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Es ist hier ein eigenartige», wonnige» Klima, eine ewige Sommermilde, mit Gedirgs« und Meeresluft versetzt, die Förderung einer vollen exotischen Vegetation unter fast un­unterbrochen heiterem, tiefem süditalftchem Himmel, mit mannigfachsten Perspectiven auf schroffe BergeSbö^en, grüne Hüg llehnen, duftige Meeresiernen, kurz, ein Ganzes, deffen Rcichthum an Farbenlönen und üppigen Gruppirungen zu allen Jahreszeiten dem Pinsel und der Phantasie eines Mar. karts zu neuen Abundantta-Schöpfungen dankbare Motive bieten dürfte.

Los Angeles hat über 90,000 Emwohner. Sie ist eine der eigenartigsten schönsten Slä te Amerikas. Reizende Palmen- und Orangenhaiue sowie immerbiü ende Gärten geben ihren sty vollen Villen, Mansions und Palästen einen blendenden Rahmen Das heutige Los Angele» ist eine subtropische Gartenstadt par excellence, während anderer­seits die reichbelebten GeschästSstraßeo durch mächtige Häuser­gevierte (Blocks) in Nachahmung New-Ioiks und Chicago», sowie durch elegante Hotels für den fonwährenden riesigen Fremdenverkehr imponiren. Hierzu gesellt sich noch die günstige Lage, so nahe den Gebirgen mit Aufstieggelegenheilen mittelst Zahnradbahn, so nahe dem Meeresstrande und den fashionadlen Seebädern Santa Monica, Del Monte, Redondo Beach, letztere« berühmt wegen seiner ungeheuren Pracht­hotels auf einer Blumenteraffe über dem Meere. Hier nimmt man die Seebäder da» ganze Jahr hindurch.

Die ganze Umgebung von Los Angele» ist einer der einträglichsten Frucht- und Weinbau-Districte Kaliforniens, sowie ein Palmen- und Blumen-Paradies. Ueber 22 Palmen­arten zählt man hier und circa 300 Rosenarten, die natür- lich alle im Freien blühen. Diese Rosen gewähren in voller Blüthe einen magischen Anblick; sie gleichen einem neuen Garten der HeSperiden.

Zahlreiche Deutsche haben sich in und um Los Angele» angestedelt und eine Stadt Annaheim, nur eine Stunde Eisenbahnfahrt von Los Angele» entfernt, ist das Heim von ausschließlich deutschen Wein« und Fiuchtfarmern, die in be­haglichen Verhältnissen h«er leben. Annaheim selbst ist eine reizende subtropische Vrllenstadt.

Al» ich bet dem kurzen Aufenthalte in Lor Angele» au» einem dem Eisenbahn-Depot gegenüber befindlichen Grocer- Store einige Präserven kaufen wollte, sagte der Ladeninhaber in biederem Plattdeutsch zu mir:Se könnt ok Hamburger Aal in Gelee bi mi köpen l" Ja, ja, Hamburger Jungen findet man in der ganzen Welt!

Von Lo» Angele» bis nach San Francisco, ca. 17 Stunden Eisenbahnfahrt, kommen wir abgesehen von einer großen Wüste, die wir zu paisiren haben, an zahlreichen Ansiedlungen, Städtchen und Städten vorbei, die sich zur Linken bi» an die Küsten des Siillen Oceans, zur Richten bis an die Sestenthäler der hohen Sierra Nevada erstrecken. Der Bodenreichthum Kalifornien« ist, soweit die Wafferverhält- niffe günstig oder ober Berieselung möglich, überaus groß­artig. Wein- und alle Fruchtarten der suptropiichen Zone gedeihen hier ganz vorzügltch, ja, unübertrefflich, und auch an edlen Obstarten, als Aepfel, Birnen, Pflaumen, Aprckosen, hat Kalifornien nicht feine« Gleichen. Tausende und Aoer- tausende fleißige und intelligente Deutsche ft .Ben wir hier angestedelt, die auch dem Weizenbau und der Zuckerrüden- Cultur zu großen Erfolgen verhelfen.

