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UntechaltungMatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger),
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Falsches Spiel.
Roman von E. v. Linden.
(Fortsetzung.)
Die Gesellschaft, deren Wagen gesandt worden waren, machte sich jetzt auf den Heimweg, und nur Herr von Römhild blieb mit dem Notar noch zurück. Diese beiden Herren waren in einer leisen, sehr erregten Unterredung begriffen, als der Förster sich ihnen näherte.
„Kommen Sie, lieber Erichsen," sagte Römhild, „der Herr Notar kann unser» Verdacht nicht theilen. Sie wissen ja, von wegen der Kugel."
„Ich habe hier den Beweis dafür, daß mein theurer Herr nicht durch die eigene, sondern durch eine fremde Kugel niedergeschoffen worden ist," sagte der Förster mit heiserer Stimme, das betreffende Geschoß au« der Tasche ziehend, „ich habe sie schon an der Flinte erprobt."
Der Notar erschrak so heftig, daß er zitterte und eine Todtenblässe fein Gesicht überzog.
„Haben Sie eine Ahnung, wer dieser ungeschickte Schütze gewesen sein könnte, Herr Förster?" fragte er, den Blick des alten Edelmanns meidend. „Wer hatte ihm zunächst seinen Stand?"
„Na, ich danke dem Herrgott, daß ich mir heute Nachmittag einen anderen Stand erwählt," bemerkte Mmhild, „mir wurde angst in seiner Nähe, weil er so wunderlich mit seiner Büchse hantirte."
„Das kam daher, weil der Lauf verbogen war," erwiderte der Förster schwer athmend, „Herrgott, ich denke mir, wer da« gethan hat, steht auch dem Schüsse nicht fern. Ja, ja, wenn der Herr Rittmeister die Flinte behalten hätte, dann wär's nicht herausgekommen, weil die Kugel, die au« seiner Brust herausgezogen worden ist, genau dazu paßt/
„Ich will darauf schwören," setzte er hinzu, «daß sie eine —
Er schwieg und blickte starr zu Boden. Auch die beiden Herren wagten kein lautes Wort zu reden, jedoch tauschten sie nur einen entsetzten Blick miteinander-
„Weshalb sollte aber eine ftemde Hand den Flintenlauf verbogen haben?" fragte der Notar nach einer Weile mit leiser Stimme.
Förster Erichsen wiegte den graue« Kopf hi» und her.
„Hm, da giebt's vielerlei zu bedenken," sagte er langsam, „ein verbogenes Rohr kann die Kugel nicht heraurlaffen, aber dabei wohl platzen, und e» hätte doch sein können, daß der Herr Rittmeister den feigen Schützen, der au« dem Hinterhalt schießt, vorher bemerkt und ihm eine Kugel zugeschickt hätte. — Das aber kann bei einem verbogenen Lauf nicht vorkommen. Ein wahres Glück, daß meinem Herrn damit kein Wild vor den Schuß gekommen ist."
„Ich hab' darüber geflucht und gewettert," bemerkte Herr von Römhild, „und fest geglaubt, daß Ihr Herr die Schuld davon trage, danke nun aber dem Herrgott, daß wir kein Stück Wild zu Gesicht bekamen. Aber hören Sie, mein lieber Erichsen," setzte er leise hinzu, „mir ist da vorhin ein fremder Mensch im Wald begegnet, oder mein Trump hier hat ihn vielmehr gestellt, da er jedenfalls hinter dem Busch bleiben wollte, der mir sehr verdächtig erschien. Er trug eine Jäger- Joppe, behauptete, im Dienste des Lindenhagener zu stehen, für den er eine Bestellung an den junge» Baron von Alting ausrichten sollte, und gestand mir schließlich, daß er ein Amerikaner sei."
„Ja, ja, den kenne ich, gnädiger Herr!" erwiderte der Förster, „er wurde von dem jungen Baron zu mir geschickt mit dem Bescheid, daß er sein Diener sei und einstweilen bei mir bleiben sollte. Es gab einen bösen Krach mit mir, als ich — doch das gehört nicht hierher. Der Patron ist also jetzt in Lindenhagen — habe ihn heute auch schon hier im Walde herumschletchen sehen, hm, ein Kerl, dem ich nicht über'» Weg traue."
„Nicht wahr? — Ein rechtes Galgenvogelgesicht, den man einen Schuß aus dem Hinterhalt schon zutrauen könnte," versetzte Mmhild lebhaft, „mich wundert nur, daß der freche Geselle nicht da« Weite gesucht hat."
„Behalten Sie solche Gedanken lieber für sich, Herr von Römhild," sagte der Notar, ihm warnend die Hand auf den Arm legend, „es find Vermutungen, denen man wohl nachspüren kann, die man aber nicht aussprechen darf, weil auch der Wald Ohren hat."
MDer alte Edelmann spähte umher und athmete dann wie erleichtert auf.
„Zum Henker aber auch, mein lieber Herr Notar,"


