sollte er sich zeigen, so würde ich ihn hiermit schnell zur Ruhe bringen."
Däbei schweifte sein Blick nach Vellen» Pistolen zu seinen Füßen.
„Dämon I Teufel!" stöhnte Liffa und krampfhaftes Schluchzen erstickte ihre Stimme.
Einen kurzen Moment ruhte sein Auge mit seltsamem Ausdruck auf ihr.
^„Jch weiß, ich fühle er — die Stunde kommt noch, wo ich Euch lieben oder tödten muß!" entrang es sich seiner ge- preßten Brust.
Trotz qualvoller Angst und Aufregung schlugen diese seltsamen Worte — die Jenem wie von einer fremden Macht eingegeben erschienen — wie in einem Traume an des Mädchens Ohr.
Da plötzlich mit schnellem Griff zog der Fremde einen Strick au« der Tasche und machte sich daran, ihre widerstrebenden Hände zu binden.
Sie suchte sich mit fast übermenschlicher Mast dagegen zu wehren — aber umsonst.
Doch leicht machte sie es ihm nicht; in dem Kampfe schob sich des Mannes Aermel weit zurück und wie der Blitz hatten sich Liffas kleine scharfen Zähne in dem muskulösen Arme eingebissen, denn vor Angst und Zorn war sie dem Angriffe de» elenden Schurken gegenüber wie von Sinnen-
Ein von Wuth und Schmerz halb erstickter Schrei ent» rang sich seinen Lippen — in der nächsten Secunde hatte er sie überwältigt und bald darauf hatte er ihre Hände gebunden-
„Ha, warum schone ich überhaupt ihr Leben?" murmelte er dann.
Und Liffa empfand trotz aller Aufregung eine gewiffe Freude, daß sie diesem Dämon ihr Zeichen aufgedrückt hatte.
Wenn sie je einander im Leben wiedersähen, würde sie ihn hieran erkennen, dachte sie-
„Genug dieser thörichten Widerstandsversuche," bemerkte der Fremde mit teuflischem Lächeln, „Ihr habt Euer Leben in eigener Hand. Ein Wort — eine Bewegung — und Ihr seid verloren!"
Liffa wagte nicht, diesen mit verzweifeltem Entschluß ge» sprochenen Worten zu trotzen.
Stumm und regungslos stand sie da.
Der Fremde nahm seinen weiten Mantel ab und hing denselben über die nach der Ser blickenden Fenster.
„Der Sicherheit halber möchte ich Euren Mantel auch haben," wandte er sich in spöttisch-höflichem Ton an Liffa
Die Arme sah verzweiflungsvoll ringsum. Keine Hilfe, keine Hoffnung, sie war ganz in seine Hände preirgegeben!
Mit erdfahle»! Gesicht und schmerzzuckenden Lippen ließ sie e» gewähren, daß er ihr hastig den Mantel von den Schultern nahm und ebenfalls vor die Fenster des Leucht- thurme« hing.
Nun konnte nach der See kein Lichtstrahl mehr hindurch- dringen.
„Jetzt verhaltet Euch eine Weile hübsch still," fuhr der Elende erbarmungslos fort, „b!s ich Eure Fesseln wieder löse."
Langsam — langsam schlichen die Minuten vorüber, während dü» beklagenswerthe Mädchen regungslos dastand und mit starrem, glanzlosen Blick hinaurschaute in die finstere Nacht.
Kalter Schweiß trat ihr aus die Stirn.
„Besser ein Leben, al» daß viele zu Grunde gehen — nehmt mir da» meine!" murmelte sie mit erstickter Stimme. „Schleudert mich hinab, wenn Ihr wollt, aber schont der Unglücklichen auf der See!"
„Thörin!" stieß ihr Quäler hervor. „Hütet Eure lose Zunge — oder ich könnte Euren Worten folgen!"
Da, noch während er sprach, drang durch Sturm und Regen der Tost eine« fernen Schüsse« an ihr Ohr.
Halb tobt vor Schreck sank Liffa gegen die Wand.
„Da ist ein Schiff in Roth," kam e« heiser von ihren bleichen, trockenen Lippen.
