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tief herabgezogen; im Verein mit der Dämmerung gelingt es ihr hoffentlich, sich unkenntlich zu machen.
„Wollen Sie mir nicht helfen, die Kleine äufzuheben und in Sicherheit zu bringen, bevor es völlig Nacht wird?" fragt sie die Umstehenden. „Auch muß der Arzt sofort kommen."
„Wer ist's denn eigentlich?" klingt es zurück.
„'s ist die kleine Lene Meyer au« dem Armenhause," antwortet eine Frau, die das Kind erkennt.
„Wer soll denn den Doctor bezahlen?" bemerkt ein Um» stehender, „'s wird auch nicht viel zu machen sein. Nun, wenn die Lene stirbt, braucht die Gemeinde nicht mehr zu bezahlen."
„Eine Tragbahre sofort I" drängt Dora. „Und ein Bote zum Doctor!" ertheilt sie Befehl. „Ich nehme das Kind mit mir auf'» Schloß."
XVI.
Am andern Morgen saß Dora nach durchwachter Nacht neben dem eigenen Lager, in dem man das verwundete Lenchen gebettet hatte. Der Arzt war noch am Abend gekommen und hatte bedeutende Verletzungen constatirt. Dora hatte während der ganzen Nacht die vorgeschriebenen kalten Compreffen erneut und dem vom Blutverlust zum Tode er» schöpften Lenchen fortwährend starken Wein gereicht. Gegen Morgen war die kleine Patientin in Schlummer gesunken.
In Doras Augen war kein Schlaf gekommen. Starr und unbeweglich blickte sie hinaus durch'« Fenster, dem Morgenlicht entgegen und über da« verfallene ländliche Heim» wesen hinweg, das nächstens unter den Hammer kommen sollte. Augenblicklich ward es noch mühsam und schleppend aufrecht erhalten durch ein paar alte Leute, Mann und Frau, die noch dem Erbonkel gedient hatten. Sie waren von Anfang an unfreundlich gegen Dora gewesen, da sie vom Hörensagen „die ganze Geschichte" kannten und sie dafür verantwortlich machten, daß sie nächstens bett Mätz würden verlassen müssen, auf dem sie alt geworden waren. Und daß sie ihnen gestern Abend noch da« Kind und damit Unruhe in's Hau« gebracht hatte, „in dem ihr kein Nagel gehörte", fanden sie vollend« „verrückt".
Dora war auch die Mißbilligung ihrer Handlungsweise keineswegs entgangen und zwang sie, sich selbst die Frage vorzulegen, was mit Lenchen werden sollte, wenn sie wieder transportfähig fein werde. Es war ein trauriger Gedanke, die liebe arme Kleine wieder in's Gemeinde-Armenhaus zurückkehren zu sehen, wo sie unmöglich Mutterliebe fand.
Wie glücklich würde Dora fein, wenn es gestattet wäre, für Lenchen zu leben — zum zweiten Male aber ward dieser Wunsch vereitelt, diesmal durch den Druck der Verhältnisse. Dennoch brauchte Lenchen nur die braunen Aurikelaugen zu öffnen und ihre Pflegerin dankbar anzusehen, um die junge, einsame Frau in unbewußtem Muttergesühl alles Glück des Besitzes empfinden zu lassen.
Hand in Hand geschlossen saßen fie während des Tage» beieinander, bis Dora gegen Abend vom Schlaf übermannt wurde.
Eine Viertelstunde schlummert sie süß — plötzlich fühlt sie die warme, weiche Berührung einer Hand auf ihrer Stirn.
Sie schlägt die Augen auf, Wülpern steht vor ihr.
„Verzeih', wenn ich störe, Kleine," redet er sie mit dem alten Kosenamen an. Dann sich besinnend, setzt er schnell hinzu: «Oder soll ich eine andere Anrede gebrauchen? Nein, e» ist mir unmöglich!"
Al» Antwort blickt Dora nur glückselig zu ihm auf. Ja, er ist grauer geworden und die Furchen des unregelmäßigen Gesichts haben sich vertieft. Aber die hellen, klugen Augen und eine vermehrte Rundung der Wangen bezeugten fein Wohlergehen.
„Es durfte nicht Abend werden, bevor ich mich nach Lenchen umgesehen hatte. Du weißt vielleicht, daß ich die unschuldige Veranlassung zu dem Unglück geworden bin?"
