Cousine.
Mutter in Hertheim."
Axel zog die Stirne kraus, ohne ein Wort zu sagen- Curt aber rief in der seligen Weinsttmmung, in der er sich befand, seine Worte wenig wägend: „Man erzählte sich 1» schon in meinem Regiment, daß Wolf sich scheiden laste und die schöne Miß Graham heirathen wolle"
Allgemeiner Schrecken; Alles sah auf Axel, der indessen ruhig dasaß, als habe er nichts gehört, als ginge ihn dar
Doctor Schimmer, ebenso glückstrahlend und heiter wie seine Elly, der in Axel außer dem Freunde und Vetter seiner Braut auch noch den Mitbegründer seines Glückes sah, fand es angezeigt, auf besten Torsi zu Ehren des Brautpaare» in langer und sehr gewählter Rede zu antworten, in der er Axels hervorragenden Character, seine Geisteseigenschaften pries und ihm eins ruhmvolle Zukunft in Aussicht stellte. — „Denn Eines weiß ich sicher," so schloß er, „sein Weg geht aufwärts und wir werden einmal Alle stolz darauf sein, ja, wir sind es heute schon, ihn zu den Unseren zählen zu dürfen."
Die Gläser klangen hell aneinander; Axel verneigte sich nach allen Seiten; aber seine Züge behielten den gewohnten Ernst, ihn vermochte selbst die Heiterkeit der Anderen nicht
ig । Verleumdung, nichts als Verleumdung. Las ich doch heute
Reizend" sagte Axel, als er sie begrüßte und drückte in einer italienischen Zeitung, dis mir gerade in die Hände Neizeno, - — «hx. I bo6 bie genannte Dame sich in Rom mit einem russischen
Fürsten verlobt habe oder verloben werde "
Axel sah aus und mit scharfem Blick den Sprecher an-
„Ist das wahr ?"
„Ich kann nur wiederholen, daß ich es gelesen habe.
Axel antwortete nicht und das Gespräch lenkte sich sofort auf ein anderes Thema.
„Ein Wort im Vertrauen," bat er nach aufgehobener Tafel, mit Käthe in die gewohnte Ecke in den kleinen Salon sich zurückzishend, ein Platz, auf dem sie oft schon Zwiegespräch gehalten, wenn die Tante beim Nachmittagsschläfchen mate und Elly vom Erker au» sich damit unterhielt, die Vorüber« gehenden zu mustern. , . ...
Auch heute theilte sich die kleine Gesellschaft in verschiedene Gruppen. Elly zog ihren Verlobten mit sich inden Erker, wo er, den Arm um sie geschlungen, zärtlich mit ihr plauderte, während die Geheimräthin mit Eva von Strachwitz
zuwerfen. „Ist sie j tzt bei ihm?"
„So viel ich gehört habe, ist sie noch immer bei ihrer
„Das ist er und ihm verdanken wir es auch, daß wir uns so bald schon heirathen können," fiel Elly dem Bruder lebhaft in's Wort. „Er hatte sich anfangs um die Stelle als Consul in Porto Megre beworben, und man wollte sie ihm auch geben- Dann aber machten sich andere Einflüfls zu feinen Gunsten geltend, man ernannte ihn zum Legationsrath und verlieh auf Axels Empfehlung das Consulat meinem Alfred."
„Und als Dein Alfred Dich bann fragte, ob Du ihn nach Porto Allegre begleiten wolltest: sagtest Du gleich, ohne Dich weiter zu besinnen, ja, und fürchtest Dich gar nicht vor der Seereise. Du bist ein Blitzmädel, Elly, und gefällst mir." , _
Er faßte sie um die Taille und tanzte ausgelassen mit ihr in der Stube umher. ,
„Genug, genug," mahnte die Geheimräthin, „Ihr staubt
gar nichts an. „ , ,
„Sie sind falsch berichtet, lieber Curt," warf zstzt Doctor ---- ' ~ , „Das ist
warf die Geheimräthin ein.
„Ja, so hieß es; aber es ist ja schon warm genug auch hier bei uns im Norden und ich hörte, der Baron solle durch« aus nicht wohl zurückgekehrt sein, sondern sich das Malariafieber in Rom geholt haben?"
„Und seine Frau," konnte Elly sich nicht enthalten, ein*
leise ihre Hand. „Wie Du immer auch im Anzug da» Rich« tigste zu wählen weißt, eine Künstlerin in Allem."
„Du siehst mit dem Auge der Freundschaft," entgegnete sie mit leichtem Erröthen. c .
