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Unsere Winterkleidung in gesundheitlicher Beziehung.
Son Br. Otto Sotthils.
(Schluß.)
Wie soll nun aber eine rationelle Winterkleidung beschaffen sein ? Für Personen, welche fast stet« in geschloffenen Räumen verweile» und nicht durch körperliche Thätigkeit in Schweiß gerathen, ergeben sich keine großen Schwierigkeiten oder besondere Vorsichtsmaßregeln- Geschloffene Räume können durch die Heizung in behaglichen Temperaturen erhalten werden. Gehen solche Personen in'« Freie, so schaffen ihnen Oberkleider den nöthigen Wärmeschutz, die aber sofort beim Betreten de« Zimmers wieder abgelegt werden solle». Al- innerster Kleidungsbestandtheil ist ein Baumwoll- oder Leinenhemd vollauf genügend. Rur wer zu Erkältungen, namentlich zu Erkrankungen der Athmungswege, Gelenkrheumatismus und Muskelreißen neigt, oder sonst kränklich oder schwächlich ist, möge sich wollene Hemden anziehen. Ebenso sollten Diejenigen, welche die meiste Zeit de» Tages draußen zubringen und alle Unbilden der Witterung auszuhalten haben, nur wollene Unterkleidung tragen, denn die wollenen Stoffe gewähren vermöge ihres größeren Porenreichthums einen wirksameren Schutz gegen Kälte al« alle anderen. Und gerade in der dem Körper zunächst anliegenden Unterkleidung muß eine ausgiebige Gewähr de» Wärmeschutzes gegeben sein, welche durch die Oberkletdung erhöht, aber nicht erst ersetzt werden soll. Ein Wollhemd spart über doppelt so viel Körperwärme al« ein Rock und ermäßigt bedeutend die Menge und Dicke der Oberkleidung, wa« im Interesse der Beweglichkeit und freien Athmung nicht gering anzuschlagen ist. Au« diesen Gründen sagt auch der Hygieniker Hiller: er würde in der Einführung wollener Hemden in die Armee einen wichtigen Fortschritt in der Gesundheitspflege des Heeres erblicken.
Leider wird aber mit der wollenen Unterkleidung vielfach ein gesundheitswidriger Mißbrauch getrieben, indem viele Leute dieselbe weit seltener wechseln als die weiße Wäsche. Während man Kragen und Manschetten wohl schon der Leute wegen wechselt, sobald sich da» geringste Schmutzfleckchen zeigt, trägt man dar Wollenhemd, da« ja Niemand zu sehen bekommt, womöglich Wochen hindurch ungewechselt und ungewaschen.
Eine besonders wichtige Rolle spielt im Winter die Halrbekleidung. Bisher wurde darin am meisten die Männerwelt verwöhnt, vom jüngsten Knaben an bis zum alten Manne. Nur Männer tragen jene unförmlichen, den Hals mehrfach umwurstelnden Shawls und Eachenez, und die Mütter, Schwestern, Bräute und Gattinnen, obgleich für sich darauf verzichtend, bestärken uns in dieser schädlichen Gewohnheit, indem sie uns solche Verpimpelungrtücher zum ^Geschenk machen oder wohl gar eigenhändig anfertigen. Jetzt freilich sind auch sie nicht mehr „frei von Schuld und Fehle". Denn mit ihren neuen unförmlichen Stehkragen an Taille oder Jakett sündigen sie nicht nur gegen die Gesundheit, sondern auch gegen den guten Geschmack. Und dabei erfüllt weder das wurstartig zusammengelegte Halstuch noch der hochgeschlagene Kragen den erwünschten Zweck, den Hals äußerlich und durch ihn hindurch wohl gar die im Halstnnern gelegenen Organe, besonder» den Kehlkopf, warm zu halten. Denn dadurch, daß der Nacken luftig und unbedeckt bleibt, tritt dort bei jeder Bewegung die warme, in den Kleidern nach oben steigende Luft heraus und wird sofort durch kalte Außenlust ersetzt; es entsteht an dieser Stelle immer wieder ein Gefühl von „Zug" und Kälte, welches den ganzen Körper fröstelnd zusammenschauern läßt. Daher haben auch so viele Leute gerade im Nacken und Rücken Rheumatismus. Halstuch und Rockkragen find zu vergleichen mit fehlerhaft angelegten . und deshalb Nebenluft gestattenden Ofenklappen.
Handelt es sich um richtige» Warmhalten der Haltgegend, wie es in kalten Tagen, bei windigem Wetter und langen Bahn- und Wagenfahrten zum Bedürfniß werden kann, so muß dies folgendermaßen geschehen: das Halstuch werde nicht zum schmalen, mehrschichtigen Streifen, sondern nur einmal mit der Spitze nach dem Rücken hinunter umgelegt, oder noch besser zwischen Hemd und Weste (oder Taille) eingefügt. Auf diese Weise wird auch der schädlichen Einschnürung und Zusammenziehung am Halse vorgebeugt, welche, den Rückfluß des Blutes aus Kopf und Gehirn bs- hindernd, zu Luftmangel, Blutüberfüllrmg de» Gehirns, Kopfschmerz und Schwindel Veranlassung giebt.
Aber auch die rationellste Kleidung, die größte Fülle än Unterkleidern, Röcken, Mänteln und Pelzen kann uns nur in dem Maße warm halten, als wir aus uns selbst heraus Wärme hervorbringen, da, wie wir vorhin gesehen haben, auch die „wärmste Kleidung" weiter nicht» vermag, als unsere Körperwärme gut beisammen zu halten. Also auch hier drängt ffch wieder von Neuem die Pflicht der körperlichen Bewegung und Abhärtung auf. Wenn der Gelehrte oder Bureaumensch beim Stillesitzeu an seinem Schreibtisch friert, so soll er nicht noch mehr Unterkleider und Ueberröcke anlegen oder immer wüthender darauf los Heizen, sondern soll durch körperliche Bewegung die Bluteirculation energisch an- regen; das ist bedmtend gesünder und sichert allein wirklich dauernden Erfolg.
Literarisches
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«alechiSm«» bet Tanzkunst. Ein Führer und Rathgeber für Lehrer und Schüler des theatralischen und des gesellschastlichen Tanzes. Theorie — Praxis — Die Geschichte des Tanzes — Die Tänze vergangener Zeiten von Margitta Rossri. Mit 53 in den Text gedruckten Illustrationen. «Leipzig, Max Hesses Verlag, Preis broschirt 2 Mk, gebunden 2,50 Mk.) Für Jeden, der Gesellschaft liebt und dazu berufen ist, sich in besseren Kreisen zu bewegen, ist der Tanz unumgänglich nothwendig. Sich mit Grazie und Anstand bewegen zu können, überhaupt feine Manieren zu besitzen, ist für jede junge Dame und für jeden jungen Mann ein dringendes Erforderniß. Diese Eigenschaften werden aber nicht erlangt, ohne sich einem genaueren Studium der Tanzkunst unterzogen zu haben. Die in dem vorliegenden Katechismus enthaltenen Erläuterungen und Rathschläge beruhen auf Erfahrungen einer zwanzigjährigen Carriere als erste Tanzkünstlerin fast in allen Ländern der Welt, auf dem Unterrichte ausgezeichneter, namentlich französischer Meister. Es sei daher Jedermann, der sich für Tanz interesstrt, bestens empfohlen.
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