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Auf der Löweujagd.
Ein Jagdabenteuer in Südafrika. Nach dem Englischen von R. Wellenborn.
(Schluß.)
Ich selbst sah jetzt die Gewehre der tapferen Gentlemen nach, überzeugte mich, daß alles in Ordnung war und gab nunmehr, mich ebenfalls schußfertig machend, den Befehl zum Feuern. Ziemlich ä tempo blitzte es aus den Gewehren meiner Begleiter nach dem Tamarinden-Gebüsch hin, aber der von mir erwartete Effect blieb vollständig aus. Da nicht gut anzunehmen war, daß die Kugeln rechts oder ltms von dem immerhin wohl mindestens fünfzehn Fuß breiten Gebüsch vorbeigeflogen sein konnten, so hatte offenbar keine von ihnen den Löwen auch nur gestreift, denn der „gelbe Herr« würde sich dann doch wenigstens gerührt haben. Es blieb mir nun nichts übrig, als auf irgend einen Punkt der nur ganz undeutlich aus dem Gebüsch hervorschimmernden Umrisse zu feuern. Ich legte an, visitirte mit größter Sorgfalt und gab, wieder» um zunächst aus dem linken Rohr der Doppelbüchse, Feuer. Sofort antwortete ein furchtbares Wehegeheul dem Schüsse und die ungeheure Gestalt des Löwen schnellte mit einem Riesensatz aus dem Gebüsch heraus und flog auf uns zu; kaum zehn Schritt vor mir fiel das gewaltige Thier auf den Boden, mit den Pranken denselben aufwühlend, daß Erde und Sand weit umherstoben. Ich benutzte diesen Augenblick, um mich rasch auf ein Knie niederzulaffen und dem Löwen nun auch die Kugel meines rechten Büchsenrohres zuzusenden, aber im gleichen Moment erscholl ein neues betäubendes Gebrüll des verwundeten Raubthieres, so daß ich mich instinctiv platt auf den Boden warf, und in der nächsten Secunde flog der Löwe mit einem weiteren mächtigen Satze über mich hinweg, worauf ein entsetzliches Klage» und Hilsegeschrei in einem wunderlichen Gemisch des Namadialectes der Hottentotten mit dem von ihnen gesprochenen gebrochenen Englisch. Im Nu sprang ich wieder auf die Füße und bemerkte jetzt, daß sich der Löwe auf Redboy geworfen hatte, dem er mit den furchtbaren Krallen und Zähnen Rücken und Hüfte entsetzlich zerfleischte; der arme Kerl hatte einige Schritte hinter mir gestanden und die ganze Wucht des mir zugedacht gewesenen Angriffes des Löwen empfangen.
Ich schaute mich nach Charles und Makroff um — aha, dort rannten fie wie vom Entsetzen gepackt, in die Ebene hinaus, die abgeschossenen Gewehre krampfhaft vor sich hinhaltend; ihre Pferde sowie der Schimmel Redboys galloppirten nach einer anderen Richtung davon, während mein Hengst, dem ich vorsichtiger Weise die Gelenke der beiden Vorderhufe zusammen« gefesselt hatte, nach dem Löwen stierte, sich vor Angst schüttelnd. Wenn ich dem armen Redboy zu Hilfe kommen wollte, vorausgesetzt daß es hierzu nicht schon zu spät war, so durfte ich nicht länger zögern. Um neue Patronen aus meiner Jagdtasche zu ziehen und fie in die abgefeuerten Büchsenläufe zu schieben, dazu war es offenbar zu spät, ich warf daher die zunächst unnütz gewordene Waffe weg, riß meinen Revolver aus dem Gürtel und sprang den Hahn spannend, zu der Gruppe hin, welche der Löwe und der unglückliche Hottentotte bildeten. Gerade wandte mir die wüthende Bestie den Kopf zu, und bot derselbe durch die gesträubte Mähne, die grimmig funkelnden blutunterlaufenen Augen und aufgeriffenen Rachen einen schrecklich schönen Anblick dar. Ich wußte, daß es nothwendig war, kaltes Blut zu bewahren, wollte ich mit der kleinen Schußwaffe einen unbedingt tödtlichen Schuß thun, und einen solchen mußte ich unbedingt abgeben, wollte ich mich nicht in der nächsten Minute ebenso zerfleischt sehen als es schon der bedauernswerthe Redboy war. Ich nahm daher all' meinen Muth und meine Kaltblütigkeit zusammen, blickte dem Löwen fest in die zornglitzernden Augen, erhob den Revolver und feuerte zwei Schüsse in das rechte Auge ab, worauf ich rasch zur Seite sprang, den Revolver in die linke
Hand nahm und meine Rechte mit dem schweren Bowiemesser bewaffnete. Aber er blieb mir erspart, noch mit der treuen scharfen Stahlklinge gegen den grimmigen Gegner vorgehen zu müssen, sein stolzes Haupt sank zurück, ein Zittern durchflog die königliche Gestalt und verendend sank der Löwe neben dem ohnmächtigen oder bereits tobten Hottentotten auf den Boden nieder.
