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bentern« ^""f"des Onkel» Liebling und der in Aussicht genommene Erbe von Gattersberg sei, das hatte er stets gewußt. Doch glaubte er nach der kurz vor dem Tode seines Vaters erfolgten Versöhnung der Brüder, daß der Onkel ihn aus seinem Kapitalvermögen entschädigen würde, um so mehr, als er genau wußte, wie wenig ihm von seinen Eltern hinterlassen worden war, wie er schon von seinem kleinen Kapital zehren mußte, um sich durch die gehaltlose Assessorzeit durchzubringen. Und er gehörte nicht zu Denen, die wenig gebrauchen. Der Präsident hatte ein vornehmes Haus geführt und den einzigen Sohn etwas verwöhnt.
Axel hatte sich selbst verinögend geglaubt, besonders da der Vater auch einige Schulden, die er während seiner Universitätszeit in Heidelberg gemacht, unbeanstandet getilgt hatte. Erst nach dem Tode des Präsidenten war er über dessen wirkliche Verhältnisse aufgeklärt worden, Verhältnisse wie man sie oft in den höheren Beamtenkretsen findet. Das Gehalt ist gewöhnlich nicht hoch genug, um den Reprasentations- pflichten nach Wunsch zu genügen, und da wird allmälig das Privatvermögen, wenn es nicht sehr bedeutend ist, hinzugesetzt, so daß nach dem Tode des Hauptes der Familie oft Mangel und Roth das Erbtheil der Hinterbliebenen wird.
Die Eröffnung des Testamentes feines Onkels war daher für Axel ganz niederschmetternd gewesen. Statt de» erhofften, ihn über alle Sorgen hinweghebenden Vermögensantheils eins Rente von wenigen hundert Thalern jährlich, die der begünstigte Vetter ihm auszuzahlen hatte, so lange er diese Zulage noch bedürfen würde. Das war hart, und eine gewisse Mißstimmung gegen Wolf, für den er fo niemals Sympathien gehegt hatte, nur erklärlich. ,
Dennoch hätte er jetzt Alles darum gegeben, daß dieses Duell vermieden, Wolf nicht von seiner Kugel tödtlich getroffen worden wäre. Er, der jeden Eclat haßte, jetzt in aller Leute Mund, von den Einen verurtheilt, von den Anderen bedauert; beides war ihm in der Seele zuwider. Und dazu das Verhalten seiner Braut, die schon nach der Mttthetlung über den Wortlaut des Testamentes eine gewisse Enttäuschung nicht hatte verhehlen können, jetzt aber geradezu den Verlobten anklagte, daß er den Vetter nicht geschont habe.
9 Ihr Verhalten gegen ihn war in letzter Zeit so laumsch, so veränderlich geworden, daß er sich oft fragte, ob er sich
fach vorkam. „ , , „ ,,
Die Geheimräthin und Elly hatten bereits eine Anzahl der Hauptsäle durchschritten, als Käthe und Axel noch immer bet den Secesstonisten weilten. m
Hier und da hatten sich vor einzelnen Gemälden Gruppen gebildet, in denen lebhaft diseutirt und gelacht wurde. Einer oder der Anders wandte sich indignirt ab. Mancher gab
in ihren Gefühlen doch nicht getäuscht und sie für Wolf, wie er eine Zeit lang gefürchtet, mehr empfunden habe, al» für ihn selber I Dann war e» immer Mrs. Graham, die zwischen ihm und ihrer Tochter wieder ausglich und es zu keinem Bruche kommen ließ. Seine Verstimmung aber wurde dadurch doch nicht gehoben, und nur in Käthes Gegenwart, die einen eigenen besänftigenden Einfluß auf ihn übte, verschwand sie zuweikn^^lb er auch wie heute ihre Gesellschaft mit Vorliebe auf, so oft er von seiner Braut getrennt sein mußte, wie es jetzt bei häufig wiederkshrenden Mtgränezuständen, viel-
der ganzen Kunst 1 _ „
„Die Technik ist in manchem Bilde ganz erstaunenswerth, - ' Sieh' nur hier, Axel, das ist von einem
dieser häßlichen Nacktheit auf," flüsterte Elly ihr zu und zupfte an ihrem Aermel. „Du erregst schon Aufmerksamkeit."
