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ihre Freunde etwas zu thun. Marchese Picei ist glücklicher« weise unter den Letzteren
»Was willst Du damit sagen? Sprich Dich näher aus — ich bitte Dich inständig," sagte Dora mit schlecht ver- hehlter Angst. „Marchese Picci — hat er Dir Geld geliehen?"
„Rege Dich nicht auf, ich bitte! Und vor Allem keine Thränen, die mater dolorosa war niemals mein Geschmack. Du bist ganz verändert gegen früher, unglücklich verändert. Nächstens wirst Du mir Gardinenpredigten halten wie Madame Kaudel — leider fehlt nur der Humor dabei. Der Humor ist perdu.“
»Du verkennst mich, Arthur. O, mein Gott, verstehen wir uns wirklich nicht mehr?"
„Anscheinend — nicht. Leider!"
„Siehst Du nicht, daß ich nur um Dein Glück besorgt bin, Dein Glück, Deine Gemüthsruhe, Deine Gesundheit? Deine Reizbarkeit wird immer größer."
„Allerdings! O, meine Schwester kannte mich! Sie meinte, daß mir ein ruhiges, sorgenloses, flottes Leben absolut noth- wendig sei. Ja, sie kannte mich — bester als ich mich selbst gekannt habe."
„Und theile ich Deine Sorgen nicht mit Dir alle?" sprach Dora händeringend, indem sie zu seinen Füßen niedersank und den Kopf zärtlich auf seine Knies drückte. „O, mein Gott! Sie find erdrückend!"
Mülverstedt schien bewegt und fuhr ihr freundlich über das wellige Haar. Aber anstatt wie sonst seine wohlgepflegte Hand liebkosend in demselben zu vergraben, zog er sie plötzlich wieder zurück, indem er sagte: „Du übertreibst wieder, Kind. So schlimm ist es keineswegs. Ich gebe gern zu, daß, daß . . . Nein, Du verstehst eben das Leben nicht. Es hängt Dir noch zu viel Kleinbürgerei an. Lerne doch das Leben begreifen, in das Du nun doch einmal hin eingeworfen bist durch den überraschend schnellen Verzicht Deines Krösus . ."
„Arthur!"
„Er hat fich wirklich sehr kurz besonnen. Bei dieser — rührenden Zärtlichkeit ist seine Großmuth kaum zu verstehen, wahrhaftig, er wäre nachahmungswürdig. Weißt Du, Kleine, daß ich aus allen Sorgen heraus wäre und Du selbst von allen Nöthen befreit, wenn, wenn . . ."
„Um Gotteswillen, was meinst Du?" fiel Dora entsetzt ein.
„Rege Dich und mich nicht unnöthig auf — bitte!" sagte Mülverstedt, den braunen Bart streichelnd, welcher so wunderbar harmonisch das schöne Oval umrahmte. „Ich meine nur so ... . Marchese Picci würde Dich auf Rosen betten, wie Du es verdienst. Er ist nämlich todt verliebt, ebenso sehr als ich es einst . . . Unstnn, ich liebe Dich noch immer —"
„Kein Wort weiter!" schrie Dora laut auf. Die Stimme klang schneidend, hohl, mißtönig. Dazu schien sie plötzlich riesengroß gewachsen, wie sie mit flammenden Augen vor ihm stand, das holde Kindergesicht blaß und starr wie ein Mebusen- haupt. „Jedes Wort ist Anklage und Urthetl zugleich für mich und Dich. Ich war eine Thörin, er aber wollte nicht, daß ich eine Sünderin oder unglücklich werden sollte. Du — laß mich schweigen."
„Das scheint mir allerdings auch das Beste, im Augen- blicke wenigstens. Du bist gereizt — sehr. Begreifst Du nicht, wie sehr ich leiden würde, wenn .... Ich hoffe Dich morgen in besserer Stimmung zu finden."
Dora stand noch immer starr wie eine Bildsäule und antwortete nicht.
„Da ich heute entschiedenes Pech in der Liebe habe, hoffe ich auf Glück im Spiel nach dem alten Wort: Sprichwort ist Wahrwort. Adieu, Kleine! Auf besseres Wiedersehen!"
