Ausgabe 
30.7.1895
 
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schien in festlicher Stimmung zu sein. Immer stärkeres Freudengeschrei erhob st- v^n den Ufern der Meuse.

»Ich muß mich zurückziehen, man erwartet mich im Stadthause," sagt, der Baron.

Und ich muß m men Mann umarmen gehen I" rief Catherine.Vorwärts, junger Konskribierter!" fügte sie hinzu, indem sie den kleinen Henriot bei der Hand ergriff.

Das Kind widersetzte sich. Es hielt sich an dem Rocke des kleinen Mädchens fest und schien bei ihm bleiben zu . wollen.

Seht mal den kleinen Schlingel an," sagte die Sans- Gsne gutgelaunt.Das Häkchen krümmt sich bei Zeiten. Vorwärts, mein Junge! Du wirst die Kleine wieberfinden, wenn wir den Feinden eine tüchtige Douche gegeben haben werden."

Madame," sagte Herminie gerührt,niemals werde ich vergessen, was Sie für mich gethan haben. Sagen Sie meinem Bruder, daß ich Sie segne und ihn erwarte.Was dieses Kind betrifft," fügte sie hinzu, indem sie auf Alice deutete, die dem kleinen Henriot zulächelte und ebenfalls keine Lust zu haben schien, sich von ihm zu trennen,wenn das Unglück es will, daß ich Sie nicht mehr vertheidigen, lieben und beschützen kann, übergeben Sie sie meinem Bruder."

Sie dürfen auf mich zählen. Ich habe schon jetzt diesen Schlingel da, der in meinem Karren herumpoltert, dann habe ich eben ein Pärchen und kann in Geduld abwarten, bis ich eigene Kinder bekomme wird wohl, nicht gar zu lange dauern," sagte sie mit ihrem offenherzigen lauten Lachen, indem sie die kräftige Brust reckte.Auf Wiedersehen, Madame I Es schlägt jetzt Rappell. Meine Soldaten brauchen mich nothwendig und Lefebvre wundert sich gewiß, daß er mich nicht in Reih und Glied sieht."

Und den kleinen Henriot, der ganz mißmuthig geworden war, mit sich führend/ beeilte sich Catherine, das Detachement des 13. Regiments zu «reichen, das bereits die Gewehrs auf dem Platze aufstellte.

Herminie hatte sich nach einer eisigen Verabschiedung von dem Baron mit.ihrer Tochter, dis sie mit Liebkosungen bedeckte, ins Nebenzimmer zurückgezogen.

Lowendaal entfernte sich ganz nachdenklich in der Richtung des Stadthauses, indem er bei sich sprach:Wenn die Kaps- tulalion mich von diesem Beaurepaire nur befreien könnte! Aber nein, dieser Verrückte wird die Stadt vertheidigen und mich zwingen wollen, seine Schwester zu heirathen- O, in welche Falle bin ich da, gerathen!"

Von diesen Ereignissen wenig befriedigt, begab sich der Baron in das Stadthaus, wo sich bereits die Honoratioren gemäß der Einladung des Präsidenten Hermaux und de» Bürgermeisters Gosstn versammelt hatten, dieser zwei Ver« räther, deren Namen für immer an den Pranger der Geschichte genagelt werden sollten.

IX.

Der GesandteBraunschweigr.

In dem großen Saale des Stadthauses von Verdun, beim Lichte der Fackeln waren die Mitglieder des Distriktes und die Honoratioren schon versammelt.

Der Geniekommandant und Gouverneur der Stadt, Bell­mondo, wohnte der Berathung bei.

Nachdem der Präsident Termaux die Sitzung eröffnet hatte, legte der Bürgermeister Goffin die Situation dar.

Der Herzog von Braunschweig kampierte vor den Thoren der Stadt. Sollten sie ihm weit geöffnet und der kaiserliche Generalissimus als Befreier begrüßt werden, oder sollte man die Zugbrücke aufziehen und die Aufforderung, sie herabzu­lassen, mit Kanonenschüssen beantworten? Schon die bloße Fragestellung war eine Schande.

AMeine Herren," sagte der Bürgermeister mit klagender Stimme,unser Herz blutet bei dem Gedanken an das Un­heil, da» auf dar belagerte Verdun herabfallen kann I Wider­

stand gegen einen zehnfach überlegenen Feind ist Wahnsinn. Wollen Sie eine Persönlichkeit empfangen, die mit einer persönlichen Mission zu uns gesandt wurde?"

Und der Präsident befragte gleichzeitig mit einem Blicke die Versammlung.

Ja, wir wollen es," sagten mehrere Stimmen.

Ich werde also die uns angekündigte Person einführen," fuhr der Präsident fort.

Eine Bewegung der Neugierde lief durch die Versammlung, und alle Augen wandten sich der Thür des Präsidenten« zimmers zu.

Sie öffnete sich bald und ließ einen jungen Mann in Civilkleidern erscheinen. Er war sehr bleich und trug den Arm in der Binde.

Man hätte meinen können, daß « sich soeben von einer langen Krankheit erhoben habe.

Herr Graf Neipperg, Adjutant der Generals Clerfayt, General en chef der österreichischen Armee," sagte der Prä­sident, indem er den Gesandten Braunschweigs vorstellte.

In der That, es war der junge Oesterreicher, den Cathe­rine Sans-Gene am Morgen des |0. August gerettet hatte. Kaum von seiner Wunde genesen, war er mit Hilfe der guten Catherine von Pari» entflohen und hatte sich dem österreichischen Hauptquartier angeschloffen.

(Fortsetzung folgt.)

Erkannt.Hierr bringe ich Ihnen, Herr Redacteur, ein kleines Gedicht!"Ja, ja, mit kleinen fängt man an und mit großen hört man.dann nicht auf!"

Im Zoologischen Garten. Soldat (vor einem Rhinozeros):Das ist also das Thi«, von dem uns der Feldwebel schon so viel erzählt hat!"

Aus einem Soldatenbrief.Liebe Eltern! Schickt mir sofort meine Manschettenknöpfe, die ich bei Euch zurück­ließ; das Fünf-Kilo-Packet könnt Ihr ja mit Schinken und Wurst ausfüllen. Euer Pepi."

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Zarte Anspielung.Sie, Führer, an was soll denn dieser Denkstein gemahnen?"Den hab' ich g'setzt, da hat mir amal a Reisender fünf Mark Trinkgeld 'geben!"

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Kindlich.Der Student da ist wohl schon recht alt Mama?" -Weshalb?"Weil er so stark geflickt ist."

Halt Dich d'ran!

Willst Du den echten Vortheil zieh'», Jnsecten tilgen in der That:

So ford're echtesZacherlin", Und kauf' niemals ein Surrogat.

Was sieghaft sich Erfolg verschafft, Wird stets bedroht von Pfuschern sein;

Und da ihm fehlt die inn're Kraft, Täuscht man durch hohlen, äußern Schein.

Das Etikett, der Flaschen Form Wird echtem Fabrikat entlieh'«, Man imitirt nach dessen Norm Laß Dir nicht ein aufin" und(in".

Laß Dir nicht aus der Tasche zieh'« Das Geld, um das es wirklich schad', Und nimm für echtesZacherlin" Kein aufgeschwatztes Surrogat.

D'rum: Willst der Täuschung Du entflieh'n, Merk' auf 'den NamenZacherl" grab, Der steht auf jedem Zacherlin, Doch nie auf einem Surrogat.

sstedaction: A. Vcheyda, Kruck und Verlag der Brühl'schm UniverstkätZ-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheydaf in Gießen,