Ausgabe 
1.2.1896
 
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nach Wie» bewogen habe. Ich setzte Dein« Antwort auf sei« Conto- War'» nicht so?"

Ich Bitte mich nicht dazu verleiten lassen sollen, e» «ar eine Schmach die ich Dir doch noch gebeichtet hätte," erwiderte der junge Mann, finster an der Unterlippe nagend. Die Geschichte demüthigt mich tiefer, als alles Andere, weil es leine Entschuldigung dafür giebt."

Gemach, mein Freund, Du darfst die Sache nicht so tragisch nehmen- Deine Lage war verzweifelt genug, um nicht den ersten besten Rettungsanker zu ergreifen- Mein Leben«» Motto war stet«, aus jeder Fatalität, die mir begegnete, irgend einen Nutzen, sei e» eine Lehre, eine theuer bezahlte Erfahrung oder eine Hoffnung zu ziehen. Au» Deiner Ant­wort schöpfte ich die Zuverficht, daß Dein Herz noch frei von jeder Fessel fein müsse."

Eine richtige Schlußfolgerung," schaltete Waldmann ironisch ein-Hätte sonst wahrscheinlich noch gefehlt zu der ganzen Geschichte, um mich vollend» in Deinen Augen zu degradiren."

Nun, nun, mein theurer Otto I* rief Cäcilie lachend. Kann denn ein junger Offizier nicht ausnahmsweise auch ein­mal eine unglückliche Liebe haben? Ich zog, wie bemerkt, neue Hoffnung daraus und entwarf einen regelrechten Er­oberungsplan, um die dreifache böse Sieben mit ihrem Gelbe durch meine arme Person au» dem Felde zu schlagen. Sprich, Du Böser, ob e» mir gelungen ist? Und ob mir die zweite Antwort der dreifachen Neun nicht kostbarer fein muß, al« die 200,000 Mark der bösen Sieben? Ich jauchzte und jubelte nicht in meinem Herzen, mein ganze« Sein und Empfin­den war ein Dankgebet zu Gott, daß jeder Zweifel für di« Zukunft mir gelöst, da« wahre Lebenaglück, wie ich'« so lang ersehnt und erhofft, mir gewährleistet war durch jene echte Liebe, welche nicht nach Geld und Gut fragt und fich vom berechnenden Eigennutz nicht leiten läßt. Du schlugst die Erbin au« um meinetwillen"

O, Du schlimme Versucherin!" rief Waldmann, fie stürmisch an fich ziehend.Wenn ich der bösen Sieben nun verfallen wäre, was dann?"

Dann hätte ich Dir die Hälfte meine» Vermögen» ge­geben," erwiderte Cäcilie leise,und meine Hoffnung auf wahre» Glück für immer eingesargt."

Du hättest mich also aurgefchlagen, ich aber selbstverständ­lich auch Dein Geld," rief der junge Mann in tiefer Er­regung.O, Geliebte, e« war doch eine gefährliche Probe, ein Spiel mit sehr gewagtem Einsatz."

Da» Du mir hoffentlich vergiebst, da wir Beide» große Glück»loo< darin gezogen haben."

Ja, ich vergebe Dir die Täuschung," sprach er ernst, weil fie einem so wichtigen Beweggrund entsprungen- Al» reiche Erbin, al» elternlose Waise drohte Dir da» herbe Schicksal, irgend einem hochgeborenen Glücksritter, in den meisten Fällen jener Speculation, die mit dem Herzen nicht zu rechnen pflegt, zum Opfer zu fallen. Dem Himmel fei Dank, daß Dein Herz fich früh genug mir zuwandte, daß Du den Muth besaßest, meinen Weg zu kreuzen. Der Sieg war Dir gewiß, denn wer könnte Dir, mein süßes Lieb, wider­stehen! Ach, wie gern hätte ich Dich jetzt als Erbe meiner Mutter zur gebietenden Zahl emporheben mögen"

Ohne die beseeligende Ueberzeugung meiner uneigen­nützigen Liebe," fiel Cäcilie forschend ein, «ist die« so werth- Io« für Dich, stolzer Findling?"

Die Antwort bestand in einer langen Umarmung, welcher sie fich durch die drängende Mahnung an da« Bornheim'sche Telegramm und die Reise gewaltsam entwand.

Nach einer halben Stunde schon brauste der Zug mit ihnen davon-

XIII.

