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.Er ist märchenhaft," brummte Rosenau, schade, daß der Otto nicht wieder eintritt, Sie würden eine so schneidige Offiziersfrau sein, mein Fräulein!"
.Er würde meinen Namen wieder zu neuen Ehren bringen," bemerkte der Hauptmann, einen zaghaften Blick auf seinen Sohn werfend.
.Wenn dar Vaterland in Gefahr sein wird, werde auch ich diesen Degen ihm weihen," sprach Otto, die Ehrenwaffe emporhebend. «Bi» dahin gehöre ich meiner Gattin, der ich mehr al» mein Leben verdanke. Unser erster Sohn aber soll, so Gott will, Soldat werden und dem Namen Rautenstern Ehre machen."
.Amen!" flüsterte der alte Herr, demüthig dar weiße Haupt senkend, während Cäcilie dem Verlobten erröthend, doch mit einem dankbaren Blick die Hand drückte- —
Die häuslichen Handarbeiten der Mädchen vom gesundheitlichen Standpunkte.
Bon Marianne Nigg.*)
------- (Nachdruck verboten.)
Dar Weihnachtsfest mit seinen Freuden, aber auch mit seinen Leiden ist vorbei. Wie haben fich in den letzten Wochen die DSchter de» Hause», von der jüngsten bi» zur ältesten, mit der Anfertigung von Handarbeiten anstrengen müssen 1 Mögen ihnen daher die Mütter jetzt längere Zeit Schonung und Er« holung zu Thetl werden lassen und diese Ruhepause selbst dazu benutzen, um stch die körperlichen Schädigungen einer fehlerhaften Anfertigung der Handarbeiten klar zu machen.
Der erste Fehler besteht darin, daß man oft schon die kleinen Kinder, noch vor dem schulpflichtigen Alter mit Hand« arbeiten quält. Dadurch wird im Hause schon der Keim zur Verkrümmung der Wirbelsäule, zur Verschiebung de» Brust, korbe» gelegt. Der Körper unserer Lieblinge, weich und biegsam wie Wach», erhält durch die einförmige Bewegung eine dementsprechende verschobene Lage, die fich mit der Zeit al» Skoliofi» ausbildet. Es muß dann die Kleine für die Eitel« keit der Mutter büßen, welche ihren Stolz darin steht, wenn ihr Liebling da» Arbeitskörbchen am Arme, wie eine Alte fich mit dem ersten Strickstrumpf abmüht, um diese für da» kindliche Alter viel zu schwierige Arbeit zu bewältigen.
Auch möge man die Kinder nicht an die Strickkörbchen gewöhnen, ebensowenig wie in den früheren Jahren die Spiel« körbchen. Denn ein Körbchen fordert ein Kind geradezu auf, e» am Arme zu tragen. Man stelle fich nun das zarte Kinder« ärmchen vor, wie ee beladen und niedergedrückt wird, nicht ohne der Wirbelsäule eine leichte Krümmung beigebracht zu haben, die, wenn der Arm öfter durch da» Körbchen belastet wird, sehr leicht eine bleibende wird.
Also da» Körbchen in den Bann, ihr Mütter sowohl sür da» Spiel al» auch für die Arbeit! Der zarte Gliederbau verträgt er einmal nicht, daß er einseitig belastet werde.
Auch dürfen beim Arbeiten die beiden Arme nicht aus der symetrischen Lage gebracht werden, Kopf und Hal» darf fich nicht seitlich biegen, die Schultern müssen gleichgehalten werben. Die» aller ist aber nur möglich, wenn der Knäuel fich nicht, an der Seite im Körbchen oder in der Kleidertasche befindet. Deßhalb gebet den Kindern zu Spiel und Arbeit Schürzchen mit einer großen Tasche, die gerade 'die Mitte de» Körpers einnimmt, oder eine vorn an der Taille befestigte Arbeitstasche.
*) Die Verfasserin, Lehrerin in Korneuburg (Oesterreich), hielt auf dem VIII. internationalen Congreß für öffentliche Gesundheits- pflege in Budapest (1894) einen Vortrag über „Handarbeitsunterricht vom hygienischen Standpunkte," welcher bei den bedeutendsten Hygienikern aus aller Herren Länder den größten Anklang fand. Wir glauben daher, daß ein der häuslichen Praxis angepaßter Artikel über dieses Thema von so berufener Feder unseren Leserinnen höchst willkommen sein wird.
