Ausgabe 
3.3.1896
 
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Auch in Berlin hielten sie treu zusammen und Axel hatte sie gleich nach seiner Verlobung bei seiner Braut und deren Mutter eingeführt, welche letztere sie mit dem angenehmen Auftrag beehrt hatte, ihre schöne Tochter zu malen. Da Käthe ziemlich unbemittelt war und von ihrer Kunst dereinst leben mußte, war ihr dieser Auftrag hoch willkommen, besonders da die Schönheit Abelinens ihr eine schwere, aber auch im Falle des Gelingens sehr lohnende Aufgabe bot.

Leider war die verwöhnte Amerikanerin launisch und sagte^nur zu oft, besonders in letzter Zeit wie auch heute, die Sitzungen ab, was Käthe stets sehr verdroß.

Gut, daß Du zu Hause bist, Käthe," rief Elly ihr schon beim Eintritt heiter entgegen,so kannst Du er doch auch gleich erfahren, das große Ereigniß"

Käthe sah bald Elly, bald die Tante an.

Welch' großes Ereigniß?"

Die Geheimräthin lachte.

Es ist gewiß nicht viel dahinter, sie will uns nur ein wenig auf die Folter spannen."

Ach, Elly, dazu bin ich heute gar nicht gestimmt."

Weil Miß Adelina wieder einmal abgesagt hat? Aber daran mußt Du Dich doch schon gewöhnt haben."

Käthe zuckte die Achseln.

An Unangenehmes gewöhnt man sich nie- Doch jetzt rede; das Mädchen deckt schon den Tisch, also heraus mit Deiner Neuigkeit!"

Es betrifft Wolf, Vetter Wolf," fuhr Elly nun fort und sah triumphirend von Einer zur Andern.Die Eva von Strachwitz hat es mir in der Hochschule erzählt und sie hat es durch einen Brief ihrer Eltern erfahren, deren Gut ja dicht bei Gattersberg liegt."

Da Du solch' ein fröhliches Gesicht machst, muß die Nachricht wohl eine gute fein," meinte di« Mutter;es geht dem armen Wolf also besser?"

Dem armen Wolf? Mama, Du brauchst ihn gar nicht mehr zu bedauern. Einen glücklichen Bräutigam wirst Du doch nicht mehr arm nennen?"

Jetzt ließ die Geheimräthin wirklich vor Ueberraschung die Stickerei in den Schooß fallen und auch Käthes Augen öffneten sich groß vor Verwunderung.

Unsinn, Elly," stieß sie hervor.Das ist ein Märchen."

Das glaube ich auch," fügte die Geheimräthin hinzu, und ich bitte Dich, es nicht weiter zu verbreiten, auch gegen Axel zu schweigen. Ihn verstimmt jede Erwähnung seines Vetters Wolf."

Wäre die Nachricht wahr, so würde sie ihm nur an­genehm sein," warf Käthe ein,da ich das aber bezweifle, meine ich auch, wir schwiegen lieber- Ein Todescandidat, wie man allgemein sagt, heirathen undenkbar. Und wer sollte die Erwählte sein?"

Ja, das ist ja eben das Romantische bei der Sachs. Der hochmüthige Wolf, dem Keine schön und vornehm genug war, hat sich jetzt ganz plebejisch in seine Pflegerin verliebt, die freilich auch ein Mädchen von Adel sein soll, aber aus ganz unbemittelter Familie"

Die Geheimräthin schüttelte den Kopf.

Nein, nein, das klingt ganz unglaublich. So etwa» sieht Wolf gar nicht ähnlich."

Im Eßzimmer, wo der Tisch bereits gedeckt stand, wurde jetzt ein Klappern von Tellern hörbar, das Dienstmädchen rief zu Tische.

Als »ach beendetem Mahle die Geheimräthin sich zu ihrem Nachmittagrfchläfchen zurückgezogen hatte, faßte Elly die Cousine unter dem Arm und zog sie mit sich in den Erker.

Jetzt aber beichte Du einmal, Käthe. Ich wollte es vor der Mama nicht sagen; denn die liebt, wie sie immer sagt, solch' Gerede über Dinge nicht, die uns direct nichts angehen. Du kennst doch Mrs. Graham und ihre Tochter näher. Weißt Du, daß man sich allerhand über sie erzählt, hier und da hörte ich schon ein Wort fallen wie Abenteure­rinnen"

Käthe sah sehr ernst aus.

