Ausgabe 
4.6.1896
 
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auf die alten Sachen rings um sie her, die tausend Er« innerungen predigten. Da der einfache Schreibtisch des Vaters, dort der Großstuhl am Ofen, weichgepolstert und guterhalten und mit vielen blüthenweißen Deckchen bedeckt, hier die alte Wanduhr, deren sanftes Ticken Dora als kleinesjunges" Mädchen oft in den Schlaf gelullt hatte, und deren lauter Glockenruf der Häuslichkeit des Rendanten viele Stunden be« scheidenen, friedenvollen Glückes verkündet hatte: Alles, Alles Wahrzeichen einer glücklichen Vergangenheit. Dennoch galt es sich loszureißen.Es soll Dir Alles bleiben - Du hast ein Recht darauf," erklärte sie bestimmt,wenigstens ein moralisches"

Findest Du auch?" frug Therese erleichtert.

War mit mir werden soll? Noch weiß ich's nicht. Es ist auch einerlei - Dein Recht, ich will es Dir nicht schmälern. Leb' wohl, ThereseI"

o . »So willst Du schon wieder gehen? Wieder nach Mülver« stedt? Bleibst Du noch lange dort?" frug Therese freund- Ucher.

Jedenfalls nur noch kurze Zeit. Lebe wohl!"

Damit war Dora hinaus, um draußen auf der Straße den Wagen zu besteigen, der sie zum Besuch des Elternhauses nach Gröpelingen geführt hatte.

Vor acht Tagen war Dora mit Mülverstedts Leiche aus Italien angelangt. Andern Tags hatte die stille Beisetzung in der Familiengruft auf dem alten Gottesacker stattgefunden. Traumhaft und eindruckslos waren die nächstfolgenden Tage an ihrem Geiste vorübergezogen.

... Erst die oberflächliche Frage, welche die practische Therese für die Schwester an die Zukunft gestellt, hatte Dora aus dem geistigen Schlummer geweckt, in welchen eine natürliche Schwäche nach einem Uebermaß der Gefühle sie sinken ließ. Ja, was sollte aus ihr werden? Sie fühlte, daß sie an einem Meilensteine ihres Lebens angekommen war, von dem aus allerlei Wege sich abzweigten. Aber es waren wohl rauhe, dornenvolle Pfade, und ihre armen Füße waren müde, müde vom Wandern.

c Halb in Indignation, halb in Mitleid und Liebe hatte sie der Schwester das väterliche Erbtheil überlaffen. So klein es sein mochte im Augenblick war es viel für Dora. Ja, sie war verwöhnt. . . . Aber es war Dora unmöglich gewesen, der vom Schicksal stiefmütterlich bedachten Schwester gegenüber ihr Theil zu nehmen, um so mehr, als sich Therese seit ^träum?hatte Alpern in den alleinigen Besitz hinein« D^a der Gedanke, Diaconissin zu werden, da i> ste sich in ihrer jetzigen Seelenstimmung zur Gesellschafterin absolut nicht eignen würde. Die Ausübung der Diaconie galt in den Kreisen, in denen sie zuletzt gelebt hat ^ durchaus für ladylike, selbst die Mode hatte ihren aft ??ran,,.3lber Re war nicht umsonst mit Liebe ver« wöhnt, hatte nicht selbst leidenschaftlich geliebt. Und wie die die Erzeugerin der edelsten Gefühle ist, macht sie ander« seits auch egoistisch; sie stammt nicht allein vom Himmel, sie ^V" ^?«dlmsch selbst, ein Kind der Erde. Die Menschen« genügte dem Herzen der jungen Frau b «iene Leidenschaft gekannt hatte.O, hätte ich ein Kind! flüsterte sie immer wieder.

a wanbette sie am Nachmittag nach Mülver«

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Es war ein letzter schöner Herbsttag mit broncegefärbter, wenn auch sturmzerzauster Blattfülle. Der Himmel erschien herbstlich feurig und buntfarbig, und auf der Dorfstraße tummelte sich spielend eine Ktndergruppe im Abendsonnenschein. Vor einem verwahrlosten Häuschen saß, einsam und aus« geschlossen von den Kameraden, ein ungefähr sechsjähriges Mädchen und hielt eine Puppe im Arm. ®

., ,r »Magst Du nicht spielen?" frug Dora unwillkürlich theilnehmend im Vorubergehen.

