Ausgabe 
29.8.1895
 
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ü^wohl sie nie Verse geschrieben haben und zu denen Napoleon gehörte, wird die Frau wie eine bestimmte Erscheinung herauf­beschworen; fie tritt aus dem Unbekannten, so wie die von dem Bildhauer erdachte Statue au» dem unförmigen Lehm­block, beinahe wie die blonde Eva aus der Seite des ersten Geliebten.

Die Reife Josefinens wurde für den rauhen Soldaten, den unerbittlichen und eisigen Politiker, der er bereits war, ohne Zweifel ein Reiz mehr. Den Frauen gegenüber besaß Bonaparte nur die Wünsche und die Kühnheit eines Schülers.

Er wollte eine Frau, die einen Salon halten konnte und die ihm mit einem gewissen Wohlstand einen Haushalt, eine Einrichtung, Verbindungen und einen bereits feststehenden socialen Klang mitbrachte. Josefine repräsentirte für ihn alle diese Vortheile.

Rach der Begegnung bei der Tallien wurde er in das kleine Hotel Rue Chantereine Nummer sechs eingeladen und von dem Luxus geblendet, den er für den einer wirklichen Vicomteffe hielt.

Die Wohnung in der Rue Chantereine war bescheiden und kunterbunt möblirt, überall sah man die Zeichen des Mangels. Mit Ganthier, der zugleich Gärtner, Kutscher und Kammerdiener war, und mit Mademoiselle Compoint, der Kammerjungfer, welche die Freundschaft und das Vertrauen Josefinens besaß, fast ebenso elegant gekleidet ging wie fie und als Freundin, als Schwester von ihr behandelt wurde, gelang es Josefine, Bonaparte zu blenden, der von Luxus nichts wußte und einem bei der Frau des Obersten eingeladenen Unteroffizier glich.

In dem Hotel Chantereine gab es im Keller keinen Wein, in der Holzkammer kein Holz, aber vor dem Thore prunkte wohl zur Schau eine Karosse mit zwei hektischen Pferden. Josefine, sehr kokett, hielt auf äußerlichen Luxus. Sie hatte sehr viele Kleider, sehr wenig Hemden. Ihre leichten, duftigen Costüme aus Gaze und Mousselin machten bei den Festen sehr viel Effect und kosteten sie sehr wenig.

Bonaparte wurde sofort gefesselt und er verließ da» Häuschen verstört, mit brennendem Kopfe und entflammten Sinnen. Er wünschte jetzt Josefine al» Frau, um fie zu be­sitzen, an sich zu reißen, unter dem Sturme seiner Liebkosungen zu erdrücken.

Er hatte jetzt Die gefunden, die er, ohne fie zu kennen, wegen ihrer äußerlichen Eigenschaften, ihrer Stellung in der Welt, ihrer Abkunft, ihrer Verbindungen, ihres Milieus ge­sucht hat und als Frau befriedigte sie alle feine Wünsche. Er wollte sie also und mußte fie besitzen. Nichts konnte seinen gleich einer Granats aus der Kanone hervorgeschleuderten Willen aushalten.

Josefine zögerte anfangs. Obwohl ihre Lage prekär war, fragte sie sich, ob das Glück des Generals Bonaparte dauernd fein würde. Eigentlich war er für sie nur ein, Dank der Freundschaft Barras in die Höhe gekommener Emporkömmling. Ohne die Wahl Barras wären Brune oder Verdiöres, die Carnot vorgeschlagen, mit der Vertheidigung des Convents vom 13. Vend^miaire betraut worden ; würde Barras dem jungen Abenteurer auch fernerhin seinen Schutz angedeihen lassen, würde der allmächtige Director diese Heirath nicht mit scheelem Blick betrachten?

Josefine beschloß, den Gewaltigen um Rath zu fragen. Sie ließ daher eines Abend» anspannen und begab sich in'» Louxembourg zu dem Bürger Barra», Mitglied des Direc- torium».

XXIV.

Bei Barra».

Im Louxembourg fand ein Fest statt, als Josefine von Beauharnai» sich melden ließ.

Sie hatte sich mit Sorgfalt nach der neuen Mode in eine Toilette L la Flora gekleidet, die duftig, leicht, von fast durch­sichtigem Gewebe unter ihrem zarten Retz da» matte Elfenbein

der Haut durchschimmern ließ. E» handelte sich nicht nur darum, Barra» zu gefallen, sondern auch alle die Schönheiten zu verdunkeln, welche in Rosa, Weiß, Blau, in griechischer, römischer, Dianen-, Terpfichorentracht die ganze Mythologie de» damaligen Olymps im Salon Barra» zur Schau stellten.

Als Josefine Barras benachrichtigen ließ, daß fie ihn sprechen möchte, führte man fie in einen kleinen Salon neben dem Arbeitszimmer des Directors.

