Ausgabe 
5.3.1896
 
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Kelehrung üdir die ersten Anzeichen deginnender Lungen- schwindsucht und Mahnung zu deren Keachtnng.

Die Lungenschwindsucht ist eine der am weitesten ser- breiteten Krankheiten. Eine außerordentlich große Zahl von Menschen fällt ihr alljährlich zum Opfer.

Da die Krankheit, vorausgesetzt, daß rechtzeitig dagegen eingeschritten wird, in der Regel heilbar ist, so würden solcher Opfer viel weniger sein, wenn die Erkrankten ihr Leiden schon im ersten Anfänge erkennen und alsdann die zum Zwecke der Heilung erforderlichen Maßnahmen ergreifen würden. Um dies zu ermöglichen, dazu soll die folgende Belehrung dienen.

I. Im Allgemeinen kündigt sich beginnende Lungenschwind­sucht durch Husten an. Zwar hat keineswegs jeder Mensch, der hustet, Lungenschwindsucht; Husten ist vielmehr eine Be­gleiterscheinung jeder Erkältungskrankheit, sowie mancher anderer Krankheiten der Lungen und der übrigen Athmungs» Werkzeuge. Es braucht deßhalb noch nicht Jeder, der einmal von Husten befallen wird, in Sorge zu gerathen, daß er mit Lungenschwindsucht behaftet sei. Wer aber bei jeder Gelegen­heit zu Husten neigt, und zwar zu Husten, der trotz ange­wandter Vorsicht wochenlaug anhält oder wer dauernd den Reiz zu trockenem Hüsteln oder dauernd die Neigung zur Heiserkeit hat, der soll der Sache sogleich die größte Aufmerk­samkeit zu schenken. Dies gilt besonders dann, wenn sich neben solchem Husten die Neigung zu leichterem Ermatten oder eine früher ungewohnte Kurzlustigkeit bei der Arbeit oder beim Treppensteigen einstellt, oder wenn Schmerzen und Stiche bald in der Brust, bald zwischen den Schulterblättern auf­treten oder wenn Verlust des Appetites oder trotz guter Speiseaufnahme erhebliche Abnahme des Körpergewichtes be­merkbar wird, oder wenn der Körper während des Schlafes leicht in Schweiß geräth oder sich Abends leichte Fieber­schauer einstellen, oder wenn Auswurf auch ohne viel Hustenbeschwerden hinzutritt, oder wenn dem Auswurfe irgend welche Mengen Blutes, mögen sie auch noch so gering sein, beigemischt sind. Da die Lungenschwindsucht auch oft mit einer Lungenblutung beginnt, ohne daß der Kranke vor­her erheblich von Husten gequält ist und ohne daß er ver­hindert gewesen wäre, seiner Beschäftigung nachzugehen, ist jedes Blutspucken al« eine ernste Krankheitserscheinung zu be­handeln.

II. Erhöhte Bedeutung gewinnen diese Erscheinungen bei Personen mit schwächlichem Körper. Die Schwäche des Körpers kann angeboren sein. Personen, deren Eltern bereits an einer Lungenkrankheit gelitten hatten, find oft mit solcher angeborenen Schwäche behaftet; aber auch bet solchen Per­sonen trifft das nicht zu, deren Eltern mit einer anderen, den Körper aufreibenden Krankheit, wie z. ,83. Krebs behaftet waren, oder dem Trünke ergeben waren. Eine Schwächung des Körpers, die das Eintreten der Lungenschwindsucht be­fördert, kann aber auch später erworben werden. Jede Krank­heit, die eine längere Zeit währt, schwächt den Körper; es gibt aber eine Anzahl von Krankheiten, die besonders leicht Lungenschwindsucht im Gefolge haben. Dahin gehören von Erkrankungen der Lungen und sonstigen Athmungswerkzeuge: Grippe, Rippenfellentzündung, jede Art von Katarrh und Lungenentzündung; von anderen Krankheiten besonders: lang­dauernde Magen- und Darmkatarrhe, Bleichsucht, Scharlach, Masern und Keuchhusten, sowie alle skrophulösen Leiden (Drüsenanschwellungen und Augenentzündungen). Auch das Wochenbett läßt in manchen Fällen die Neigung zur Lungen­schwindsucht zurück.