0. k Mer plötzlich bleibt die junge Frau stillstehen. Da» Kind dort, diese braunen Augen, sanft wie Blumensterne und leuchtend wie Himmelslichter, es ist Lenchen, ganz ohne Zweifel. Und da ist ja auch die Puppe noch, die ihr Dora geschenkt hat, zwar mit stark blesstrtem Kopfe, aber noch kenntlich an der Kleidung, die sogar leidlich erhalten ist.

Bist Du nicht Lenchen Meyer?" fragt Dora weiter.

«Ja-"

Wo ist Deine Mutter?"

Todtgestorben."

Kennst Du mich?"

Das Kind schüttelt stumm mit dem Köpfchen, hat sich aber unwillkürlich von seinem Steine erhoben und blickt freund« lich und bittend nach der schönen Dame hinüber, die trotz der schwarzen Kleidung so herzig und lieb zu ihm spricht. Zu« es Dora an die Hand, um ihr zu folgen. Und die bleiche, zunge Frau läßt er lächelnd geschehen, e« ist ihr wie ein Trost.

Gehst Du schon zur Schule?" fragt sie im Gehen.

Ja, seit Ostern."

Kannst Du schon lesen?"

In der Fibel und im Gesangbuch." Und wie um die Kunst zu zeigen, buchstabirt Lenchen nach dem Betreten der Friedhofes von dem nächsten Grabe ab:Ruhe sanft."

Dora überläßt das Kind seinem Schicksal, um sich nach der Familiengruft zu wenden, die den Geliebten umschließt. Innerhalb des Eisengitters sinkt sie weinend auf dem Grabe des letzten Sproßen Derer von Mülverstedt nieder. Der Tod hat es an sich, alle irdische Zuthat abzustreffcn; was uns an dem Lebenden verletzt, gekränkt, fällt ab, als wäre es nie gewesen. Auch von dem Geliebten war nur da» strahlende Bild zurückgeblieben, das einst ihr Herz bezwungen hatte.

Als sie sich zum Heimweg wandte, empfand sie Schmer, und Verlassenheit doppelt.

Lenchen erwartete sie an der Ausgangspforte, um sie nach Haufe zu begleiten es geschieht wie selbstverständlich.

Dora läßt sich im Gehen Allerlei erzählen, von dem schonen, kranzgeschmückten Sarge, den die tobte Mutter gehabt ^emtb daß Lenchen jetzt im Armenhause wohne und nächsten» die Gänse auf dem Gemeinde-Anger hüten solle.

Dabei ist es fast Nacht geworden.

Da plötzlich rollt in raschem Trabe ein Wagen durch die Dämmerung heran. Die eleganten Jucker greifen schnell aus sie scheinen zu wissen, daß es heimwärts geht so schnell, daß es Dora kaum gelingt, sich auf die Seite der Dorfstraße unter den Schutz der Lindenbäume zu retten.

Doch hat sie Lenchen glücklich mit sich gezogen. Nur die Puppe, der Wechselbalg, ist den kleinen Händen entschlüpft.

Aber Lenchen läßt sein Puppenkind nicht - sie reißt sich los, um es zu retten. Aber, o Schreck! Sie stürzt nieder, der Huf des Pferdes, das Rad, ein lauter Wehe« schrei, der in Doras Ohren klingt: Alles ein Augenblick!

Das Unglück ist geschehen; Lenchen liegt schwerverletzt am Boden, während der Wagen in schnellem Trabe weiter rollt.

Der Vorgang ist nicht unbemerkt geblieben, trotz der hereinbrechenden Nacht. Von den Vorübergehenden tritt Einer zum Andern.

Was ist's?" -Nun, das Kind ist überfahren." - Wer hat's gethan?" -Der aus Almenhausen." -Der Commerzienrath?" -Freilich, sie erwarten ihn heute zurück, er hat sich eine neue Frau geholt."

Auch ein paar Arbeiter treten heran, die mit dem Wochenlohn direct aus der Kneipe kommen.

Ja, die Reichen fragen nach so was nicht- Das arme Wurm es hat genug sein Leben lang," so klingt e» bunt durcheinander.Lebt es denn noch?"

Dora ist neben Lenchen niedergekniet und versucht mit ihrem Taschentuche das Blut zu stillen. Sie hat den Schleier

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