Arbeit und Ruhe.
Von Dr. HanS Froehlich.
------- (Nachdruck verboten.)
Die Gesundheit hängt nicht allein davon ab, daß man die nothwendigsten Nährstoffe durch Effen und Trinken dem Körper zuführt, und daß man ferner durch Einathmung guter reiner Luft den für Leben und Wohlsein unumgänglich noth- «endigen Sauerstoff gewinne, sowie unbrauchbar Gewordenes aus dem Blute entferne, sondern, um die Gesundheit zu erhalten, muß man durch Arbeit diejenigen Kräfte nützen, welche man mit Hilfe einer vernünftigen Lebensweise gewonnen hat.
Der Faule wird nie dauernd gesund und glücklich sein l Müßiggang ist nicht nur aller Laster, sondern auch aller Krankheit Anfang. Mit Speise, Trank, Luft und Kleidern wollen wir ja nur dem Körper diejenigen Stoffe ersetzen, welche durch Anstrengung unbrauchbar geworden find, und die brauchbaren erhalten. Deßhalb macht Arbeit und Abkühlung hungrig. Wer sich reichlich ernährt, ohne sich anzustrengen, der „mästet" sich, wie Thiere gemästet werden, welche man fett macht.
Kinder mögen bei gutem Wetter und nicht zu großer Hitze oder Kälte möglichst viel in freier Luft sich beschäftigen. Wenn die Schule aus ist und die Schularbeiten gemacht find, können fie durch gemeinsame Spiele, durch Turnen, Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Ballschlagen, Reifenspiel oder Hüpfen mit der Schnur ihre Kraft und Geschicklichkeit üben. Auch leichte Arbeiten im Garten, z. B. das Unkraut auszuziehen. Neugepflanztes angießen, kleine Pflänzchen einpflanzen, oder in der Hauswirthschaft sind ihnen nützlich. Aufmerksame und artige Kinder finden vielerlei Gelegenheit, durch Handreichungen und Besorgungen den Erwachsenen bei der Arbeit zu helfen.
Für die eigentlichen Arbeiten der Erwachsenen find Kinder noch nicht befähigt! Ihr Körper ist noch im Wachsen begriffen und bedarf der Nährstoffe hauptsächlich für diesen Zweck. Die Schule ist der Kinder Arbeitsfeld; hier sollen sie recht aufmerksam und fleißig sein, damit sie viel Gutes lernen, was sie künftig im Leben verwenden können. Nur wenn sie diese Arbeit gut aussühren, verdienen sie nach den Schulstunden die Erholung.
Die Arbeit der Erwachsenen hat meist zunächst den Zweck: Nahrung, Kleidung und Wohnung zu beschaffen. Aber in ihr ruht auch der Segen: innere Heiterkeit, Ruhe und Frohsinn zu gewinnen. Das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht ist für Jeden die Bedingung des Glückes. Nach gut vollbrachter Arbeit schmeckt das Effen, schmeckt die Ruhe. „Ein gute« Ge- wiffen ist das beste Ruheriffen."
Leider ist jedoch der Erwachsene genöthigt, in seinem Berufe lange Zeit hindurch in einer so gleichmäßigen und einseitigen Weise zu arbeiten, daß einzelne Körperteile dabei sehr angestrengt werden müffen, andere nicht. Dies bringt die Gefahr des Erkrankens, welcher man jedoch vorbeugen kann, wenn man sie erkennt. Dann vermag man sicher den Gefahren des zu langen Sitzens, Stehens, Bückens, der Ueber- anstrengung (für die Athemwerkzeugs, die Augen, für Gehör, für Gehirn), der zu großen Hitze oder Kälte und der unreinen Luft (Staub, Kohlenduft, Gifte) zu entgehen, kann sich gesund, das heißt arbeitsfähig, erhalten. In den meisten Fällen sind für fleißige Erwachsene leichte Turnübungen (sogenanntes Freiturnen ohne Geräthe) zur Erhaltung der Gesundheit und Kraft nothwendig. Nicht minder bedarf aber jeder Fleißige nach der Arbeit der Ruhe und Erholung.
Die beste Erholung zum Ersatz der Kälte gewährt der Schlaf in reiner Luft. Kinder, sowie bleiche und magere Personen, bedürfen einer längeren Schlafzeit, als gesunde Erwachsene. Mit der strengen Arbeit vermehrt sich auch das Bedürsniß nach Schlaf und Ruhe, ebenso wie das Bedürfniß nach Speise. Zu viel Schlaf macht fett, träge und krank.
