Ausgabe 
3.12.1896
 
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UntrrhattungsbLatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger)'

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Die Brüder.

Novelle von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

An den Wimpern des jungen Mädchens funkelten Helle Tropfen.

Es schnürt mir immer da» Herz zusammen, wenn ich das viele Geld annehmen soll. Zu denken, wieviel Freude er daran gehabt hätte"

Er hätte sie nur um Ihretwillen gehabt, Fräulein Margarethe, Venn nicht an sich dachte er, wenn er für den Erwerb schuf, sondern einzig an Ihre Zukunft. Ich weiß, welche Beruhigung es ihm auf seinem Sterbebett gewährte, daß er Ihnen in diesen Bildern ein kleines Vermögen zu hinterlassen vermochte."

Sie waren es, der ihm diese Beruhigung einzuflößen wußte, Herr Eggestorf Sie allein! Denn er hielt die Werke, die auf so vielen Gemälde«Ausstellungen umherge­wandert waren, ohne einen Liebhaber zu finden, für beinahe unverkäuflich. Das Lob, das Sie ihnen spendeten, hat ihm unaussprechlich wohl gethan er war seine letzte Freude auf Erden, und nie nie werde ich Ihnen dar vergessen."

Wie zu abwehrender Bitte erhob er die Hand.

Ich hatte so viel an ihm gut zu machen und er war so wenig, war ich thun konnte. Wahrhaftig, er be­schämt mich, wenn Sie davon sprechen."

So wenig? und war wäre aus mir geworden ohne Sie? Muß ich Sie daran erinnern, welche geringfügige Summe mir der Kunsthändler Jrmisch am Tage nach seinem Tode für den gesammten Nachlaß bot? Haben Sie er ver­gessen, daß mich bet meiner damaligen Mittellofigkeit nur Ihr energische« Dozwischentreten abhielt, diese« schmachvolle Gebot anzuneh nen?"

Jener Jrmisch ist ein Schurke, der Ihre Unerfahrenheit unb Ihre vermeintliche Nothlage ausbeuten wollte. Jeder Andere, den Sie statt meiner befragt hätten, würde Ihnen denselben Rath gegeben haben wie ich."

Vielleicht. Aber abgesehen davon, daß ich auf der ganzen weiten Welt Niemanden hatte, dem ich mich anver­

trauen konnte, glauben Sie wohl, daß auch jeder Andere ge­than haben würde, was Sie für mich gethan? Nicht nur, daß Sie alle die peinvollen Pflichten jener traurigen Zeit statt meiner erfüllte» Sie waren er auch, der den Kunst­händler Becker zur Ausstellung des Bildernachlafle« und zur Gewährung eines so beträchtlichen Vorschusses bestimmten. Alle demüthigenden Bitten und Verhandlungen wurden mir durch Ihre aufopfernde Theilnahme erspart. Wahrhaftig, ich weiß nicht, wie ich diese ersten Monate hätte überstehen sollen, ohne Ihre edle, uneigennützige Freundschaft."

Umsonst hatte Hermann Eggestorf versucht, fie zu unter­brechen. Sie hatte unverkennbar schon längst da« Bedürfniß gehabt, dies Alles auszusprechen, und fie wollte fich darum jetzt weder durch seine abwehrenden Geberden noch durch seine flehenden Blicke daran hindern lassen. Erst als fie die heiße, fliegende Rölhe auf seinen Wangen sah, hielt fie plötzlich inne, um fich wieder der vergessenen Kaffeemaschine zuzuwenden.

Sie reichte ihm die Taffe, die er mit dankbarem Lächeln in Empfang nahm. Doch kostete es ihm fichtlich Ueberwindung, zu trinken, urb er hatte die Schale noch nicht zur Hälfte geleert, al« er sie auf ben Tisch zurückstellte.

In bet That, ein Arcanum von zauberhafter Wirkung!" versicherte er.Ich fühle mich schon wieder ganz frisch. Wenn ich meinen Denkmalrentwurf nun doch noch glücklich vollende, hcrbe ich es einzig Ihrer Kur zu verdanken."

Wenn Sie ihn vollenden? Fürchten Sie denn, daß er nicht rechtzeitig fertig werden könnte?"

Es ist mir in den letzten Wochen nicht mehr so gut von der Hand gegangen wie im Anfang. Und neuerdings ist mir es zuweilen, al« sollte ich überhaupt lieber von der Mitbewerbung abstehen al« ginge die Aufgabe über meine Kraft."

Mit grober Lebhaftigkeit wandte Margarethe ihm ihr reizende« Gestchtchen zu.

Nein, das dürfen Sie nicht eine solche Anwandlung von Kleinmuth müssen Sie mit aller Entschiedenheit be­kämpfen. Die Zeichnung, die Sie mich von Ihrem Entwurf sehen ließen, war so wunderschön. E« wäre meiner Neber-, zeugung nach eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, wenn Sie nicht den ersten Prei« erhielten."

Eggestorf sah still vor fich nieder. Die brennend rotzen