Freilich, auch mir kommen manchmal solche Gedanken; aber ich verscheuche sie gleich wieder. Um Axels willen würde mir das furchtbar leid thun."

Liebt er sie denn wirklich? Mir schien in der letzten Zeit öfters, als stimmte es dort nicht mehr recht."

Wohin denkst Du? Axel hat fein Wort gegeben und es ist kein Mann, der ein gegebenes Wort bricht."

Wenn aber nun ihr Reichthum auch ein wenig Schwindel wäre? Du weißt, Axel ist auf ihr Vermögen mit angewiesen, um heirathen zu können, besonders wenn Wolf wirklich, wie man doch annimmt, wieder gesund werden sollte. Weißt Du, daß man übrigen» Miß Adeline mit als Ursache zu dem Duell der Vettern vermuthet? Wolf soll sich ja auch heftig um sie beworben hüben."

Ja, auch ich hörte davon."

Und glaubst Du nicht, daß etwas Wahres daran ist?" Käthe zuckte die Achseln, ohne zu antworten.

Aha, Du willst nichts sagen. Gut, so nehme ich an, es ist so. Dann wundert mich aber nur Eines, daß Wolf nicht der Erwählte wurde."

Ganz einfach, er kam zu spät- Axel hatte sich schon in Kisfingen gebunden, wo er mit den Grahams bekannt gewor­den ist. Miß Adeline hat ihn geradezu bezaubert und sie kam ihm außerordentlich entgegen. Seinetwegen find die beiden Damen für den Winter nach Berlin übergefiedelt. Ameri­kanischer Sitte ist die öffentliche Verkündung einer Verlobung eigentlich unbekannt. Weder Mrs. noch Miß Graham drangen deshalb darauf, und Axel kam das um so gelegener, als er den Wunsch hegte, seiner zukünftigen Gattin gleich eine ihrer würdige Stellung in der Gesellschaft bieten zu können."

Und er ging doch davon ab; denn meines Wissens hat er noch immer keine feste Anstellung."

Aber die begründete Aussicht, bald eine zu erhalten; und er wird jede annehmen, die sich ihm bietet, sei es auch als Conful in dem entferntesten Theile der Welt."

Womit aber die schöne und an Triumphe gewöhnte Miß Adeline wenig zufrieden sein dürfte."

Vielleicht ja! Ich zweifle, ob selbst ihre Liebe so weit reicht und deshalb, deshalb thut mir Axel so sehr von Herzen leid."

O, mein Himmel,' er wird sich ja am Ende auch trösten lassen, wenn es so kommen sollte und ich weiß Eine," fügte Elly, sich an Käthe schmiegend, flüsternd hinzu,die ihn gewiß gern trösten würde."

Elly!" Unmuthig stieß diese die Uebermüthige von sich. Du scheinst gar nicht zu wissen, wie sehr Du mich durch solche unbedachten Reden beleidigst."

Aber Käthe," lenkte diese nun eingeschüchtert ei«,ver­stehe doch nur einen Scherz!"

Auch Scherze verletzen, wenn sie tactlos sind," fuhr Käthe noch immer heftig erregt fort.Eines wenigstens sollte Dir klar geworden sein während unseres Zusammen» lebens, daß ich nicht zu dem Heere von Mädchen gehöre, die nach einem Manne schmachten- Meine Kunst ist meine einzige Liebe und wird sie immer bleiben, wie oft soll ich es Dir wiederholen?"

Käthe, Käthe, wenn das Wort eine Brücke wäre, ich ginge nicht hinüber."

Ein abweisender Blick traf die Unverbesserliche.

Denke, was Du willst; mir aber gestatte, daß ich das Gespräch abbreche und an meine Arbeit gehe. Ich habe noch einige Striche an meinem Bilde zu machen, ehe die Farben trocken werden und möchte Euch nicht auf mich warten lassen."

Damit drehte sie sich, den Kopf hochgehoben, von der Cousine ab und trat in ihr Zimmer, die Thür fest hinter sich zuziehend. yn

Die Ausstellung war eben erst geöffnet worden. Käthe hatte sie nur einmal flüchtig gesehen. Jetzt stand sie in dem Saale der Secesflonisten, ganz vertieft in das Studium dieser neuesten Malerei. , , ,

.Mein Himmel, so halte Dich doch nicht so lange bei