Ausgabe 
4.6.1896
 
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(Wirsing, Blattkohl, Blumenkohl re., Salate, Gurken), (alten Dünger) Tomaten, Rettigs. Zweite Abtheilung: Vorjährige oder Herbstdüngung verlangen Möhren, Carotten, Sellerie, Schwarzwurzel, Bohnen, Spinat, Zwiebeln und Porree. Dritte Abtheilung: Das heißt, fast ohne Düngung, gedeihen Erbsen, Bohnen, Carotten, Zwiebeln.

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Getragene Cachemirshawls zu waschen und Wieder aufznfrischen. Man legt den zu reinigenden Shaw! zuerst in eine mit ganz klarem, weichen Wasser ge« füllten Wanne und mischt dann in einer zweiten Wanne 15 Liter Wasser mit 100 Gramm guter venettanischer Seife und 150 Gramm gereinigter Galle. Hierauf wäscht man die in der ersten Wanne blos angefeuchteten Cachemirs in der genannten Mischung und spült fie dann mit etwas Alaun» wasser au».

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Putzpulver für Silber. Man mischt Kochsalz, Weinsteinrahm und Alaun, jedes zu gleichen Theilen, gut durcheinander. Wenn man diesem Pulver etwas Wasser zu­setzt, da» Silberzeug darin aufkocht und gut abtrocknet, so wird es wie neu-

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Gin Versengen der Wäsche beim Bügeln kommt häufig vor. Sind die Fasern noch nicht zerstört, so bestreicht man den Fleck mit in Wasser aufgelöstem Borax und bügelt dann die Stelle trocken. Oder man bestreiche den Fleck mit einem Brei aus Thonerde, Zucker, Stärke, Gummi und Wasser und lasse ihn trocknen.

Beim Schreiben auf Holz fließt meist die Tinte und wird unleserlich. Man kann dies vermeiden, indem män das Holz zuvor mit irgend einem pulverifirten Harz einreibt-

VepMisehtes.

Versuche über die eleetrifche Ausstrahlung des menschlichen Körpers hat der Stadtrath v- Nar- kiewicz»Jodko aus St. Petersburg in den letzten Tagen in Berlin mehrfach kleineren Kreisen von Sachkundigen und Laien vorgezeigt, v. Narkiewicz will durch seine Versuche beweisen, daß der menschliche Körper eine bedeutende electrische Energie befitze. Er begründet darauf eine Reihe von Lehren zur Biologie. Diese Versuche sind jetzt auch dem Professor vr. Oppenheim im Berliner Medicinischen Waarenhause ge­lungen. Dadurch ist die willkommene Gelegenheit gegeben, die Narkiewiczsche Theorie nachzuprüfen. Der Versuch läßt sich mit ziemlich einfachen Mitteln anstelle». Die Versuchs­anordnung ist die Folgende. An einem Ruhmkorffschen Apparat, der durch einen Akkumulator betrieben wird, ist vermittelst eines Kupferdrahtes eine Glasröhre angeschloffen. Die ganze Anordnug wird auf einen Tisch gestellt. Die Versuchsperson nimmt vor diesem auf einem Stuhle Platz. Sie ergreift, nachdem der Ruhmkorffsche Apparat in Gang gesetzt ist, mit der einens Hand die Glasröhre. Es geht dann ein Strom aus dem Ruhmkorff in den Körper der Versuchsperson. Um nun zu zeigen, daß die zugeführte Electricität von der Haut der Versuchsperson nach außen abgegeben wird, nimmt die Versuchsperson in die freie Hand eine Geißler'sche Röhre, in die ein fluorescirender Stoff eingebracht ist. Der fluores- cirende Stoff, in eine solche Röhre eingebracht, hat die Eigen­schaft, aufzuleuchten, sobald ein elektrischer Strom durch ihn geschickt wird. Bei der beschriebenen Anordnung beginnt nun die Geißlersche Röhre aufzuleuchten, sobald der vorher abge­stellte Ruhmkorff in Gang gebracht wird. Das Leuchten dauert fort, so lange der Ruhmkorff im Betriebe ist. Der electrische Strom geht also von der Handfläche der Versuchsperson in die Röhre über. Diese Ausstrahlung kann noch auf einem

