsch wie sonst vermochte hörte Axel, so lange ich denken kann, er war mir Alles, Alles! er das aufwallende Gefühl niederzudämmen. Und ich hoffte eine Zett lang, auch er erwidere meine Ge«
„Du hast recht, Käthe," entgegnete er gepreßt, „recht fühle. Aber es war eine Täuschung. Als er sich mit jener
wie immer. Man darf nicht zu hoch den Flug der Seele schönen Amerikanerin verlobte, da wußte ich, daß ihm wahre,
nehmen, soll man nicht wie Ikarus in jähem Sturze aus der tiefe, dauernde Liebe zu hegen versagt sei. Der Leidenschaft
Sonnenhöhe wieder zur Erde herabgeschleudert werden. Kehren konnte er einmal unterliegen, der stillen Liebe zu der Jugend«
wir denn zum Practischen zurück. Du fragtest, wann meine freundin setzte er die Erwägungen der Vernunft entgegen, der
Verlobung stattfinden werde. Graf Wolden, mein künftiger vornehmen, reichen Comteß Wolden mußte die arme Käthe Schwiegervater, der in naher Verbindung mit meinem Chef weichen." steht, theilte mir gestern mit, daß meine Ernennung zum Bot« „Ah so," sagte die Geheimräthin leise; „also Comteß schaftsrath an unserer Gesandtschaft in Constantinopel in Wolden! Ja, dieser Versuchung konnte ein Mann wie Axel naher Aussicht stehe. Da ist er mit mir der Ansicht, daß e» f nicht widerstehen 1 Das begreife ich vollkommen. Er war von am besten sei, die Verlobung erst nach erfolgter Ernennung jeher ein Streber und, verzeih', wenn ich Dein Freundschafts« zu veröffentlichen. Dann kann Hochzeit und Abreise so schnell gesühl sür den Jugendfreund dadurch kränke, ein Egoist. Von
erfolgen, daß die Welt zum Gerede, wie es ja in diesem der selbstlosen Hingabe, die Du ihm von jeher gewidmet, hat
Falle unausbleiblich wäre, keine Zeit mehr findet." er nichts in stch. Und wie viele Männer haben das heute?
„Fürchtest Du Dich vor dem Gerede der Welt? Was Ich bin überzeugt, daß er nicht ohne inneren Kampf stch zu
kann sie Dir anhaben, wenn Du Dein Glück im Arme der Verbindung mit Helene Wolden entfchloffen hat. Aber
hältst!" er wird stch mit der kühlen Ueberlegung, die ihm eigen ist,
„Ich fürchte bas auch nicht meinetwillen, sondern um gesagt haben: Ich bin ehrgeizig und wenn ich meinen Ehrgeiz
Helenens willen. Ich habe ihr natürlich Alles, was meine nicht befriedigen kann, werde ich unglücklich werden und un«
unglückliche Verlobung mit Adeline betrifft, mitgetheilt und glücklich machen- - Und wenn wtr's recht bedenken, müffen
sie wünschte deshalb mit mir, unsere Verlobung so still wie wir ihm zustimmen." möglich und ohne Geräusch vor sich gehen zu lassen. Am „Ja, Tante, ja, tausendmal hat er recht. Wir wären nächsten Sonntag bin ich dort, um in aller Stille den Ring Beide vielleicht an der Misere des Lebens zu Grunde ge«
ihr an den Finger zu stecken. Uebrigens hat mir Helene gangen und dennoch, dennoch; ich liebe ihn, und eine Andere
tausend Grüße ssür Dich aufgetragen. Sie hofft, Dich noch neben ihm zu wissen, o, das schmerzt, schmerzt mehr als ich
einmal, ehe wir in die Ferne ziehen, in Radnitz zu längerem es sagen kann."
Besuche zu sehen, natürlich, wenn es Deine kostbare Zeit er« Von Neuem brach sie in Schluchzen aus. Die Geheim« laubt. Und dann später, wenn wir erst in Constantinopel räthin ließ sie eine Weile gewähren, dann aber mahnte sie
sein werden, dann mußt Du natürlich für lange unser Gast tröstend: „Laß es jetzt gut sein, Kind! Du hast einen besseren
sein. Dort wird es Dir gewiß an Aufträgen für Deine Trost als tausend andere Mädchen, denen gleiches Leid, o wie
Kunst nicht fehlen, da ich Dir in meiner Stellung nützlich sein oft, heute widerfährt. Du hast Deine Kunst, die Du liebst,
zu können hoffe." die Dir Alles ersetzen wird."
