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werden nicht wolle«, daß ich durch eine solche Pflichtvergessen« heil mein Gewissen beschwere."

Albernes Geschwätz! Gewissen!" rief Hans Justus verächtlich.Als ob ich nicht trotz aller ärztlichen Befehle das Recht hätte, meinen Oheim zu sehen. Weg da oder meine Peitsche soll'« Dich lehren, alter Graukopf!"

(Fortsetzung folgt.)

Am Usstschatter.

»Habe« Sie Briefmarken ?"

Jawohl, das ist sogar ei» Specialartikel von uns."

Na dann jeden Sie mir man een paar."

Zu 3, 5, 10, 20, 25, 50 Pfennig?"

Na, selbstverständlich zu 10 Pfennig."

Das ist aber garnicht so selbstverständlich," lautet die Entgegnung des Beamten.

Wieviel wollen Sie denn haben?"

Na jeden Sie mir man zwee."

Der Beamte reißt die Marken äb.

Na warten Sie mal, Sie können mir man ooch gleich zehne jeden, die Dinger kann man ja immer brauchen," meinte der Brave mit Gönnermiene.

Macht eine Mark."

Der Mann greift hastig in seine Tasche, zieht ein großes Portemonnaie heraus und sucht eine Weile darin herum.

Schwerebrett, ich habe nur 80 Pfennige bei mir, nehmen Sie man zwee Marken wieder retour."

Der geplagte Beamte nimmt die Marken zurück und ein Seufzer der Erleichterung entringt fich seiner Brust, al» er diesen umständlichen Kunden los ist.

Kann man hier auch telegraphiren?" fragt ein biederer Kleinbürger.

Jawohl."

Na, bitte, dann telegraphiren Sie mal, also:Liebste Juste, ich kumme erst morgen tu Hus.""

Dort draußen am Schreibpulte hängen Formulare; schreiben Sie dort auf, an wen und was Sie telegraphiren wollen; so kurzer Hand geht dar nicht."

Zehn blaue Marken für ein Dienstmädchen," verlangt eine Unschuld vom Lande.

Sie meinen Jnvaliditätsmarken zu zwanzig Pfennigen, nicht wahr?"

Meine Madame hat gesagt, ich sollte nur sagen sür Dienstmädchen: Sie werden er dann schon wissen. Die alten Fremdwörter find immer so schwer zu behalten."

Lächelnd reicht ihr der Beamte das Gewünschte.

Für zehn Pfennige Briefbogen und Couverts," fordert ein Dreikäsehoch, der gerade mit der Nase über« Schalterbrett reicht.

Die gibt's beim Buchbinder, mein Sohn."

Ist vielleicht etwas da unter A. B. 100?" erkundigt fich eine stark geschminkte Schöne mit mächtigen Ballonärmeln, welche das ganze Schalterfenster versperren und den Eindruck machen, als plane die Trägerin derselben eine Ballonfahrt über den Nordpol. Ihren Kopf ziert ein breitkrämpiger Hut mit mächtigem Gemüsegarten, ihren Kleidern entströmt ein starker Moschusduft.

Rein, nichts hier."

M. B. H. auch nicht?"

Nein."

Dann vielleicht unter Traumglück?"

Auch nichts, mein Fräulein; Sie lieben wohl en gros ?"

Mit einem vernichtenden Blick auf den Beamten rauscht die Gekränkte zur Thür hinaus.

Ach, können Sie mir nicht sagen," meint eine ziemlich korpulente Frau mit hochrothem Gesicht,wo die Frau Miller'» hingezogen ist, die hier nebenan vier Treppen gewohnt hat?"

«Bedaure sehr, ich habe nicht die Ehre, die Frau Müller zu kennen. Vielleicht weiß der Briefträger, der in demselben Hause bestellt, wohin die Betreffende gezogen ist, oder aber, Sie erkundigen fich bei dem zuständigen Polizeibureau."

Drei Stück Marken für Altersschwäche," fordert ein Lehrling, der den ihm gegebenen Auftrag jedenfalls nur mU halbem Ohr gehört hat-

«Lieutenant v. Z." schnarrt es zum Schalterfenster herein, Geldbriefträger heute bei mir gewese«, war leider nicht zu Hause."