Lasset da« Kind — Kind fein, und deshalb verlangt von ihm keine so haarsträubende Arbeit für da» vorschm- pflichtige Alter, wie z. B. der Strickstrumpf ist. Die Schule verlegt ihn in da» zweite Schuljahr, aber Mütter lassen diese anstrengende Arbeit au» Eitelkeit oft schon von ihrem fünf, jährigen Töchterchen ausführen. Man bedenke doch, wa« da» kleine Kinderhändchen leisten muß, bis er auch nur die Maschen richtig macht und fich eine gewisse Fertigkeit aneignet. Sin Mann kann sich ja gar nicht vorstellen, wa» es für Ruhe und Fleiß erfordert, bis auch nur ein ganz kleines Strümpfchen vollendet ist. Mindestens 20,000 Maschen sür einen Strumpf, und 40,000 für ein Pärchen! Wahrlich, eine Riesenarbeit für die kleinen Händchen! Und bei jeder Masche muß der Arm und die Hand vier Bewegungen machen. Wie auf» merksam muß da» Kind auf die Arbeit sehen, unverwandt Masche an Masche reihen, und Thränen und Schweißtropfen perlen ost auf die schwere Arbeit, bi» endlich nur eine Tour vollendet ist! , ,, . — . . ,
Zur Schonung der Augen muß nicht nur da» Material zu den Handarbeiten der Kinder grob sein, sondern auch die vorgezeichneten Muster müssen groß sein. Zu dunkle oder zu grelle Garne und Stoffe wende man nicht an- Selbstverständlich dürfen die Mädchen fich auch nicht zu tief auf die Arbeit niederbeugen, da sie sonsi leicht kurzstchtig werden.
Namentlich bei den Nadelarbeiten solle« bi« wellen kurz« Ruhepausen eintreten, in welchen die Mädchen eine der Arbeit»« stellung entgegengesetzte Haltung einnehmen können; auch da« Auge kann dann zur Erholnng frei nach entfernten Gegen« ständen schweifen. Ueberhaupt halte man darauf, daß jede gestörte, anormale Haltung durch eine entgegengesetzte wieder geregelt und ausgeglichen werde. Nach dem gebeugten Sitzen: Strecken und Recken de» Oberkörpers, nach dem Stillefitzen: Laufen und Springen. Leider aber müssen die Mädchen oft gerade zu Haufe mehrere Stunden hinter einander arbeiten, ohne, wie in der Schule, wiederholte Erholungspausen zu haben.
Also ihr Mütter, die ihr doch alle wünscht, daß eure Kinder gesunde, aber nicht körperlich verkrüppelte Menschen werden, gönnt ihnen die goldene Jugendzeit; sparet ihnen daher vorzeitige, überanstrengende Arbeiten, ermahnet fie stets zum geraden, aufrechten Sitzen und zwar so, daß immer beide Füße fest am Boden aufstehen, und gönnet euren Lieblingen immer einmal die goldene Freiheit zur Erholung, da« mit auch fie im späteren Leben fich mit Freuden der Jugendzeit erinnern und au» vollem Herzen sprechen können: „D selig, o selig ein Kind noch zu sein!"
Vernttschtes.
Der gefühlvolle Erbe. Arzt: „Ihr Onkel ist gerettet!" — Neffe: „Na, da» hätten Sie mir wohl etwa« schonender beibringen können."
Tödtlich und nicht tödtlich. Richter: „Wa« hatten Sie von den Wunden de» Patienten?" — Gertchtsarzt: „Zwei derselben find unbedingt tödllich, die Dritte kann jedoch bei der nöthigen Schonung in drei Wochen geheilt sein."
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Eine Frage der Zeit- Alte Kokette: „Meineschönsten Erinnerungen knüpfen sich an Amerika, wo ich meine Mädchenzeit verlebte." Herr: „Hm — und ich dachte immer, Columbus sei zuerst dort gewesen."
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In den Alpen. Kutscher (an einer abschüssige» Stelle sich an die Passagiere seines Wagen« «endend): „Von hier au» ist der Weg nur für Esel passirbar, ich bitte daher die Herrschaften auszusteigen und allein weiter zu gehen."
Redaktion: A. Vchetzda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversttSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