„Ich hörte die Leute davon sprechen," erwidert Dora
leise und zitternd. Das unerwartete Wiedersehen, gewünscht und gefürchtet zugleich, greift an ihr Herz.
„Wahrscheinlich wird die Geschichte nächsten« in einem gegnerischen Parteiblatt zu lesen fein, natürlich mit gehörigen Randbemerkungen," sagte Wülpern stirnrunzelnd. „Du weißt vielleicht nicht einmal, liebe Dora, daß Du mir einen großen Dienst erzeigt hast, al« Du da« Lenchen mit Dir nahmst auf'« Schloß. Glücklicherweise wird der Unfall keine üblen Folgen haben, der Arzt hat mir Bericht erstattet."
„O, Gottlob!"
„Ich fühlte mich dem Kinde gegenüber ohnehin al» Schuldner; sein Vater war Arbeiter in der Almenhäuser Zuckerfabrik und verunglückte vor einigen Jahren. Vielleicht erinnerst Du Dich noch? O nein — kaum."
„Ich weiß e« noch, al« ob'» gestern gewesen wäre," sagte Dora eifrig. „Es war im ersten Jahre —" Sie stockte plötzlich.
„Gut, Kleine. Ich möchte Dich nun fragen, ob Du da» Lenchen wohl bei Dir behalten wolltest? Du liebtest ja da» Kind- Aber mein Wunsch ist unbescheiden — es wird sich etwas Anderes ausfindig machen lassen . . ."
„O, Bernhard, ich würde glücklich fein, Lenchen behalten zu können, jetzt doppelt. O, ich bin — sehr einsam!" machte sich die bedrückte Seele Luft.
„Vortrefflich! Dann ist die Sache abgemacht. Du übernimmst Lenchens Erziehung und erlaubst mir, alles Andere zu ordnen. Was meinst Du zu einem kleinen Haufe nebst Gärtchen in einer hübschen Mittelstadt? - . . Apropos, habe ich die Grüße von Cousine Meta, wollte sagen die Grüße von meiner Frau schon bestellt? Darf ich sie wieder grüßen, Kleine?" schloß er, indem er sich langsam zum Gehen wandte.
Dora nickte stumm. Dann griff sie in leidenschaftlicher Bewegung nach Wülpern» Hand und drückte einen einzigen heißen, dankbaren Kuß darauf.
Eine Minute später war sie allein mit Lenchen, ihrem Kinde. — __________
GeinsinnrrtzigeS.
Weißkraut für Herbst, und Winterbedarf. Die beste Aussaat für den Herbst- und Winterbedarf ist Ende Mai oder Anfangs Juni, und zwar wählt man dazu ein Beet, welches schon einmal abgetragen hat. Das vielleicht vorhandene Kraut wird abgehackt und mit Reisern bedeckt, welche nach dem Erscheinen der Pflanzen jedoch zu entfernen find. Sollte trockene Witterung eintreten, so muß man das Beet selbstverständlich gießen, damit die Erde immer feucht ist und der Samen keimen kann. Sobald die Pflanzen pflanzbar sind, was meist um Johanni der Fall sein wird, so werden sie auf gut gegrabenes, am besten im Frühjahr gedüngtes Land mit ungefähr 45 Zentimeter Abstand gepflanzt. Das Abschneiden der Köpfe darf im Herbst nicht zu frühzeitig geschehen, indem der Kohl gerade im Herbst bei dem feuchten und kühlen Wetter noch am meisten wächst und sich ohnehin im Winter besser hält, wenn er draußen steht, bi« Frost eintritt. * *
Der Fruchtwechsel bei -em Gartenbau. Der Fruchtwechsel ist auch beim Gartenbau durchaus nothwendig. Er ist ungefähr dasselbe wie bei der Landwirthschaft die Dreifeldercultur, mit Hilfe deren dem Boden ein so hoher al» möglicher Ertrag abgewonnen wird. Leider aber wird dieser Fruchtwechsel in so svielen Gemüsegärten gar nicht beachtet; jahraus, jahrein wird das gleiche Beet mit Blumenkohl, mit Erbsen oder zwei- oder dreimal jährlich mit Salat besetzt- Der praktische Gemüsezüchter aber, der seinen Gemüsegarten den größtmöglichsten Ertrag abgewinnen will, macht sich einen Betriebsplan. Zur Errichtung dieses Zweckes theili man seinen Gemüsegarten in drei Abtheilungen ein. Erste Ab- theilung: Starke Düngung verlangen sämmtliche Kohlarten