anderen Wege gezeigt werden. Reben der Versuchsperson nimmt der Experimentator an dem Tische Platz. Berührt er mit seinem Finger die freie Hand der Versuchsperson und fährt mit der Fingerspitze zum Beispiel auf dem Handrücken hin und her, fo hat die Versuchsperson an den berührten Stellen das Gefühl, wie bei der Electrisirung mit den üb­lichen Electroden bei geschlossenem Stromkreise mit schwachen Strömen.. Die Empfindung wird aber um so deutlicher, je stärker man den Strom anschwellen läßt; sie läßt sich bis zur geringen Schmerzhaftigkeit steigern. Noch deutlicher kommt bei einer Abänderung des Versuches die wesentliche Erscheinung zum Ausdrucke. Berührt der Experimentator die Versuchs­person anstatt mit seinem Finger mit einer Stahlnadel am Handrücken, so sieht man bei jeder Berührung von der Haut­stelle auf die Nadelspitze einen Funken überspringen. Er ist zu erwarten, daß die reine Anordnung der Versuche», die­jenige, in der der Experimentator die Hand der Versuchs­person streicht, sich in der practischen Medicin wird verwerthen lassen. Man kann sich vorstellen, daß mit Hilfe der vorher beschriebenen Anordnung der Arzt birect mit der eigenen Hand ohne Electrode den Kranken electrifirt. Das feine Ge­fühl der Fingerspitzen läßt die Anwendung der Electricität sehr verfeinern. Voraussichtlich wird auch die experimentelle Psychologie aus der Versuchsanordnung Nutzen ziehen. Es lassen sich damit die Hautreize allem Anscheine nach auf das feinste abstufen. Was v. Narkiewicz neues gezeigt hat, das ist eine neue Methode der Stromzuführung. Die allgemeinen biologischen Lehren, die v. Narkiwicz aus feinen Lehren zieht (er nimmt an, daß der menschliche Körper eine bedeutende electrische Energie an sich hat), werden der genaueren Prüfung nicht standhalten.

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Der Hautpoet als Hochzeitögratulant und Der- S«üg«»gSraty, herausgegebeu von Constanze von Franken. Stuttgart, Verlag von Levy & Müller. Preis eleg. kart. Mk. 1.50. Die Zeit, wodie Finken schlagen und zu Neste tragen", die wonnige, sonnendurchwobene Frühlingszeit ist nun da. Ueberall sproßt und blüht es in der Natur, und auch im Menschenherzen halten Lust und Freude ihren Einzug, und die schönste Herzensblume, die Liebe, entfaltet ihre duftigsten Blüthen. In keiner Zeit des Jahres hat Gott Hymen so viel zu thun, um die in Liebe entbrannten Herzen zum ewigen Bunde zu vereinigen, als in den Tagen des Lenzes. Allenthalben rüstet man sich zur Hochzeitsfeier. Das Brautpaar zählt ungeduldig schon die Stunden bis zum Hochzeitstage, seine Angehörige und seine Freunde jedoch wünschen diesen Tag noch möglichst weit hinausgeschoben-, sie sind ja mit den Vorbereitungen zu dem Feste noch nicht fertig, das sie doch, der Bedeutung des Tages entsprechend, möglichst feierlich begehen möchten. Namentlich verursachen ihnen die ernsten und launigen An­reden und Vorträge, mit welchen sie am Polterabende und Hochzeits­tage das Brautpaar überraschen wollen, viel Kopfzerbrechen. Ueber den Inhalt dessen, was man sagen oder aufführen will, ist man sich wohl klar, aber die richtige Form und das geeignetste Material iveiß man nicht zu finden. In dieser Verlegenheit erscheint nun als Retter in der Noth ein ganz reizend ausgestattetes Büchlein, das vortrefflich Rath zu schaffen weiß. Es istDer Hauspoet als Hochzeitsgratulant und Ver- gnügungsrath," herausgegeben von Constanze von Franken. Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. In großer Auswahl finden wir darin wunderschöne Kranz- und Schleiergedichte, Begrüßungsgedichte für das Brautpaar bei Ueberreichung von Geschenken am Polterabend, heitere Aufführungen in Costüm für eine und mehrere Personen jeden Alters, Trinksprüche und festliche Ansprachen für die Polterabend- und Hochzeits­tafel, Tafellieder nach bekannten Melodieen zu singen, ja selbst witzige und humorvolle Schnadahüpfel auf jeden Hochzeitsgast. Doch nicht di- grüne Hochzeit allein ist bei Abfassung des Büchleins in Betracht ge­zogen worden, sondern auch für die silberne und goldene Hochzeit ist reichhaltiges Material sorgfältigst ausgewählter Gedichte und Auf­uhrungen zusammengetragen. Dem prächtigen Inhalt entspricht das -östliche Gewand, in dem sich derHauspoet als Hochzeitsgratulant" gar schmuck präsentirt. Papier, Druck und Einband sind splendid und geschmackvoll. Dabei ist der Preis (Mk. 1.50) ein so verlockend billiger, daß das Büchlein gewiß in den weitesten Kreisen schnell allgemeine Verbreitung finden wird, die wir ihm selbst gern wünschen.

Redaction: I. V.; Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.