isA P|
AttlsLag den 4. Februar
14.
Umiiiskßl'äitsr
tSKSKö!'
UnteriMungsblatt zum Gießener Anzeiger (OeneM-Ameiger)^
4
1 < L4
Flammen aus der Asche.
Novelle von L. H a i d h e i m.
(Nachdruck verboten.)
„Castellamarel"
Der von Neapel kommende Zug hielt.
Unter den Reisenden, welche die Wagen verließen, befand sich ein alter, vornehm aursehender Herr mit seiner Tochter und einem in schwarze Livree gekleideten weißhaarigen Diener.
Während der Letztere sich beeiferte, unter dem ungedul» digen Blick seines Gebieters einige» Handgepäck aus dem Coupes zu nehmen, sagte dieser in gereiztem, nörgelndem Tone zu der schlanken jungen Dame: „Nun, was habe ich gesagt, Paula? Eine Enttäuschung nach der andern! 's ist zum Lachen, wie sich das Reisepublikum selber belügt und dann die Andern. Wir gehören, seit wir nach Italien kamen, auch zu Denen, die nie alle werden!"
„Ach, Papa! Wenn Du doch die Schönheit sehen wolltest! In Neapel war e» für Dich eben nur zu lärmend; — hier wirst Du schon Ruhe finden," protestirte sie sanft und ein Zug leidender Geduld in ihrem nicht mehr vom Schmelz der ersten Jugend überhauchten feinen Gesicht wurde deutlicher.
„Wollen'» sehen! Mach' nur, daß wir erst diese vor uns flüchtende Ruhe erreichen!"
Sie rief einen Facchino an und gab ihm Auftrag, einen Wagen zu besorgen, fragte dann auch nach der Villa Cotti« cellt und ob dieselbe inmitten der Stadt oder seitwärts von derselben läge.
Ihr Italienisch war fließend und der Dienstmann lachte die Signora, der er trotzdem die Ausländerin sofort ansah, bewundernd an.
Sine Jnglese konnte es kaum sein, dazu sprach sie seine schöne Sprache zu gut.
Seine Auskunft befriedigte die Dame.
Während er voran schritt, einen Wagen heranzuholen und der Diener ihnen folgte, ging der alte Herr, auf den Arm seiner Tochter gestützt, mühsam und steif dem Ausgang zu und sie berichtete, bemüht, ihn zu besänftigen: „Der Facchino sagt, die Villa liege steil über der Stadt und habe eine sehr schöne Aussicht."
Der alte Herr schwieg unmuthig und stieß nur einen ungeduldigen Seufzer au».
Seine runden, blaugrauen Augen hatten einen unruhigen, gequälten Ausdruck lund hefteten sich auf Alles, was sie Unliebsames und Unerfreuliches sahen, auf den Bauschutt mitten in der Halle, während er auf der ganzen Fahrt von Neapel hierher weder auf die Schönheit des blauen Meeres und des blauen Himmels, noch auf die der Uferlandschaft geblickt hatte.
Endlich saßen sie im Wagen, der Diener sollte unter dem Beistände de» Dtensimanne» mit dem Gepäck nachkommen. Vater und Tochter fuhren durch die Stadt ihrem Ziele zu und wenn der alte Herr auch nichis sagte, so redeten seine Mienen spöttisch genug über die bekannten italienischen Straßenscenen, das Geschrei der Kinder und Erwachsenen, die schlechte Luft und so weiter. E» war, al» mache er feine Tochter verantwortlich für den vielen Verdruß, den er sich mit jedem Blick einheimste.
Der Wagen machte eine scharfe Biegung und au» dem engen, dunstigen Gäßchen heraus ging es jetzt ziemlich steil bergan, die Häuser wurden seltener, der Weg schien au» dem Fel» gesprengt; — jetzt that sich ein wundervoller Blick auf über Meer und Land und dann kam wieder eine scharfe Biegung in einen größeren Hof hinein.
„Villa Cotticellt!"
Sie waren angelangt. Die Lust, ganz erfüllt von Orangendust, wehte ihnen frischer, kühler entgegen; ring» um da» Hau» lag ein nur mangelhaft gepflegter, aber in seinem vorderen Theil von Frühlingsblumen übersäter Garten.
Ein schlanker, großer Herr stand auf der Steintreppe, die in da» Haus führte und trat den Ankommenden, den Hut lüftend, entgegen. t ,,
„Mit wem habe ich die Ehre?" fragte er deutsch.
Also der Wirth! — Der Pensionsinhaber Herr Schwarze.
„Präsident von Neegenhart! — Ich habe, durch Unwohlsein verhindert, leider nicht rechtzeitig eintreffen können."
„Ah, — der Herr Präsident I Wir haben Sie allerdings einige Tage vergeblich erwartet und endlich geglaubt, die Herrschaften seien anderen Sinnes geworden —"
„Aber dann würde ich doch Nachricht gegeben haben, lautete der gereizte Einwand.


