Ausgabe 
3.11.1896
 
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die sie nicht zu erschwingen vermögen, die Mütter unter ! der Misöre, mit dem nach ihren Begriffen karg bemeffenen Wtrthschastegeld nicht ausreichen zu können. Die Wenigsten wissen sich zu helfen leiber. Da geht dann sehr oft das Familtenglück, da« man sich vor der Ehe in so anmuthenden Farben ausmalte, in die Brüche und mancher Mann verliert in dem aussichtslosen Ringen um eine Existenz die Kraft, den Kampf um'» Dasein auszukämpfen. Man werfe nur einen Blick auf die Statistik der Selbstmorde! Zahlen beweisen! Diese Zahlen sprechen eine eindringliche Sprache. Sie er­zählen un» von Unsummen, die mancher Haushalt verbraucht, von ktndervollen Häusern, von unbeholfenen, erwerbruntüchtigen Frauen, die dem Manne in Zeiten der Roth ein Ballast sind, anstatt ihm helfend, stützend, ermuthigend zur Seite zu stehen. Der Mann," so heißt e»,soll der Ernährer der Familie sein." Wohl, er soll es sein; wie aber, wenn er durch un­günstige Verhältnisse aus seiner Carriöre gerissen, keinen Erwerb findet? Hat er eine pflichtbewußte, energische Frau, so wird sie Hilfe zu schaffen wissen, sich einen Erwerb suchen, sich einschränken, gute Menschen für da» Schicksal der Ihrigen zu interesstren wissen. Aber dar Gros der Frauen läßt leider Gotte» Elend und Roth Gewalt über sich gewinnen, ohne den Kampf mit den feindlichen Mächten aufzunehmsn- Sie glauben, ihre Pflicht zu erfüllen, wenn sie kochen, den Haushalt ver­sorgen und dem erwerbslosen und dadurch doppelt unglück­lichen Manne ihr Leid vorseufzen. Das Unglück will es dann zumeist, daß die Frau, anstatt sich aufzuraffen, sich erwerbs­tüchtig zu machen, Kind auf Kind in's Hau» bringt und daß der alljährliche Familienzuwachs ihre Kräfte derart in An­spruch nimmt, daß sie faktisch meint, nichts thun zu können, al« ihr Kleinvolk zu versorgen. Man pflegt solch' eine arme Frau, deren Reichthum eine zahlreiche Familie ist, zu bemit­leiden; gefehlt! Sollte man sie nicht eher verurtheilen?

Man eifert sonderbarerweise so sehr dagegen, daß Frauen und Mädchen einen Beruf wählen sollen- Sehr mit Unrecht. Sind denn die Männer stets in der Lage, ihre Familie zu ernähren? Fragen wir nur, wie viele Tausende die Mithilfe der Frau mit Freuden begrüßen würden! Und nicht allein um da» Geld handelt es sich, da» die Frau erwirbt, auch um da« Sparsystem, da» die erwerbende Frau in ihrem Hause einzuführen bestrebt ist. Wer selbst weiß, wie schwer der Thaler zu verdienen ist, giebt ihn sicher nicht leicht au». Aber die meisten der indolent dahinlebenden Frauen, die nie eine Anstrengung gemacht, dem Manne die Last, alle» für da» Hau» Nöthige heranzuschaffen, abzunehmen, die in dem Manne nur eine Versorgungsmaschine sehen, die functioniren muß, nie stille stehen darf, wissen nicht, was sparen und haus­halten heißt. Sie meinen, wenn ihre Töpfe blank gescheuert, der Boden blank gewichst, ihre Toilette in Ordnung ist, daß sie damit genug geleistet. In guten Verhältnissen wohl, aber wo des Mannes Kraft nicht ausreicht, eine zahlreiche Familie zu ernähren, da ist die vielgerühmte Eigenheit mancher Frau schlecht am Platze, da darf sie nicht in dem Streben, Alles auf Glanz herzurichten, aufgehen, da muß sie ihr Haupt­augenmerk darauf richten, dem Manne die große Last, die Familie zu ernähren, von den Schultern zu nehmen, damit er der Last nicht erliege.

E« ist erstaunlich, was manche Familienväter leisten müssen, um allen Ansprüchen, die ein großer Haushalt an sie stellt, zu genügen. So lange der Mann erwerbsfähig ist, schafft er wohl und giebt gerne Alle» hin. Wie aber, wenn Krankheit, Geschäftslosigkeit rc. eintreten? Da ist oft kein Spargroschen in der Familie, keine Aussicht, die schwere Zett zu überdauern. Schulden über Schulden werden gemacht; die Last derselben erdrückt jede Lebenrfreudigkeit und löstet die Hoffnung auf bessere Tage.