Er «ar ein seltsame» Wiedersehen zwischen Vater und Sohn, eine stumme Versöhnung«»Scene, welcher doch da» rechte Lettens-Element fehlte-

Ich muß zufrieden fein mit den Brosamen kindlicher Liebe," murmelte der Hauptmann, al» Cäcilie, welche die alte

Hanne ausgesucht hatte, in'» Zimmer trat und fich zu ihm etzte, während Otto fich mit Bornheim» Brief, welchen 6er Batet ihm gegeben, in'» Nebenzimmer zurückgezogen hatte-

Nur Geduld, liebe» Väterchen," fagte fie, liebevoll tröstend und seine Hand ergreifend,ein echter Soldat ergiebt ich nicht nach der ersten Breschelegung. Wir zwingen ihn roch zur Capitulation."

Darf nicht mehr von ihm verlangen," seufzte Stauten» lern,doch kann ich dem Himmel nicht genug für feine Liebe >anten, meine Tochter! Hab' mich schmerzlich nach Dir ge» sehnt, da« glaube mir."

Cäcilie glaubte es gar zu gern. Ihr auch hatte er'« zu verdanken, ihr und der alten Hanne, die in überschwänglicher Freude und Rührung für den zerknirschten Gebieter Partei ergriff, daß der Sohn ihrer geliebten Herrin fich die Adoption de« väterlichen Namen« gefallen ließ.

E» war keine geringe Ueberraschung, welche da» Braut­paar der Stadt X. bereitete. Der alte Herr Werner freute fich wohl am meisten darüber; aber auch die Tochter de« Obersten, welche fie bei einem Besuche zufällig trafen und deren Glückwünsche fie tief bewegten. Unter vier Augen drückte fie dem beschämten jungen Manne ihre aufrichtige Freude darüber au», daß die dumme Geschichte, welche ihr Vater viel zu tragisch genommen, ihm doch noch ein so große« Glück gebracht habe. Sie wollte gar nicht» mehr davon hören, hatte fie ihm doch außerdem noch die Genugthuung verschafft, daß der Denunciant versetzt worden war.

An einem der nächsten Tage, al« sich mittlerweile da« Gerücht verbreitet, daß Lieutenant Waldmann der legitime Sohn de« reichen Menschenfeinde« in Nr. 777 fei, erhielt er eine Einladung vom Oberst, der er natürlich Folge leistete.

Vielleicht will er da« Duell jetzt noch au«fechten," meinte der Hauptmann mit Genugthuung.

Da« war'« nun freilich nicht, doch etwa« recht Ueber» raschendrs wartete seiner. Der Oberst empfing ibn im Kreise feiner Offiziere, um ihm im Namen de« ganzen Corp» einen Ehrendegen zu Überreichen und ihm feine Hochachtung aus­zusprechen.

Ich zerbrach damal« in der Uebereilung Ihren Degen, anstatt den eine« Anderen," sprach er mit fester Stimme- Er hat mich gereut, da Sie auf eine tadellose Vergangenheit zurückblicken, auf eine verheißungsvolle Carrier« mit Sicherheit hoffen dursten. Wünschen Sie al» Offizier in mein Regiment wieder einzutreten? E» wäre mir eine Genugthuung, Ihr Gesuch zu unterstützen."

Waldmann, wie er sich jetzt noch nannte, war so über- rascht, daß ihn die Bewegung übermannte und er nicht im Stande war, zu antworten. Sich über de« Obersten Rechte beugend, schämte er sich der Thräne nicht, welche darauf niedertropfte. ...

Ein fröhliche« Mahl beschloß diesen Act der Rechtfertigung, der ein goldene« Blatt in der Geschichte feine« Leben« bildete.

Al» er glückstrahlend heimkehrte, fand er seinen Freund Rosenau, welcher auf die telegraphische Verlobungsanzeige sofort Urlaub genommen hatte, um von dem GlÜckemärchen de» Findling» stch persönlich zu Überzeugen-

Opfere den Göttern, mein Sohn," sagte er, staunend den Degen betrachtend. «Dein Glück wird mir ebenso un­heimlich, wie einst da» de» alten König» von Samo». Willst Du wieder in'« Regiment eintreten?"

Natürlich!" rief der Hauptmann, der wie neubelebt erschien. ,

Otto beugte stch Über die Geliebte, um in ihren Augen zu lesen-

Dann sagte er entschlossen:Nein, ich habe die Natur lieb gewonnen und will ihr treu bleiben. Ein Jahr noch werde ich bei unserem Freund Bornheim fleißig lernen und dann versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen, meinen Herd zu gründen und die Gattin heimzuführen."

Bi« dahin bleib' ich bei unserem Vater," fetzte Cäcilie hinzu,der später dann zu seinen Kindern zieht, am fich in ihrem Glück zu sonnen."