Ausgabe 
2.6.1896
 
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1896.

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Gesühnt?

Novelle von Zo« von Reuß.

(Fortsetzung.)

Ich muß dem Herrn Baron beistimmen, in diesem Falle wenigstens," sagte der alte Maler mit ungewöhnlichem Ernst.Es sollte mich freuen, wenn sich die Herrschaften für eine Ausstellung des Bildes bestimmen würden. Nicht sowohl um mein Werk, das mich keineswegs voll befriedigt. Es würde mir mehr auf einen Beweis der Ansicht ankommen, die ich in Künstlerkreisen vertrete. Der Vollblut-Italiener stellt nämlich uns Deutschen gegenüber den italienischen Typus als Schönheitsregel auf als ob sich der unversiegbare, immer neue Quell der Schönheit überhaupt einengen ließe! Die Ausnahmen sind selten, Marchese Picci gehört darunter."

Selbstredend!" lachte Mülverstedt.Ich weiß am besten, wie er schmachtet, Dein Cicisbeo zu werden."

Besonders als deutscher Künstler nehme ich Interesse daran, das Bild auszustellen," fuhr Wahlländer fort, die Be­merkung Mülverstedts unbeachtet lassend.Der italienische Typus wirkt durch die Regelmäßigkeit nur stark auf die Sinne, das Herz bleibt kalt. Es fehlt ihm das geistige Fluidum, das die Hülle durchstrahlt, auch wenn die farbige Malerei zu schwinden beginnt. Pardon, ich langweile die Herrschaften."

Baron Mülverstedt gab noch einmal seinen zustimmenden Entschluß zu erkennen und empfahl sich mit Dora.

Es zeigte sich auch bald, daß sich der deutsche Maler über die Anziehungskraft seines Werkes durchaus nicht ge­täuscht hatte. Es begann fast eine Wallfahrt nach dem Bilde. Fast die gefammte internationale Bevölkerung von Nizza, durch Klatsch und Medisance oder Spielverlust gelang­weilt oder verstimmt, wanderte bei ihm aus und ein, um die Baronin Mülverstedt in effigie zu bewundern.

* *

Weißt Du auch, Närrchen, daß Du die Löwin der Saison geworden bist?" frug Baron Mülverstedt, aus dem Conversationshause zurückkehrend, Dora acht Tage später-

Wieso?"

Wirklich, man kann Dich beglückwünschen zumstai. Man redete heute nur von Wahlländers Bild und nennt seine Auffassunggenial". Nach dem Erfolge scheint er wirklich in's Schwarze getroffen zu haben."

Wie mich das freut um seinetwillen-"

Nun, für Dich ist's auch nicht von Nebel. Pariser Elegants und amerikanische Geldbarone, Engländerinnen in Reit- und Radlercostüm, sogar ein rothe« Fez mit einem Türken bewundern Dich. Daß der Marchese darunter, ver­steht sich von selbst; er tritt sogar als Käufer des Bildes auf. Alle neiden mein Glück nun, man hat sich dies Glück" auch etwas kosten lassen!"

Wie meinst Du das?" frug Dora gespannt.

Nun, denkst Du, daß es mir leicht geworden ist, den Abschied zu nehmen? Mein erster Blick siel auf eine Uniform, die Uniform meines Vaters. Dazu waren es lustige Tage im Regiment. . . . Aber ich vermochte es nicht zu ertragen, Dich, Dich ... Du verstehst mich. Die Horstens, die Klatsch- zungen, hatten die Situation verdorben verdammt! Es ist mir schwer geworden, mit den alten Verhältnissen zu brechen, schwerer als Du denkst."

Und machst Du mich verantwortlich dafür?" frug Dora stockend, indem ihre Augen zärtlich und flehend an dem Antlitz des Gatten hingen.

Nein! Aber"

Nun?"

Es ist mein Pech, das grenzenlose Pech, das mich ver­folgt, feit Wülpsrn Dich mir überließ. Die letzten Ernten in Mülverstedt waren ungenügend, Fräulein von Streckfuß, die alte Jungfer, will immer noch nicht sterben, um mir, ihrem entzückten Pathenkinde, das ausgesetzte Legat zu hinter­lassen, dazu nicht einmal Hauptmannspension ... ist es nicht haarsträubend ?"

O, Arthur!"

Apropos, dieser Marchese Picci muß ein geradezu eoloffales Vermögen haben, wie sie sich allerdings sehr einzeln in seinem Vaterlande finden. Allgemeine Armuth mit fast paradiesischer Bedürfnißlosigkeit und daneben einige immense Vermögen, die ihren glücklichen Besitzern nicht allein erlauben, als Krösus zu leben, sondern auch großmüthig für