Käthe schüttelte den Kopf.
„Bitte, geh' mit der Tante zu einem andern Saal, wenn Dein zartes Gemüth durch die neue Kunst sich verletzt fühlen sollte. Mir ist sie interessant und Axel, wenn ich glaube, auch oder nicht?"
Sie wandte sich an den Genannten, der neben ihr stand und mit Aufmerksamkeit das von Elly beanstandete Gemälde
P „Von der Seele freilich will man da nichts wissen," meinte Käthe. Man strebt nur danach, der Natur auch in ihren Zufälligkeiten gerecht zu werden und das führt zuweilen zu Jrrthümern." , ...
„Von denen Du Dich doch aber fern zu halten fuchst, Käthe, wie ich zu meiner Freude an dem Bilde meiner Braut bemerke." t
Sie sah ihn lächelnd von der Seite an.
„Findest Du es gut und find dis Grahams auch damit zufrieden?"
„Muß denn die Kunst immer schön sein? Wenn sie nur interessant ist —" , „
„Und wahr; daran aber lassen e» diese Herren gewöhnlich fehlen, obwohl ste sich Naturalisten nennen."
Sie sehen eben Welt und Menschen mit ihren Augen.
'Das heißt mit kranken Augen; unsere großen Meister sahen anders. Weißt Du, was die Griechen als Höchsts Kunst erkannten? Die Jedem im Volke verständlich war und an der sich nicht nur Künstler und Kunstverständige, sondern Ackersleute, Fischer und Vogelsteller freuten. Wen aber erfreuen diese sogenannten Farbensymphonien, diese häßlichen, verrenkten, stierenden Menschen, diese grellgrünen Wiesen mit den unge- wöhnlich großen Schafen und Schweinen, den violetten Kühen? Ich denke, Niemanden. Nein, da» ist keine Kunst mehr, da» sind Kunststückchen, wie die Zauberkünstler sie uns vormachen, wenn sie durch ihre Fingerfertigkeit Wunder vorführen, die doch keine Wunder sind."
Käthe lachte.
„Und was ist nach Deiner Ansicht wahre Kunst?
„Suchen wir sie, Käthe! Sie ist noch nicht tobt und lebt auch noch unter uns."
„Ja, suchen wir," sägte sie, den hübschen Kopf mti herausforderndem Ausdruck nach ihm hindrehend.
Schon in einem der nächstliegenden Säle blieb Axel vor dem Porträt einer Dame stehen.
„Das also genügt Deinen Kunstansprüchen?" fragte I $ „Sa, denn es giebt Natur, doch nicht abgeschrieben wie eine Photographie, sondern in ihrer Individualität aufgefaßt, die Wahrheit in ihrer vollendetsten Form. Der Kopf ist durchaus nicht schön; aber er spricht aus diesen Zügen etwas, was uns den feinen Beobachter und denkenden Künstler ver- räth: Seele! Wo findest Du die in den Porträts der Natura-
Axel von Wenzelen war im Gegensatz zu seinem Vetter Wolf eher klein al» groß von Gestalt, mit einem feinen, aus- drucksvollen Kopf und durchaus gemessen vornehmer Haltung. Er sah klug aus und war es auch, doch lag. eins gewisse Kühle auf feinen Zügen, eine gewollte Zurückhaltung, die eine '«■* iS-
Mr dieOhren ^verliebt. Vielleicht hätte er sich aber doch etwas Neues, etwas herandämmernd Großes, ein Umschwung gleich nach dem Bekanntwerden von ihr losgerissen, wmn man """"" ausgestreut iebr übertrieben war „Wenn der Himmel nur nicht am Horizont so grellroth
Umständen eine bedeutende jährliche Zulage, um an s Heirathen