„Du warst es mir ja schon so oft, Axel," entgegnete »Und Dich, Tante, Dich," rief Käthe, mit stürmischer Käthe, sich langsam erhebend. „Dir habe ich ja auch die Zärtlichkeit der alten Dame Hals umfassend. „Elly geht fort, Aufträge im Wolden'schen Hause zu verdanken gehabt." laß mich jetzt Deine Tochter sein."
„Nur Ersatz für den um meinetwillen erlittenen Ausfall „Das warst Du lange, mein Kind. Nur Du hast in bei dem Bilde Adelinens. Ach, Käthe, Alles, was ich für Deinem stolzen Selbstbewußtsein der Liebe, die Dir hier im
Dich gethan, ist ja nichts gegen das, was ich Dir zu danken häuslichen Kreise entgegengebracht wurde, nicht so geachtet,
habe. Ohne Dich, ohne Deine Liebe, Deinen Trost, hätte Ja, trotz Allem und Allem, das menschliche Herz bedarf eines
ich mich jemals von meinem tiefen Falle so wieder aufrichten mitfühlenden und mitleidenden Herzens, darüber hebt auch die
können? Ich bleibe Dein ewiger Schuldner." Kunst nicht hinweg. Liebe üben, und sei es auch an einer
Sie zwang ein Lächeln auf ihre Lippen und reichte ihm alten, einsamen Frau, das ist doch der eigenste Beruf des die Hand, die eiskalt war und ein wenig zitterte. Er blickte Weibes, über den es nicht hinwegkommt." sie besorgt an, eine Frage schwebte auf seinen Lippen, sie Käthe antwortete nicht, sondern drückte nur fester ihr wußte ihr aber auszuweichen, indem sie an den Tisch zu der müdes Haupt an der Tante Brust. „Ja, Liebe üben," klang
Tante trat, zu welchem sich nun auch das Brautpaar zum es in ihr, „das will ich und gelobe ich!"
gemeinsamen Plaudern einfand.
Zum Glück für Käthe war es bereits spät geworden; xxln.
sie hatte nicht mehr gar zu lange die Qual zu tragen, die Wolf war heimgekehrt. Düster, mit sich und der Welt heitere Unbefangene spielen zu müffen, während ihr Herz in zerfallen, saß er auf seinem einsamen Schlosse und grollte mit tausend Schmerzen bebte. Sobald der letzte Gast sich vrrab« Gott und dem Schicksal, das ihn dem Leben wiedergegeben, schiedet hatte, bot auch sie eine „Gute Nacht" und zog sich in doch ohne die Lust an ihm.
ihr Zimmer zurück. Elly, ganz von ihrem Glück benommen, Die erneute bittere Erfahrung, die er an Adeline ge« achtete nicht weiter auf sie, der Lieutenant war mit Eva von macht, war ihm näher gegangen, als er sich selbst gestehen Strachwitz gegangen, sie nach Hause zu geleiten. mochte. Oder war es nicht der Verlust Adelinens, den er be«
Nur die Geheimräthin beobachtete sie- mit geheimer klagte, sondern mehr, daß er um ihretwillen Die verloren,
Sorge. Sie, die Erfahrene, hatte auf ihrem Gesicht gelesen, deren Gegenwart ihm zur süßen Gewohnheit geworden? In
daß sie litt. Und nun, was war das? War es nicht wie welcher widerwärtigen Lage er stch befand! Seine Frau, von
ein unterdrücktes Schluchzen, das aus Käthes Zimmer tönte? ihm getrennt, im Haufe der Mutter, jedes Angebot von ihm,
Leise öffnete sie die zu ihr sührende Thür. Da lag das stolze das ihn im Innersten wenigstens etwa» der Pflichten der
Mädchen wie gebrochen auf dem kleinen Sopha, den Kopf in I Dankbarkeit gegen sie entlasten konnte, entschieden zurückweisend,


