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Gis blickte ihn eine Zeit lang mit tiefer Verachtung an und sagte endlich kopsschüttelnd: „Schafskopf!"
XII.
laß mich bktiren,* sagte sie rasch. Mcilie
danken^mag. ^einen sanft zurück und sah ihm tief tn ^„Du^scheinst keine besondere Sehnsucht nach meinem Besitz I m haben," sprach sie vorwurfsvoll. „Dein armer Vater, dem ich Trost und Hoffnung in'» Herz geflößt, scheint Dich besser beurtheilen zu können als ich, da er auf diese Weigerung gefaßt war. Er beauftragte mich, Dir mitzutheilen, daß Du, woran er in seiner Aufregung nicht gedacht, nach Recht und Gesetz dar Erbe Deiner Mutter, welche» er bi» heute unberührt gelassen, beanspruchen darfst. Sprich, Otto, wie senkst I Du über diesen Punkt?" , _ „
Ein leichter Kampf malte sich in seinen Zügen. Dann erwiderte er zögernd: „Wenn sich diese» Erbe wirklich al» da» Vermögen meiner Mutter ausweist, will ich es unbedenklich al« mein Eigenthum annehmen. Wer aber bürgt mir für diese Gewißheit?" „
Cäcilie richtete sich stolz auf und versetzte unwillig: «Hauptmann von Rautenstern konnte im Jähzorn am Heiligsten freveln, seine blinde Leidenschaft, sein wilder Naturell, dar ohne mütterliche Liebe nur der Hand eine» grausamen Vaters anvertraut war, ihn zum Verbrechen htnreißen, doch Niemand würde es gewagt haben, ihn einen Lügner zu heißen
Waldmann hatte sich ebenfalls erhoben, eine tiefe Beschämung spiegelte sich in seinen Augen.
„Vergieb, Du Unvergleichliche!" flehte er, ihr beide Hände entgegenstreckend. „Er «ar schlecht von mir, den leib-
Die Frühlingssonne warf ihren Glanz über die sich neu- verjüngende Erde und Maienluft zog auf'» Neue hoffend und erlösend in', Menschenherz.
Cäcilie hatte X. sofort wieder verlassen, zuvor jedoch ein Telegramm an Otto Waldmann ausgegeben und ihn wieder auf den folgenden Morgen nach P. in'« dortige Bahnhofs- Hotel bestellt, wo er pünktlich eintraf, das Herz von unruhigen Hoffnungen und Erwartungen erfüllt.
Sie streckte ihm die Hand entgegen und sah ihn mit einem siegreichen Lächeln an. Waldmann hielt sie fest und zog die fchlanke Gestalt ungestüm an sein Herz. Sie wider- stand ihm nicht mehr, sondern erwiderte seine Küsse, bis sie | sich endlich seinen Armen entwand.
„Du unterwirsst Dich also meiner Gnade, rief sie übermüthig, ihn lachend in einen Sessel niederdrückend, «ährend sie sich auf'» Sopha setzte.
Er sah sie bestürzt an. ,
„Cäcilie!" sagte er mit unsicherer Stimme. «Ich mag» nicht glauben, daß Du ein frivole» Spiel mit meinen heiligsten Gefühlen treiben kannst." t
„O nein, mein theurer Freund!" erwiderte sie plötzlich sehr ernst. „Dergleichen wirst Du niemals von mir denken. Es ist da» Glücksgesühl, Deinen Widerstand besiegt, die Be- dingungen unserer gemeinschaftlichen Zukunft erfüllt zu haben. Hier stehst Du den Beweis, den Dein bedauernswerther Vater in meine Hand gelegt, mir damit, wie er faßte, feinen kostbarsten Schatz anvertraut hat."
Sie legte den Brief der Mutter ihm vor.
Waldmann las ihn, zwei - dreimal - und feine Augen verdunkelten sich. — Eine Thräne fank auf das Schreiben herab. Als er sie hastig tilgen wollte, entzog Eäcllie, welche sich leise erhoben hatte, ihm sanft da» Papier.
„Laß diese» Zeichen kindlicher Pietät al« Beweis der versöhnenden Liebe, welche Dein Herz setzt erfüllt, hier auf den Schriftzügen der Mutter trocknen, mein Geliebter! sprach sie, zärtlich den Arm um seinen Hals Mngend. „Nicht wahr, Otto, das Gebot der tobten Dulderin ist Dir heilig ?