Man sollte sich zeitig schlafen legen, damit man 'auch zeitig ausstehen kann. Greise können in der Regel nicht schlafen; sie sollen aber eben so lange als die jüngeren Erwachsenen im Bette bleiben, weil dies ihnen zuträglich ist.
Die Schlafzeit richtet sich nach dem Lebensalter. Der „Säugling" schläft bis zwanzig Siunden täglich, — das „kleine Kiud" bi» zum vierten Lebensjahre sechzehn Stunden, dann weniger, — und im siebenten Jahre zehn Stunden; — im achten bis zehnten Jahre brauchen die Kinder neun Stunden Schlaf, — im elften bis fünfzehnten Jahre acht Stunden. Wenn sie dann wenigstens fünf Stunden im Freien sich tummeln und drei bis vier Stunden sich ruhig beschäftigen (mit Lesen, Schreiben, Papparbeiten, Schnitzen, Fechten), so können sie die übrige Tageszeit zum fleißigen Lernen und zu geistiger Anstrengung verwenden, ohne daß es ihnen zu viel wäre.
Beim Erwachsenen vom 20. bis 55. Lebensjahre richtet sich das Schlafbedürfniß nach der Arbeit. Wer ruhig im Zimmer arbeitet, braucht nur sieben Stunden Schlaf; wer sich aber durch anhaltendes Nachdenken, vieles und lautes Sprechen, durch große Märsche, starke Muskelanstrengung und Heben schwerer Lasten Tag für Tag abmüht, der muß auch eine Stunde länger schlafen als Andere. Auch dem eigenen Körper gegenüber muß die Regel gelten: „Wie die Arbeit,, so der Lohn." — Nach dem 55. Lebensjahre tritt wiederum höheres Schlafbedürfniß ein, und Greife fallen je nach dem Zustande ihrer Kraft neun oder zehn oder elf Stunden lang ruhig im warmen Bette bleiben, auch wenn sie nicht zu schlafen vermögen. Dies ist für Viele eine schwere ^Aufgabe; bei gutem Willen aber läßt fie sich durchführen.
VermMcht-s.
Annonce. „Köchin, in feinem Restaurant, sucht paffende Bekanntschaft zu machen. (Reichhaltige Abendkarte.) Offerten unter „Amor“ an die Expedition."
♦ t *
Schon etwas. Professor: „Herr Candidat, Sie werden wohl durchfallen." — Candidat: „Macht nichts, dann geh' ich zum Militär." — Profeffor: „Sehr gut, Sie können in Moltkes Fußstapfen treten, schweigen können Sie schon." ♦ ♦ ♦
Logischer Schluß. „Wer ist denn dieser ungewöhnlich dicke Herr dort?" — „Das ist ein Dichter?" — „Ein Dichter? . . . Sapperment, muß der aber berühmt sein!"
Einführung in di« Musik von Adolph Pochhammer. Gebunden Mk. 1.— (Verlag des „Musikführer", H. Bechhold, Frankfurt a. M.). Ein prächtiges Büchlein liegt vor uns, ein Werk, das alles enthält, was der Musikfreund von der Musik wissen sollte. Erstens die Hauptpunkte der Musikgeschichte. Gestirne wie Bach und Händel tauchten nicht plötzlich am Firmament auf, und der Schritt von ihnen bis zu Beethoven, weiter zu Schumann, Berlioz, Wagner, Brahms und den Vertretern der Programmmusik ist ein gewaltiger. — Zweitens der Elemente der practischen und theoretischen Musik: Wer hat nicht schon vergeblich Erklärung von Begriffen wie Tonica, Dominante, Contrapunlt, Orgelpunkt, Suite, Fuge und vielen anderen Kunstausdrücken gesucht? sie sind alle in einer auch für den weniger musikalisch Gebildeten faßlichen Weise erklärt. — Drittens die Musikinstrumente und ihre Anwendung. Ich bin sicher, daß es viele gießt, die weder im Ansehen, noch nach dem Ton eine Clarinette von einer Oboe oder einem Fagott rmterscheiden können. Den wahren Genuß von einem Concert hat man aber erst, wenn man auch die Wirkung der verschiedenen Instrumente begreifen lernt. Zum Schluß enthält das Werk noch ein vollständiges Musikalisches Lexikon. Die Darstellungsgabe und Klarheit des Verfassers ist wahrhaft bewundernswürdig. Ebenso erstaunlich ist, was der Verleger für den Preis von nur einer Mark bietet. Man kann das Buch nicht warm genug empfehlen.
Redaktion: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schepda) in Gießen.


