Ausgabe 
28.12.1895
 
Einzelbild herunterladen

«10

h

fa

wo

Mai ihm vor roibe werb

wii Ge Fri litt ihn fiNi füll

v a

8 $ ft 3i

8

C

gr fei mi 3d

t>

31 a

Pl bal Eii Mi die

geg lieb da« er f Sch die in S nun da such nich! eigei von so k seine

E w do nt 3?i sch da M W R.

Wie meinst Du ba«, lieber Baker?" frag der junge Baron verblüfft.

Siehe, mein Sohn, Deine Eltern werden alt «nd da ist es das Beste, wenn Du heirathest"

Ich soll heirathen? Ich bin ja erst fünfundzwanzig Jahre alt!" rief der Sohn verlegen.

Für einen Sausewind wie Du einer bist, ist das gerade da« richtige Alter. In der Ehe mit einer jungen, braven *

Frau wirst Du dann hübsch solid, lernst da« trauliche Familienleben wieder schätzen und verlierst alle Untugenden der brausenden Jugendjahre."

Aber lieber Vater, die Möglichkeit dieser Entwickelung will ich ja für mich dereinst erhoffen, aber deshalb ist es doch nicht nöthig, daß ich mich gleich verheirathe. Ich habe ja noch gar keine Braut."

Nun, die Braut hat sich für Dich schon gefunden, Curt. Nimm hier diesen Brief und bringe ihn noch heute zu Herrn von Rodeck auf'« Schloß hinüber und Deine Braut wirst Du dort finden."

Aber Vater, ich kann doch unmöglich auf Commändo Fräulein von Rodeck heirathen. Ich habe die Dame wohl zwei Jahre nicht gesehen und kenne sie kaum noch. Uebetbie« kam sie mir immer sehr stolz und schnippisch vor. Da« Fräu­lein scheint auf einen Prinzen oder Grafen al« Freier zu rechnen und ich bin doch nur ein einfacher Baron."

O, diese Frage ist beseitigt, lieber Curt. Herr von Rodeck ist mit mir ganz einig, daß Agne« Deine Frau wirb. Sie ist die einzige Tochter und Du bist der einzige Sohn, die Sache macht sich ganz charmant und Kinder Eure« Stande» müssen stet« so heirathen, wie e« die Eltern wünschen, denn sonst giebt er nur zu leicht noch einige verarmte» Adelige mehr."

Aber Du nanntest mich doch vorhin leichtsinnig und frevelhaft, Vater. Al« solcher Sünder kann ich doch nicht al« Freier auftreten?"

O, Deine Sünden werben Dir sofort sämmtlich ver­ziehen, wenn Du ein gehorsamer Sohn bist und den Wunsch Deiner Eltern erfüllst. Curt, ich sage Dir auch, daß ich die Verheirathung mit Fräulein von Rodeck dringend anrathe. Du hast durch Deinen Leichtsinn unsere Vermözenrverhältnifle in Unordnung gebracht. Ich weiß nicht, wa« au« Dir werden soll, wenn Du diese vernünftige Heirath nicht machst. Agne« von Rodeck ist eine reiche Erbin, denn de» Herrn von Rodeck« Geldschränke hat kein leichtlebiger Sohn ausgeplün­dert. Es ist mein heiliger Ernst, daß diese Heirath Dein Glück werden kann, denn offen gestanden, Curt, auf eine große, tiefe Liebe möchte ich bei Dir nicht rechnen. Agne» von Rodeck ist Dir ebenbürtig, ist wohl erzogen, fein gebildet und reich- Man muß sie achten, also kann man sie auch lieben- Da» ist hier der richtige und vernünftige Stand­punkt"

Kann ich mir denn nicht vier Wochen Bedenkzeit aus­bitten?" frug der junge Baron-

Nein, nein, das geht durchaus nicht, denn e» ist schon Alles verabredet- Am ersten Weihnachtstage soll die Ver­lobung auf Schloß Rodeck gefeiert werben und am zweiten Weihnachtstage werben un« die Rodeck'schen Herrschaften einen Besuch abstatten."

Aber warum soll denn nur meine Verlobung mit solcher Eile betrieben werden, Vater?"

Dazu sind die triftigsten Gründe vorhanden. Ersten» sollst Du dadurch schleunigst au« Deinem ganzen bisherigen Leben herausgerissen werden und zweiten» soll Dir kein anderer Freier Agne« von Rodeck wegschnappen. Herr von Rodeck ist in dieser Hinsicht ganz meiner Meinung und wünscht vor allen Dingen durch die Verlobung seiner Tochter mit Dir die Bewerbung eine» weitläufigen Verwandten, eines schon stark angejahrten Barons von Jngerhausen, der früher ein­mal Kammerherr war, um die Hand seiner Tochter zu ver- i hindern."