„Und deshalb besser und klarer als irgend ein Anderer in der Welt," entgegnete er, ihr den Arm reichend, um sie zu Tische zu führen, und leiser fügte er hinzu: „Wer kann Deinen Werth besser schätzen al» ich? Die Anderen sehen nur, war Du leistest, ich, was Du bist."
Käthe war froh, daß sie jetzt vor ihrem Platze stand und die Hand aus dem Arme des Vetters ziehen konnte; ihr Zittern hätte ja verrathen können, was sie im Innern bei diesen zärtlichen Worten durchbebte. Für ste hieß es jetzt, sich doppelt panzern, nach außen hi« nur noch mehr die auf sich selbst gestellte Frau hervorkehren, um jeden Argwohn von sich abzuwenden, al» hege ste im Herzen dennoch Sehnsucht, der Cousine Beispiel nachzuahmen.
ja wieder Alles voll." „ ,
,L)ie Mama hat Recht," ries Elly, sich athemlos auf einen
Stuhl werfend. „Es sind ja nur noch wenige Stunden, bis die Gäste kommen und wir sind noch so sehr zurück." „Wer kommt denn Alles?" fragte der Lieutenant. „O, nur die Nächsten; wir können in unserer keinen Wohnung ja auch nicht Viele haben und Mama liebt es auch gar nicht- Außer uns hier und Axel nur noch meine beste Freundin, Eva von Strachwitz."
,Aha, die Eva, sie soll ja eine Gelehrte geworden sein, hörte ich^ und man fürchtet sich vor ihr. Hoffentlich wird sie mich heute Abend nicht auf meine Kenntnisse prüfen. Ich glaube, ich würde schlecht bestehen, nicht wahr, Käthe? Du bist doch auch solch' eine Selfmade«Lady. wie es ja wohl heißt, eine Berühmtheit. Ach Gott, wie klein werde ich mir in diesem illustren Kreise vorkommen I"
„Ich glaube, Du brauchst Dich nicht zu sürchten, scherzte Käthe. „Eva ist ein sehr schöne« Mädchen und schönen Mädchen gegenüber warst Du ja noch nie auf den Mund gefallen."
Nun lachte auch er. „ . , , ,
„Ja, wenn ste schön ist, dann braucht sie ;a aber eigentlich gar nicht so viel Geist, vor Allem keine Gelehrsamkeit. Die kleidet schöne Mädchen am wenigsten."
„Das ist so Ansichtssache," meinte Käthe lächelnd. „Doch streiten wir nicht weiter darüber, hilf lieber der Mama die Gardinen auflegen und mache Dich nützlich. Zu solchen Meinungsaustauschen haben wir heute wirklich keine Zeit.
Die Damen mußten sich bald zurückztehen, um Toilette zu machen; auch Curt suchte da» für ihn hergerichtete, sonst zu Wirthschaftszwecken benutzte kleine Logirzimmer auf und warf sich in den Waffenrock zu Ehren des Familienfestes.
Elly sah sehr lieblich aus in dem lichtblauen Kleide von leichtem Sommerstoffe, im Haar und am Busen gelbe Marschall- Nielrosen aus dem von dem Geliebten gespendeten Strauße- Käthe, in einem sehr einfachen weißen Crep-kleide, bildete mit ihrer distinguirten Erscheinung, dem dunklen, ausdrucksvollen .
Kopfe einen wirksamen Gegensatz zu der blonden Anmuth der Schimmer mit einem raschen Blick auf Axel ein.
anzustecken. , „
„Kann der Ruhm glücklich machen?" sagte er leise, sich zu Käthe neigend. „Ich habe mir ein anderes Glück geträumt. Mit einem geliebten Weibe im Arm glaubte ich der Welt und ihres Glanzes entbehren zu können. Wie gern wäre ich an Schimmers Stelle und von den Erfahrungen de» letzten Jahres verschont geblieben."
Käthe blickte ihn etwas erstaunt an.
„Trauerst Du ihr wirklich immer noch nach, dieser Sirene, in deren schönem Körper keine Seele wohnt?"
„Nein, keine Seele," wiederholte er, „Du hast recht, sie ist nicht werth, daß man ihr nachtrauert, und dennoch —"
Eva von Strachwitz, die an Axels anderer Seite saß, ganz in rosa gekleidet, wie ein eben erblühtes Röschen, ^und trotz ihrer berufenen Gelehrsamkeit im ausgelassensten Geplauder mit Ellys Bruder begriffen, wandte sich jetzt mit der Frage zu diesem, ob er schon wisse, daß sein Vetter Wolf vor wenig Tagen ganz unerwartet nach Gattersberg zurückgekehrt sei. Ein allgemeines „Ah", ein Aushorchen —
„Ich dachte, er solle noch längere Zeit im Süden bleiben,


