Untechaltungsdlatt MM Gießener Anzeiger (General-AnMer).
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Gesühnt?
Novelle von Zos von Reuß.
(Schluß.)
„Armes Kind, ich habe unselig in Dein Leben eingegriffen und es aus seinen Bahnen geschleudert/' sagte Mülverstedt mit jener Selbsterkenntniß, die zuweilen dem Tode vorherzugehen pflegt. „Kannst Du mir verzeihen!"
„Laß, ich bitte!" wehrte Dora ab. Dann setzte ste nachdenklich und reif hinzu: „Ich glaube, daß unser Schicksal nur die Wirkung unabwendbarer Gewalten ist, welche unsere inneren Bedingungen über uns bringen."
„Es ist kalt — mich friert . .
Dora erschrack. „Willst Du in's Haus zurückkehren?" frug ste ahnungsvoll; denn ste glaubte plötzlich einen eiskalte« Hauch von wehenden Geistesflügsln zu spüren.
„Nein, das Athmen ist hier leichter."
Die Gattin zog nun die wärmende Seidendecke höher herauf und glättete sorgsam die Falten, daß sie sich weich und mollig um die Leidensgestalt des Geliebten schmiege.
Dann saßen sie noch eine Weile Hand in Hand und blickten der geschiedenen Sonne nach. Und der gegenseitige Druck drang bis in die innerste Seele hinein und die übervollen Empfindungen der Herzen strömten einander zu. So kam die Nacht heran, die letzte für Mülverstedt.
Anderen Tag« hatte ein durch die kranke Lunge veranlaßter Blutsturz seinem Leben ein Ende gemacht.
XV.
„Es ist schrecklich, daß wir uns so wiedersehen, Dora, ganz schrecklich!" sagte Schwester Therese vierzehn Tage später weinerlich. „Als Dich Wülpern heirathete, glaubten wir aus allen Sorgen zu sein. Es war eine noble Hochzeit — ste konnte gar nicht schöner fein- Du — weißt es wohl gar nicht mehr?"
„Erzähle mir vom Vater 1" sagte Dora dringend, die bleich wie der Tod und in tiefer Trauerkleidung in der alten Häuslichkeit neben der Schwester auf dem Sopha faß.
„Ja so, vom Vater. — Du lieber Gott, er war nun
einmal ganz auseinander über die Geschichte mit Mülverstedt und Dir. Aber Du bist ja immer sein Liebling gewesen und so blieb es auch trotz Deiner dummen Streiche und obgleich ich Alles für ihn that und viele Nächte nicht geschlafen habe. Ich weiß wohl, daß er Dich lieber um sich gesehen hätte, wenn er's auch nicht gesagt hat . . ."
Dora vermochte ihre Thränen nicht mehr zurückzuhalten.
„Warum bist Du auch nicht früher gekommen?" ließ Therese verdrießlich als Anklage hören.
„Weil ich meinen Gatten nicht verlaffen wollte," erklärte Dora schroff.
„Aber er soll doch gar nicht gut zu Dir gewesen sein. Und Wülpern war der reine Engel. Und Du hast ihn doch verlaffen und das Elend über uns gebracht. . . . Das Allerschlimmste ist nämlich -"
„Nun? Was?" frug Dora ungeduldig.
„Das kleine Vermögen, was der Vater erspart hat — ich sage Dir, es ist eigentlich erhungert — Du wirst nun auch Dein Theil davon verlangen — Dein zweiter Mann soll ja nichts als Schulden hinterlassen haben, wie die Leute sagen. Mülverstedt soll nächstens vom Gericht verkauft werden — ist's wahr?"
„Allerdings!"
„So weit ist es gekommen! Du lieber Gott, dann werde ich doch wohl unter fremde Leute gehen müssen — das halbe Erbtheil reicht nicht zum Leben. Und ich hätte mir's gern hübsch bequem gemacht — an Unsereins ist früher (niemals gedacht worden."
„Behalte Alles — ich meine das Geld," sagte Dora aufstehend. „Laß mir nur die Porträts der Eltern und ein paar Andenken. Wie es auch fein mag — ich mache keinen Anspruch an die Hinterlassenschaft."
„Ist bas Dein Ernst, Dorchen?" frug Therese freudig überrascht. „Wovon willst Du denn aber leben, Kind? So verwöhnt, wie Du doch bist I" setzte sie hinzu, indem sie einen prüfend-bewundernden Blick auf die Trauerloilette warf, die trotz ihrer Einfachheit von Eleganz und Geschmack zeugte. „Ja, wenn Du mit Wülpern in gutem Einvernehmen geblieben wärst! Weißt Du, daß er auf der Hochzeitsreise ist? Er ist auch Commerzienrath geworden."
Dora antwortete nicht. Noch ein einziger, langer Blick