Das ist mir aber recht fatal," entgegnete Curt von Plessen verdrießlich,denn ich kenne den Baron von Jnger-

Pleffen stattgefunden hatte, verließ ihn indessen die männliche ; Entschlossenheit keinen Augenblick. Mit fester Hand klopfte er s an die Thür, die zum Zimmer des Vaters führte und trat | beherzt mit den Worten ein:Guten Morgen, Vater! Auf Deinen Wunsch hat mich der Herr Oberst schon feit heute be­urlaubt und ich bin gekommen, um Deine Wünsche zu hören."

Sehr streng blickte der alte Baron auf und e« schien, al» schössen Blitze aus seinen großen grauen Augen zum Zeichen, daß sich ein schwere» Ungewitter in bösen Vorwürfen auf da» Haupt de« Sohne» entladen würde. Dann aber beherrschte er sich doch und sagte:Ich bin kein Freund von langen Strafpredigten, Curt, aber ein für alle Male muß ich Dir sagen und Deine Mutter stimmt mir vollständig bei, daß Deine militärische Laufbahn nach den letzten Erfahrungen, die ich mit Dir machte, beendigt ist und daß Du noch heute Dein Abschiedsgesuch einreichen wirst."

Der junge Offizier erbleichte und sagte dann tu bittendem Tone:Vater, ich bin mit Leib und Seele Soldat, willst Du mir gütigst nicht noch einmal verzeihen, daß, daß . . ."

Nun sprich e» nur aus, da« Wort, welches Dir nicht über die Lippen will," fiel der alte Baron ein,daß Du Dein Versprechen, keine Schulden mehr zu machen, wieder nicht gehalten hast. Schäme Dich vor Deinem alten Vater, Curt! Du hast trotz meiner ernsten Warnungen weiter in leichtsinniger Gesellschaft verkehrt und im verflossenen Jahre abermals über siebentausend Mark Schulden gemacht. Da« ist kein einfacher Leichtsinn mehr, da« ist Frevel, da» ist Un­vernunft. Auf diese Weise kannst Du mich an den Bettel­stab bringen."

Aber ich möchte doch bi» zum Rittmeister avanciren, ehe ich meinen Abschied nehme," entgegnete Curt.

»Ehe Du Rittmeister wirst, werde ich ein Bettler," be­merkte der alte Baron scharf,denn da» Schuldenmachen wirst Du Dir sobald nicht abgewöhnen."

O, e» wird mir nun vielleicht doch gelingen, sparsamer zu werden, ich will mich in ein andere» Regiment versetzen lassen und nur meinen militärischen Studien leben."

Nein, nein, Du hast mein Vertrauen nicht mehr, Curt, und Deine Mutter und ich, wir wollen nicht mehr in steter Sorge wegen Deiner Schulden leben."

Aber bester Vater, bedenke doch den Spott der Kame­raden, wenn ich so plötzlich den Dienst quittire."

Du wirst jetzt noch mit Ehren den Abschied erhalten, denn Du hast dem Könige sechs Jahre treu gedient. Jetzt kann ich auch Deine Schulden noch bezahlen, ob ich die« aber vermag, wenn Du weiter Husarenoffizier bleibst, da« weiß ich nicht. E» bleibt also bei meinem Entschlüsse und Du schreibst noch heute Dein Abschiedsgesuch. Uebrigen« räth mir mein alter Freund Maffow, Dein braver Oberst, selbst dazu, daß Du Deinen Abschied nimmst, denn er hat Deinen boden­losen Leichtsinn gründlich durchschaut."

Und war soll nun aus mir werden, wenn ich den Rock de» König» ausgezogen habe?" frug der Lieutenant von Plessen seufzend und warf einen wehmüthigen Blick auf seine schöne Uniform."

Landwirth sollst Du werden, mein lieber Curt, ein fleißiger, sparsamer Landwirth."

Gott, wie prosaisch wird da» werden, ich glaube kaum, daß ich die» aushalten kann."

Oho, mein Herr Sohn!" entgegnete der Baron streng. Ich dächte, Du hättest Dir in den letzten sechs Jahren doch die Hörner abgelaufen und unter meiner Leitung sollst Du jetzt begreifen lernen, daß es eine Sünde und Schande ist, solche Geldsummen "zu vergeuden, wie Du e» gethan hast. Wenn Du im Schweiße Deines Angesicht« ans unserem Gute schaffen und sorgen gelernt hast, dann wirst Du auch wissen, was Du mit Deiner Verschwendung gesündigt hast und be­strebt sein, die Fehler zu sühnen. Und prosaisch soll e« für Dich hier auf Schloß Plessen nun gerade nicht werden, denn wir haben auch anderweitig für Dein Glück gesorgt, mein Sohn."