Ein zweiter — ein dritter Schuß — ein jeder Widerhall derselben traf sie gleich einem Dolchstoß, wie sie da lehnte,
krank von dem Entsetzen in dem Bewußtsein, daß in diesem Augenblicke angesichts de« Strandes ein Fahrzeug mit dem wild schäumenden Meere kämpfte und scheiterte.
Selbst des Fremden Züge verfärbten sich; doch ein eigen- thümliche« Lächeln umspielte seine Lippen, Triumph leuchtete aus seinen dunkeln Augen.
„Jetzt seid Ihr frei!" wandte er sich zu Liffa und löste ihre Feffeln. „Aber erst, wenn die Laterne sich zwölfmal gedreht hat, verlaßt Ihr diesen Raum — sonst wehe dem Alten da unten!"
Er nahm seinen Mantel vom Fenster, wo derselbe ihm so gute Dienste geleistet hatte, gab Liffa den ihren mit einer höflich weltmännischen Verbeugung zurück und ließ die Unglückliche allein.
Ltffa, mehr tobt al» lebendig, wartete die bestimmte Zeit ab; dann wankte sie, schwach und zitternd, die Treppe hinab.
Erst wie sie vor ihrem Onkel kniete und ihn von den Stricken befreite, kam sie wieder zur Besinnung.
„Ein Schiff ist gestrandet," kam e« mit schwacher, zitternder Stimme von des Alten Lippen, nachdem er sich mit Liffas Hilfe wieder aufgerichtet hatte.
„So ist'«," kam es fast wie ein Klageruf zurück.
In der nächsten Minute hatte Liffa das Haus verlassen und eilte abermals dem Strande zu.
II.
Kaum eine halbe Stunde vom Hafen entfernt, spielte sich eine traurige, aufregende Scene ab, wie sie an nah dem Meere gelegenen Orten nichts Seltsames ist.
Die Mannschaft des im Sinken begriffenen leckgewordenen Schiffes hatte das Boot herabgelassen und machte sich an die Rettung der geängsteten Passagiere.
Hastigen Schrittes näherte sich Liffa dem Strande.
Da, von jenseits der an den Hafenmauern hochaufschäumenden, sich brechenden Wogen, mitten au« der Brandung hervor, blinkten die Lichter de« gestrandeten Dampfer«.
Tief unten am Meeresstrande, von dem flackernden Licht einiger Fackeln beschienen, war ein kleiner Haufen kräftiger beherzter Männer thätig, den Armen, die hilflos dem Spiel der wild tobenden Wellen preisgegeben waren, das Leben zu retten.
„Woher kommt dar Schiff, Capitän?"
Schnell wandte der Gefragte den Kopf nach dem blaffen, schmerzverzogenen Gesicht.
„Sie hier, Kind?" rief er erstaunt. <
Es war ein alter Freund von Martin Velten und hielt große Stücke auf dessen Pflegling.
„Ach, Capitän, ich muß Ihnen etwas Schreckliches mit« theilen — aber jetzt haben Sie wohl nicht Zeit für miet)?'
„Nein, jetzt nicht, Kind," gab Jener zurück und traurig schweifte sein Blick nach den flackernden Lichtern auf der See — als Antwort auf Liffas Frage setzte er hinzu: „Den Signalen nach ist es ein französischer Passag.erdampfer."
„Sind schon Rettungsboote hinaurgefahren?" forschte Liffa mit zitternden Lippen.
„Unmöglich bei diesem Sturm — wir müssen un« auf die Raketen verlassen."
Stumm, mit krampfhaft gefalteten Händen und angsterfülltem Blick folgte Liffa allen zur Rettung der Gescheiterten getroffenen Anordnungen und Vorkehrungen.
In nicht zu unterdrückender Aufregung kam sie rasch näher, als die ersten Geretteten an's Land gezogen wurden.
Wer waren sie, die zu vernichten ein Monsch sich zum Teufelswerk herbeigelassen hatte — meist Frauen — nur wenige Männer, unter letzteren befand sich auch ein kräftiger junger Mann von ungefähr dreißig Jahren, der beim Besteigen des Bootes durch einen unglücklichen Zufall mit dem Kopf so heftig gegen einen eisernen Riegel gestoßen war, daß er die Bestnnung verloren hatte.
Ein paar Männer hoben ihn au» dem Fahrzeug und legten ihn auf den weichen Sand.