Eine Schwächung des Körpers und mit solcher die Neigung zur Erkrankung an Lungenschwindsucht wird außer durch Krankheit aber auch durch eine Reihe anderer Ursachen hervorgerufen. Als solche sind besouders hervorzuheben: dumpfe, feuchte, des Sonnenlichtes entbehrende Wohnungen,

mangelhafte oder unzweckmäßige Ernährung, Beschäftigungs­arten, bei denen eine starke Staubentwickelung verursacht

wird. Außerdem gilt dies in besonderem Grade auch von dem reichlichen Genüsse geistiger Getränke. (Schnapstrtnker gehen in außerordentlich großer Zahl an Lungenschwindsucht

zu Grunde!)

III. Allen Personen, welche die unter I. beschriebenen Erscheinungen an sich wahrnehmen, und zumal solchen, die sich bei eingehender Ueberlegung sagen müssen, daß die eine oder andere der unter II. bezeichneten Voraussetzungen, welche der Lungenschwindsucht im Körper den Weg ebnen, bei ihnen vor­liegt, ist auf das Dringendste anzurathen, einen Arzt zu Raths zu ziehen.

Sie dürfen damit nicht zögern, bis die Erscheinungen der Krankheit sie hinfällig und kraftlos machen. Hat die Lungen­schwindsucht den Körper erst in diesem Maße überwältigt, so ist Genesung nur schwer, in vielen Fällen gar nicht zu er­reichen.

Also nochmals: gleich beim Auftreten derjenigen Anzeichen, die auf den Beginn der Erkrankung an Lungenschwindsucht schließen lassen, ist ärztlicher Rath einzuholen! Sorglose» Außerachtlassen der Anfangserscheinungen der Krankheit kosten alljährlich vielen Tausenden Genesung und Leben!

Im Anschluß an das Gesagte soll noch darauf hinge­wiesen werden, daß die Vernichtung de» Auswurfs von Lungenschwindsüchtigen wichtig ist. Selbst der Auswurf von Personen, welche der Lungenschwindsucht nur verdächtig sind, ohne daß die Krankheit bei ihnen nachgewiesen ist, muß un­schädlich gemacht werden.

Der Auswurf darf deßhalb nicht auf den Boden der Wohnung, oder der Arbeitsräume oder sonstiger Zimmer, äuch nicht auf Straßen und Wege entleert werden. Ebensowenig darf in Taschentücher gespuckt werden. Zur Aufnahme des Auswurfs sollen nur mit Wasser halb gefüllte Spucknäpfe oder kleine, dafür besonders eingerichtete Taschenfläschchen ver­wandt werden. Diese Gefäße müssen täglich ausgespült werden. Der Inhalt der Spucknäpfe und Fläschchen ist, wenn sich dazu Gelegenheit bietet, durch Feuer zu vernichten, wenn dar aber unausführbar ist, vorsichtig in den Abort zu schütten.

Wenn diese Vorsichtsmaßregeln betreffs des Auswurfs beachtet und auch sonst in allen Stücken peinliche Sauberkeit in den Räumen, welche Lungenkranke benutzen, bewahrt wird, so ist die Gefahr der Uebertragung der Krankheit auf gesunde Personen sehr gering und die Lungenkranken brauchen alsdann nicht lieblos gemieden zu werden. Aber die Beobachtung der angeführten Maßnahmen ist für den Verkehr lungenkranker Personen mit anderen unerläßlich und darum müssen es sich die Lungenkranken selbst mit Sorgsamkeit angelegen sein lassen, sie in Anwendung zu bringen.

Vorstehende Ausführungen sind von der Hanseatischen Versicherungsanstalt in Lübeck zusammengestellt worden.

Leipzig, im Januar 1896.

Die Vereinigung zur Fürsorge für kranke Arbeiter.

Gsrnsinnirtziges.

Dicke Bohnen nach westfälischer Art. Die weißen Bohnen stellt man mit kaltem weichem Wasser auf und läßt sie langsam zum Kochen kommen. Alsdann gießt man das Wasser ab und füllt wieder flaltes Wasser auf die Bohnen. Fangen sie an zu kochen, so gibt man eine Messer­spitze doppelkohlensaures Natron daran. In einer Kasserole wird Butter, Fett oder Speck mit gehackter Zwiebel, Peter­silie, Salz, Pfeffer und etwas Mehl geschwitzt, die Embrenne mit Wafler oder Fleischbrühe angegossen und mit Essig abge­schmeckt. In diesem Beiguß werden die abgegossenen Bohnen aufgekocht und angerichtet.

Btebactlon: A. Schehda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfltätS-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.