Wehe und dreimal wehe all' den Familien, welche den moralischen Halt verloren, sih auf eigene Kraft zu stützen. I Das Unglück unzähliger Menschen entsteht dadurch, daß sie eben auf zu großem Fuße leben, sich nicht bescheiden, nicht i

entsagen können. Der Putz der Frauen ist in'» Maßlose ge- stiegen; sie fragen nicht:Woher nimmt der Mann da» Geld, um Dir die« und da» zu schaffen?" E« muß da sein. Sie fragen nicht:Wäre e» nicht besser, anstatt diesen und jenen leicht entbehrlichen Gegenstand zu kaufen, da» Geld in die Sparkasse zu tragen?" noch weniger:Findet sich nicht eine Gelegenheit, selbst etwa» zu verdienen, wenn e» dem Gatten schwer wird, Alle» herbeizuschaffen?"

E» ist ganz erstaunlich, mit welcher Indolenz junge, be­gabte, erwerbsfähige Frauen dahinleben, ohne sich zu fragen: Wie nun, wenn Dein Mann krank oder stellenlo« wird? Wovon dann leben?"

Ein bekannter Rrtionalöconom sagte, man solle da» Volk zwingen, Kranken» und Altersversorgungskaffen beizutreten, namentlich in Frauenkreisen dafür Propaganda machen, daß der Sinn für'« Sparen ausgebildet, die Mode» und Luxus- bedürfnifle eingeschränkt werden. Der Nothgroschen muß da sein, muß geschafft werden. Die Last, die Familie zu er­nähren, ist sonst für den Familienvater eine zu große. Wer dagegen ist, daß die Frauen erwerbstüchtig gemacht werden, kennt eben da» Leben nicht» wie e» wirklich ist. Wie glücklich wären so und so viel Männer, wenn sie Frauen hätten, die ihnen die Last, die Familie zu erhalten, würden tragen helfen I Darum die Mahnung: Jede Frau betrachte sich, wo die Roth- wendigkeit da ist, al» mithelfende, miterwerbende Kraft! Sie lasse ihre Fähigkeiten nicht brach liegen! Vie sei die Kame­radin de» Gatten in Freud und Leid, seine Stütze, seine Hllfe, sie entlaste ihn, wo sie kann, lebe nicht ausschließlich für Putz und Tand, für Kochen und Scheuern, für Klatsch und Tratsch! Wo ein Mann sich einer Frau rühmen darf, die ihm in dieser edelsten Bedeutung de» Wortes ein guter Kamerad ist, da wird ihm die Familie nie eine Last sein. Aber fragen wir nur, wie Viele noch unter der Last seufzen, Alle» und Alles für ihretheuren" Frauen herbeischaffen zu müssen, für Frauen, die keinerlei Verständniß dafür haben, daß jede Kraft einmal versagt und daß der allzu straff gespannte Bogen springt. _____________

Huinovistische».

Richtig. Die Menschheit läßt sich heutzutage in zwei Hälften theilen: in die, welche Rad fahren, und die, welche überfahren werden.

Gespannt.Auf die Sache bin ich gespannt," sagte der Schüler, al» es mit dem Prügeln losgehen sollte.

Verdächtig. (Zwei Köchinnen.)Warum grämst Du Dich denn gar so sehr um Deinen Gefreiten?"Er kommt immer satt zu mir!"

DerParvenü. Herr:Hier steht ein sehr interessan­ter Artikel über das bürgerliche Gesetzbuch im Blatte." Frischgeadelter Bankier:Jnteresfirt mich nicht mehr."

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Zweifelhafte» Lob. Oberförster (nach dem Treiben): Ehre, wem Ehre gebührt! Herr Hofrath, Sie find ein wackerer Schütze, Sie habenden magersten Treiber getroffen!" *

Im Examen. Geschichtsprofessor:Können Sie mir sagen, Herr Candidat, woran der König Wenzel zu Grunde ging?" Candidat (Scatspieler):O ja, Herr Professor, an der Möglichkeit, ein König und ein Wenzel zugleich zu sein."

Fein. Professor:Herr Candidat, Sie werben wohl burchfallen." Candidat:Macht nicht«, dann gehe ich zum Militär." Professor:Sehr gut, Sie können in Mollkes Fußtapfen treten schweigen können Sie schon!"

Redaction: Ä. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UntverstkRS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Tcheyda) in Gießen.