„Ja, Du Einziggeliebte," erwiderte er mit einem tiefen Athemzug, „ich will ihm verzeihen, will ihn Vater nennen, vielleicht «erde ich ihn auch noch lieben lernen. - Sem Geld aber nehme ich nicht, weil ich ihm mein Glück nicht ver-
lichen Vater so tief herabzuwürdigen, ihn noch unglücklicher zu machen, al» er schon ist, anstatt da, Gebot der Mutter zu erfüllen und durch meine Liebe ihm die Brücke zu ihr zu bauen. Ich nehme da» Erbe an
„Ohne Rückhalt?" n
„Und ohne Bedingung."
„Gut, Du bist von heute an also ein reicher Mann,—
i .wir müssen unsere Verlobung sosort durch ein Telegramm der Bornheim'schen Familie anzeigen."
„Wie Du befiehlst, meine heldenmüthige Braut, die sich so tapfer in bett Zwinger de» Bären gewagt und ihn befiegt hat. Weshalb über wollen wir nicht selber riach Hirfchweiler reisen und uns als Brautpaar vorstellen, mein süßes Lieb?
„Weil unser erster Weg nach X. führt, wo ein bemit- I leidenswerther Vater sich nach dem Anblick des Sohnes sehnt, versetzte 'Cäcilie mit Nachdruck.
„Du hast Recht wie immer, Geliebte! — Ich setze sosort das Tekgramm^aus.att ^«n Taschenbuch und wollte
„Stern willst Du sagen," corrigirte Otto belustigt.
„Nein, mein Freund, — schreibe Stein, es ist mein rechter Namen. Ich «ar bislang gezwungen, den einen Buch- staben zu verändern, um Dir al» Stern zu folgen. Heute bin ich am Ziel."
Waldmann starrte ste verständnißlos an.
„Aber weshalb denn? Ich verstehe Dich nicht, wozu diese Rolle?" stieß er heftig hervor.
Cäcilie zog Waldmann neben stch auf s Sopha niebet tmb ergriff feine Hänbe, bie in ben ihrigen unruhig zuckte«
„Höre mich an und unterbrich mich nicht, Otto! — I« heiße wirklich Cäcilie Stein, mein Vormund war Dein Haus- wirth, Herr Werner. Dort habe ich Dich nur zweimal gesehen, — weil ich in der Regel aus Reisen war, — und zum ersten Male mein Herz entdeckt. Ich konnte Dich nicht ver- geffen, Du hattest es mir angetha« und ich glaube nicht, daß ich einem Anderen jemals hätte angehüren könne« Da kam die Katastrophe mit Deinem Oberst, welche Deinen Abschied mr Folge hatte. Ich kannte Deine Verhältnisse ganz genau durch meinen Vormund, dem Dein Geschick sehr zu Herzen gin? der aber von meinem Interesse für Dich auch nicht die leiseste Ahnung hatte. Du warst mittellos und ohne Stellung, mein Vermögen hätte Dir dienen können; doch lag hier der wunde Punkt für mich, meine Achiller-Ferse. Ich fürchtete vor der Welt nicht» mehr, als um meines Geldes willen aebeirathet zu werden. Es war ein grausamer Kampf für mich, all' mein Sehnen und Wünschen flWte in Deinem Besitz, aber auch in der Ueberzeugung Deiner Gegenliebe. Da fiel ich auf die Idee — auf dem heute nicht mehr ungewvhn- U$en£Xtoßfufcr erschreckt zusammen und sah sie verwirrt an.
Doch nicht den der Heiraths-Annonce mit den drei bösen Sieben?" stotterteerbestürzt.
„Ja, ich war die Versucherin, die dreifache böse Sieben! nickte Cäcilie mit einem schelmischen Lächeln. „Wie ich auf diese ominöse Chiffre gekommen bin? — Ich hörte zufällig durch meinen guten Werner, daß der tolle Einfiedler, wie man den armen Hauptmann nannte, diese Hausnummer nach langem Kampfe durchgesetzt habe. Ich fand e« so originell, daß ich sie al« Chiffre für meine Annonc wählte. Mein 1 Himmel, wie viele Antworten ich erhielt; wir ««den uns, da ich sie alle aufgehoben habe, späterhin daran belustigen.
„Du vergiffest, daß auch die meinige sich darunter be- findet," bemerkte Waldmann mit gepreßter Stimme.
„Ja, auch Du warst der Versuchung erlegen, mein armer Otto I" sagte Cäcilie in einem bedauernden Tone. «Ich leugne nicht, daß e» mich im ersten Augenblick erschreckte. Dann erfuhr ich durch Herrn Werner, daß Lieutenant von Rosenau I van Metz gekommen sei und Dich al» Freund zu der Reise