Sie hielt ihn nicht zurück, obgleich sie wußte, wohin er vermuthlich wieder mit dem Marchese gehen würde. Ihr Denken und Empfinden war ein Chaos, nur allmälig kehrte Klarheit in Kopf und Herz zurück und mit ihr Kraft und Stolz, wie sie niemals vorher empfunden hatte. Selbst das
Reuegefühl ward durch sie zurückgedrängt. Mochte sie gefehlt haben in Verblendung und Uebermaß des Liebesgefühls, sie hatte gebüßt für tausend Sünden — durch ihn. Dort die Männlichkeit, die aus einer geläuterten Seele hervorsprießt, hier nichts weiter als der unzulängliche Ersatz der „Schneidig, feit". Das Verhängniß, ihr Schicksal hatte sie fortgerissen, aber es sollte sie nicht vernichten. Sie war entschlossen, in das Elternhaus zurückzukehren.
In unbeschreiblichen Gefühlen, bei welchen sich Vergangen- heit und Zukunft znsammendrängten, erwartete sie die Nacht. Mit dem ersten Morgengrauen schon war sie wach nach kurzem, schwerem Schlummer. Mülverstedt war noch nicht zurückgekehrt.
Sie erhob sich von ihrem Lager, um ihre schon gestern Abend begonnenen Reisevorbereitungen zu vollenden. Der Koffer mit der nothwendigsten Garderobe war bereits gepackt, aus der relchgefüllten Schmuckschatulle nahm sie nur ein paar unbedeutende Kleinigkeiten als Ergänzung des Gedenkens in der Seele. Den Trauring mit Mülverstedts Namen streifte sie ab; aber sie nahm dafür einige verwelkte Blumen, die er ihr einst geschenkt hatte, und schloß sie in ein sammetnes Be- hältniß, das die Inschrift „Liebe Erinnerungen" trug. Denn die leidenschaftliche Liebesempfindung, die ihr zum Verhängniß geworden, war keineswegs in ihr erstorben. Im Frauen- Herzen gießt es zwar ein plötzliches Erglühen der Liebe, aber kein plötzliches Welken. Das Liebesgefühl, das Schicksal des Weibes, läßt tiefe Spuren zurück und der Geliebte hört keineswegs auf, in dem Herzen weiterzuleben, obgleich das Herz sich gezwungen steht, stch loszureißen.
Alles ist geschehen — nun nach dem Bahnhof.
Dora drückt auf den Knopf der Zimmerklingel, um einen Wagen zu bestellen. Die Glocke giebt ihren einzigen sonoren Ton; dazwischen aber klingt draußen Lärm und Getöse.
Dora erschreckt und steht lauschend; das Geräusch ist ganz ungewöhnlich in der um diese Zeit todtenstillen Villa Forti. Jetzt vernimmt sie auch die rauhe Baßstimme des biederen Westfalen. Sie hört den Namen de« Gatten nennen und dazwischen „San Carlo". Man kommt die Treppe hinan — ahnungsvoll, entsetzt reißt Dora die Thüre auf. Auf einer blutbesudelten Tragbahre liegt ausgestreckt der Gatte, lebend, aber bleich und regungslos. Man hatte ihn gestern Abend in unmittelbarer Nähe der Spielsäle bewußtlos aufgefunden, die Pistole neben sich.
XIV.
Echt malerisch lagert sich das Dorf Alapiccolo zwischen Olivenhainen, Msulbeerpflanzungen und Rebengeländen. Seine Entfernung von Nizza beträgt wenig über eine deutsche Meile und doch ist diese geringe Entfernung der Grund, weshalb es auch in Alapiccolo einzelne, sich aus dem gewaltigen Fremdenstrom verirrende leidende oder ruhebedürftige Ansiedler giebt. Denn das Leben und Treiben des großen internationalen Curorts verbraucht kaum weniger Lebens- und Nervenkraft als eine europäische Großstadt, und Luft, Meer und Sonne haben vollauf zu thun, um die schädigenden Einflüsse zu überwinden.
Trotz der Sommerhitze hatte Dora mit dem schwer leiden- den Gatten während der letzten Monate hier ausgehalten. Beide bewohnten das an mittägiger Berglehne 'belegens Häuschen eines Winzers, der nach Genua ausgewandert war. Das verödete Grundstück mit seinen laubenartig angelegten, aber stark vernachlässigten Weingängen zog sich terrassenarttg zur Ebene hinab. Trotz aller mangelnden Bequemlichkeit waren sie in dasselbe übergefledelt, nachdem Mülverstedt durch . Entfernung der in die Brusthöhle eingedrungenen Pistolenkugel transportfähig geworden war.
Vom ersten Augenblicke des Wiedersehens an war Dora nicht von Mülverstedts Seite gewichen. Durch Andere, Bekannte und Freunde, hatte sie erfahren, daß der Gatts anfangs mit großem Glück gespielt hatte. Aber dies Glück war plötzlich in's Gegentheil umgeschlagen — er verlor, verlor, bis er,
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