Ich untersuchte meinen Gefährten und fand zu meiner Freude, daß das Herz trotz der schrecklichen Wunden, die er namentlich im Rücken, an den Händen und an der rechten Sette erlitten hatte, noch ziemlich kräftig fchlug. Schnell feuerte ich die vier anderen Schüsse de» Revolvers ab, um durch dies Zeichen Charles und Makroff zurückzurufen, und mit bemerkenswerther Raschheit erschienen Beide auch bald wieder bei mir. Ich hielt mich nicht dabei auf, ihnen lange Vorwürfe wegen ihres feigen Verhaltens zu machen, sondern gab Makroff den Befehl, die entflohenen Gäule zurückzubringen, während ich Charles beauftragte, meinen Kochtopf zu nehmen, und in der Umgegend nach einer Quelle zu suchen, zu welchem Geschäft der Bakalahary immer besonderes Talent gezeigt hatte. Zu meiner großen Genugthuung kehrte Charles denn auch bald zurück, in der Hand vorsichtig den bis zum Rande mit frischem Wasser gefüllten Topf tragend; außerdem brachte er jedoch noch einige mir unbekannte Kräuter mit, die der Halbwilde unterwegs gefunden hatte und deren Saft nach seiner Versicherung ganz ausgezichnet gegen die Verwundungen durch Bisse und Krallenhiebe wilder Thiers sein sollte.
Ich wusch nun die Wunden Redboy» sorgfältig au», träufelte den Saft der von Charles mitgebrachten Kräuter auf die schrecklichen Risse und Löcher und verband dann die Wunden nothdürftig. Unterdessen war der Verwundete aufgewacht, doch fühlte er sich so schwach, daß wir an der Stelle, wo wir un» befanden, übernachten mußten; glücklicher Weise war vorher auch Makroff mit den wiedergefundenen Pferden zurückgekehrt. Am nächsten Morgen befand sich Redboy schon bedeutend besser, Dank seiner äußerst kräftigen Körperconsti« tution und wohl auch Dank dem heilsamen Kräutersafte- Da der Verwundete wieder sein Pferd zu besteigen vermochte, wenngleich nur unter Schwierigkeiten, so brachen wir, langsamen Schritt reitend, auf und nahmen die Richtung nach der Farm eines Schotten, der nach der Verstcherung des Bakalahary kaum einen Tagmarsch nördlich vom Platze unseres jüngsten Nachtlagers wohnen sollte; daß über den Sattel meiner Hengstes da« Fell des Löwen hing, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Kurz vor Dunkelwerden traf unser kleiner Zug unter der richtigen Führung Charles auf der erwähnten Farm ein, wo wir Alle gastfrenndliche Aufnahme fanden und wo man den verwundeten Redboy so sorgfältig pflegte, daß derselbe nach einer Woche wieder völlig hergestellt war.
Literarisches.
Die Uhr in der Criminalistik. Häufig spielt die Uhr im Strafproceß die ausschlaggebende Rolle und nicht selten hängt das Schicksal des Angeklagten von wenigen Minuten ab. Am schärfsten zu Tage tretend bei dem sogenannten Alibibeweis, erstreckt sich diese große Bedeutung der Uhr über das gesammte criminelle Gebiet. Eine interessante Betrachtung über dieses Thema bietet uns eine Skizze in der Familienzeitschrift ,Da» Buch für 810«* von A. O. Klaußmann, welche uns die verschiedenen hier denkbaren Fälle in ebenso sachkundiger als anschaulicher Weise vor Augen führt. Der Koriosität halber mag nur erwähnt sein, daß gerade die gewiegtesten Einbrecher die Gewöhn- ; heit haben, in den Räumen, in denen sie den Einbruch verüben, die Wanduhr zum Stehen zu bringen. Rian hat sich in criminalistischen Kreisen eine Zeitlang den Kopf darüber zerbrochen, weshalb die Einbrecher diesem Gebrauch huldigen. Durch Aussagen von Verbrechern hat sich folgender Grund für diesen sonderbaren Gebrauch ergeben. Der Einbrecher, der bei der „Arbeit- ist und mit Anspannung aller Geisteskräfte auf jedes verdächtige Geräusch hört, wird durch das Ticken der Uhr im Lauschen gestört; er hält die Uhr an, um desto besser aus jedes Geräusch horchen zu können. Gewöhnlich denken die Einbrecher nicht daran, bei ihrem Abzüge die Uhr wieder in Gang zu bringen, und so bildet sich für die Untersuchung ein wichtiges Moment, indem man aus dem Stand der Uhr den Zeitpunkt bestiminen kann, an welchem der Einbrecher in den Raum gedrungen ist.
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Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkatS-Buch- und
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