UntechaUungsdlatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

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Donnerstag den 5. März

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Schwester Ilse.

Roman von Clarissa Lohdr.

(Fortsetzung.)

Käthe sah ihn von der Seite an; sie fand, er sehe bleich und verstimmt aus. Aber sie mochte nicht weiter fragen, sondern schritt schweigend mit ihm die Reihen der Säle ent­lang, bis sie in einem von ihnen die Geheimräthin ermüdet auf einem Sopha fanden, während Elly ihnen etwas ver­drießlich zurief:Aber bleibt Ihr lange! Mama ist schon ganz schwach; wir wollen doch bei Bauer Kaffee trinken*

«Die Tante hat ja nur zu befehlen," sagte Axel artig und bot der alten Dame seinen Arm, um ste hinaus zu führen. Doch war es nicht leicht, einen Platz zu finden. Erst als man eine Weile dem Strome der Lustwandelnden gefolgt war, gelang es Axel, einen eben frei gewordenen Tisch zu sichern. Kaum hatten sie sich gesetzt, als ein Herr von einem der Nebentische aufsprang und zu ihnen trat, um ihn zu be­grüßen.

Es war ein College Axels, Doctor Schimmer, der mit ihm im Auswärtigen Amt arbeitete und auch den Damen bekannt war.

Gestatten Frau Geheimräthin, daß ich einen Augenblick mich zu Ihnen fetze?" wandte er. sich artig zu der alten Dame.

Sehr angenehm, Herr Doctor."

Gut, daß ich Sie hier treffe, Menzelen," wandte er sich sogleich zu diesem, seinen Stuhl an dessen Seite schiebend. Komme geradewegs von Josty, wo ich mir erlaubt habe, ein Zeitungrblatt, natürlich mit Bewilligung des Oberkellners, für Sie zu escamotiren. Die neueste Nachricht von Gatters- berg"

Axel wechselte die Farbe.

Hoffentlich keine schlechte?"

Im Gegentheil; aber Sie werden baff sein. Der Herr Baron Wolf liebt, wie es scheint, die Welt stet» auf eine ganz besondere Art in Erstaunen zu versetzen. Er, der ver- muthlich Sterbende, schlägt dem Tode plötzlich ein Schnippchen und, verwundern Sie sich nicht zu sehr, zieht er vor, statt

des häßlichen Sensenmannes ein junges, hübsches Weib zu umarmen."

Also doch," riefen die Damen wie aus einem Munde.

Erklären Sie sich deutlicher," sagte Axel, der noch im Zweifel war, ob nicht Alles eine Mystifikation fei.Der Kranke, kaum erst in der Reconvalescenz sich Befindende, sollte an's Heirathen denken? Unmöglich, welch' Mädchen würde sich zum Eingehen solcher Ehe entschließen? Keine jedenfalls, die der stolze Wolf geneigt sein könnte, zur Baronin von Menzelen und Schloßherrin von Gattersberg zu machen."

Elly hatte heute schon von der Eoa von Strach von so etwas gehört," warf die Gehetmräthin ein;ich nahm es jedoch für ein leeres Geschwätz, über das gar nicht weiter zu reden sei"

«Und doch muß dieses Geschwätz wohl auf Wahrheit beruhen," fuhr Doctor Schimmer fort und nahm ein Zettungs- blatt aus der Tasche, das er Axel hinüberreichte. «Lesen Sie selbst! Die unglaublichste Geschichte, die ich je gehört habe." *

Axel faltete das Blatt auseinander und las halblaut den Hochaufhorchenden vor.

In dem nahen Gattersberg wird in bett nächsten Tagen die Vermählung des Barons Wolf von Menzelen mit dem uns Allen wohlbekannten Fräulein Ilse von Bellin oder besser Schwester Ilse stattfinden. Wie erinnerlich, befand sich Baron von Menzelen infolge seiner schweren Verwundung im Duell mit dem eigenen Vetter hier in unserem Badeort bei Doctor Balzer in Behandlung. Fräulein von Bellin, die, obwohl zur Krankenpflegerin in Berlin ausgebildet, bisher nur privatim in ihrem Heimathsorte ihrem freiwillig erwähl­ten Berufe nachgegangen war, entschloß sich, da keine andere Pflegerin zur Hand, auf die dringende Bitte des ihr besreun- deten Arztes dazu, die Pflege des Schwerverwundeten zu übernehmen. Am Krankenbette ist dann der Herzensbund ge­schloffen worden, der demnächst durch unfern trefflichen Pastor Seiffard, den nahen Freund der Familie Bellin, eingesegnet werden wird."

Nun?" fragte Doctor Schimmer, als Axel geendet hatte. Was sagen Sie zu diesem Streiche des Herrn Vetters?"

Streiche?" wiederholte Axel, jetzt aufblickend.Selt­sam klingt allerdings die Kunde, doch begrüße ich sie auf alle