Ja, hier ist ein Postauftrag für Sie über 300 Mk., wollen Sie denselben einlösen?"

Aeh, Postauftrag mit 300 Mark?" lautet die verblüffte Frage.Aeh, Geldbriesträger soll morgen wlederkommen, werde dann bezahlen." Spricht'« und säbelraffelnd verschwindet ; er schnell.

Eine Postadresse auf Geld," verlangt ein hübsches Mädchen.

Sie meinen jedenfalls eine Postanweisung, mein Fräulein," entgegnet mit verbindlichem Lächeln der Beamte und gibt ihr dar Gewünschte.

Ach richtig," flüstert erröthend die hübsche Kleine und huscht von dannen, nicht ohne fich zuvor noch einmal nach dem Beamten umzuschauen, der ihr verliebt zunickt.

Derartige Kundschaft ist ihm jedenfalls die angenehmste.

Hrtinovistisehes.

Ihr Ständpunkt. Braut (in starkbesuchter Sommer« frische):Ich begreife nicht, daß alle Welt die Lust al« rein preist wo mir mein Karl nirgend« auch nur dar kleinste Küßchen unbemerkt geben kann."

* * *

Protzig.Der Gerichtshof hat Sie zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt!"Jawohl, können Sie mir auf einen Tausendmarkschein herausgeben, Herr Prästdent?"

* *

Vorbereitung. Lieutenant: «Sie lesen da in Brehm« Thierleben?" Unterofficier:Jawohl, Herr Lieutenant, schöpfe ein bischen Anregung für Nachmittags«Exereieren."

Literarisches

Von der schon öfter von uns empfohlenen vortrefflichen Jugend­zeitschrift««fikattsche Jugendpok« liegt uns das 3. Quartal vor; dasselbe enthält wieder eine Reihe dem jugendlichen Fassungs­vermögen angepaßter belehrender und unterhaltender Artikel, Erzählungen, Humoresken und Märchen, sowie Gedichte mit prächtigen, zum Theil recht humorvollen Illustrationen, allerlei Kurzweil, Spiele, Räthsel rc. Ferner als Gratisbeilagen: 6 Clavierstücke namhafter Componisten, worunter einen reizenden Walzer von dem jugendlichen Virtuosen und Componisten Raoul Koczalski, Lieder mit Clavierbegleitung und DuoS für Clavier und Geige. Eltern musikalisch beanlagter Kinder, sowie Lehrern und Lehrerinnen empfehlen wir, sich eine Probenummer kommen zu taffen, welche der Verleger Carl Grüninger in Stuttgart gratis und franco übersendet.

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Das demnächst erscheinende Octoberheft derDtttlscht« ÄtVttt"# herausgegeben von Richard Fleischer (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt) wird wieder einen ganz besonders reichhaltigen und fesselnden Inhalt haben. H. v. Poschinger veröffentlicht darin Auszüge aus dem politischen Tagebuche des Grafen Fred Frankenberg, dessen vor Kurzem ausgegebene Kriegstagebücher so gewaltiges Aufsehen erregt haben. Das Heft bringt ferner Erinnerungen des Viceadmirals Bätsch an General von Stosch mit einer Reihe ungedruckter Briefe des letzteren, einen Artikel des berühmten Wiener Hofschauspielers Josef Lewinsky über Tolstoj und das russische Theater, einenBesuch bei Adeline Patti in ihrem Schlosse Craig-y-nos", eine Skizze von Frau Marie von Ebner- Eschenbach, einen Aufsatz des Admirals Werner über Taifune (anläßlich des Untergangs des KanonenbootsIltis"), eine längere, außerordent­lich interessante Abhandlung des Pariser Professors Funck-Brentano über Gifte und schwarze Kunst am Hofe Ludwigs XIV. nach bisher nicht benützten Actenstücken aus dem Archiv der Bastille, einen bisher ungedruckten Brief des verstorbenen Afrikaforschers Gerhard Rohlfs über Colonialpolitik u. A. m. Wir können unfern Lesern die vortrefflich geleiteteDeutsche Revue" nur wiederholt zum Abonnement empfehlen.

Rebaction; K. Schetzda. Druck und Vrrlag der Brühlffchen UntverkkAS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.

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