Sie wartete einige Augenblicke- Die Scheidewand war dünn, ein Geräusch von Stimmen erhob sich in dem Neben­zimmer und sie hörte das Ende einer Discufsion.

Warum mißtraust Du Bonaparte?" sagte Barras, dessen sonores Organ Josefine erkannte.Das ist ein Mann von reinem Gold, so wie wir ihn brauchen."

Ich halte ihn sür ehrgeizig," antwortete die Person, mit der sich Barra» unterhielt-

Bist Du e» nicht auch, Carnot?" entgegnete der Direc­tor.Sei doch offen, Du bist auf Bonaparte eifersüchtig. Die Pläne, welche er sür die italienische Armee entworfen hat, hast Du vernichtet, ohne sie dem Directorium vorzulegen, weil Du fürchtetest, daß der Triumph unserer Waffen Deinem Ruhme schadet!"

Ich habe diese Pläne nicht gekannt," antwortete Director Carnot.Ich schwöre, daß dies nicht wahr ist."

Erhebe nicht die Hand," sagte Barras brutal.Er wird Blut heruntertropfen."

Wie? Du wirfst mir auch vor, daß ich Todesurtheile unterzeichnet habe?" sagte Carnot beißend.

Alle Todesurtheile ja, Du und Robespierre, Ihr habt alle unterzeichnet." (Schluß folgt.)

Uersistuugeil durch Konserve» in Blechbüchsen.

Von Dr. Otto Gotthilf.

lNachdruckertöten).

In der jetzigen heißen Jahreszeit rächt sich fast jeder leichtsinnige Fehler in der Diät, jede Ausschweifung im Essen und Trinken durch Magen- und Darmerkrankungen. Aber auch unschuldig werden wir häufig von diesen Leiden heimgesucht, da zur Sommerszeit unsere Nahrungs­mittel sehr leicht einer Zersetzung anheimfallen, was namentlich bei den Fleifchwaaren in oft ganz unmerklicher Weise geschieht.

Jedem Arzte kommen immer wieder Fälle vor, wo er von Magen, kranken consultiert wird, bei denen sich trotz der eifrigsten Nachforschungen die eigentliche Ursache der Erkrankung durchaus nicht ausfindig machen läßt. Die Patienten vermuthen eben die Schädlichkeiten nur in den «6> sonderlichsten Genußmitteln, während sie die schon häufig ohne Nachtheile genossenen Speisen nun auch stets für ganz unschädlich halten.

Dies gilt namentlich von den Blechbüchsen-Konserven, welche häuf; Vergistungserscheinungen Hervorrufen. Wird nämlich das Fleisch in beit-- selben bei der Fabrikation nicht lange genug gekocht, so zersetzt es sich und es entstehen überaus giftige Zersetzungsprodukte, die von den Che- mikern als Ptomaine bezeichnet werden. Dabei werden zugleich Gase entwickelt, welche den Deckel der Büchse etwas nach außen wölben. So­mit ergiebt sich sür den vorsichtigen Käufer zunächst die einfache Regel, niemalsaufgeblasene" Büchsen zu kaufen.

Die Fabrikanten pflegen nun häufig solche Büchsen noch einmal zu kochen, um, wie sie meinen, den Schaden wieder gut zu machen. Hierzu muß ein zweites Loch in den Deckel oder Boden gebohrt werden, welches dann später wieder verlöthet wird. Da aber die einmal entstan­denen giftigen Ptomaine durch das wiederholte nachherige Kochen nicht zerstört werden, so ergiebt sich als zweite Regel, niemals Büchsen mit zwei Löihstellen zu kaufen. Ein gutes Zeichen dagegen ist es, wenn d« Blechdeckel etwas nach innen eingedrückt ist. Denn wenn das Fleisch gleis das erstemal lange genug gekocht wurde, so condensieren sich nach b« Verlöthen die Wasserdämpfe beim Erkalten und ziehen den Deckel ei« wenig nach innen ein.

Hat man nun die Büchse geöffnet, so ist bei der Prüfung des In- haltes folgendes zu beachten: 1. Die Innenwand der Büchse muß voll­ständig rein und blank und gar nicht angegriffen seinp 2. Büchsen mit Zungenfleisch, Corned-Beef u. s. w. sollen mit viel Fett, Sardinenbuchsen hingegen mit reinem Olivenöl bis oben an vollgefüllt sein; 3. Der Büch­seninhalt soll, ganz besonders in der heißen Jahreszeit, nach der Oeff- nung sofort verzehrt und das, was übrig bleibt, als ungeeignet zum Genuß vernichtet werden.

Nur Derjenige, welcher dies alles beachtet, kann sich frei von der Schuld fühlen, die Gesundheit der ©einigen in leichtsinniger Weise einer großen Gefahr ausgesetzt zu haben.

Redaetion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Bruhl'schm UniversttStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & S(Heyda) in Gießen.