Es ist in Californien noch Raum für Hunderttausende von Ansiedlern, die, mit etlichen Geldmitteln ausgerüstet, auf 20 dis 40 Acres bewässerten Landes bei mannigfaltigster I Bestellung ihres Bodens in diesem Eden ein glückliches Dasein $ führen können; liegt doch der große Vortheil der Cultur i hier in dem ewigen Frühling, welcher Früchte das ganze | Jahr hindurch wachsen und reifen läßt.

Endlich ist unser vorläufiges Reise-Ziel, San Francisco, X erreicht. UnserSunset Limited Hit uns bis nach Oak- land, einer eigentlichen Vorstadt von San Francisco, gr- *

bracht, und ein gigantisches Fereryboot bringt un» nun über die Boy nach der M- tropole der Pacific Küste.

Wie schon der Name de» Goldlandes Californien einen Nimbus de« Außerordentlichen um Alle« und Jedes webt, fo ist auch feine MetropoleSan Francisco' eine Stadt ureigener Art, ureigenen Gepräges. An materiellem Aufschwung auf dem amerikanischen Kontinente nur von Chicago übertroffen, ist sie an Eleganz und großstädtischem Aeußeren anderen amerikanischen Stächen wett überlegen. Vor 40 Jahren noch ein armseliges spanisch-nnx caniscbes Dorf, Jerba Buena ge­nannt, ist es heutzutage ein civ-lisirtes, blühende» Gemein- wefer, eine Großstadt, deren Seelenzahl heute bereits die 400,000 übersteigt.

An der Grenze des Occident« liegend, feine goldene Pforte (Golden Gate) den Völkern Ost-Chinas weit öffnend, bildet San Francisco mit feinem Völkergemisch und vor Allem mit feinem Chiriknown einen höchst interessanten Beobachtungrort für den Ethnologen, da hier die uralte stagntrende Cwiltfatton des Reiche« der Mitte mit dem frisch pulsirenden europäisch- amerikanischen Leben in enge Berührung tritt- Hier ist der eirz'ge größere und sichere Hafen in einer Tausende von Merlen langen Küste, auf dem dirrcten Verbindungswege zwischen Ostasien, Australien, Nordamerika und Europa ge­legen. Zahlreiche See-Dampfer, welche den Verkehr mit Cbina, Japan, Australien, den Inseln der Südsee, Panama, Mexico, Oregon, Britisch Columbia und Alaska unterhalten .und meistens zu der großen Southern Pacific Company ge- gehören, liegen hier vor Anker.

Würden die an die Ufer der San Francis coer Bay sich lehnenden kahlen Gebirgszüge, bi« zu 3900 Fuß steigend, mit grünem Baumwuchs geschmückt sein, so könnte kein Hafen in der Wett den von San Francisco an malerischer Schönheit übertreffen. Aber auch ohne solche Zierde bildet derselbe ein überaus prächtiger Rundgemälde. Man vermißt bei den mit bläulichem Dutte bedeckten, fern gelegenen Höhenzügen die Waldungen nicht, während ein wahrhaft italienischer Himmel da« lebendige Hafen- und Stadt-Panoroma und die weiten Gewässer der Bay überwölbt. Auch wir empfinden die Wahr­heit der Dichterworte Theodor Kirchhoffs, welcher Kalifornien besingt:

Warum du mir lieb warst, du Land meiner Wahl?

Dich liebt ja der warme Sonnenstrahl, Der aus Aethertiefe, azurrem, Deine Fluren küßt mit goldenem Schein! Dich liebt ja des Südens balsamische Luft, Die im Winter dir schenket den Blüthen^uft, Deine Felder schmückt mit smaragdenem Kleid, Wenn's friert im Osten und stürmt und schneit! Dich liebt ja das Meer, dasStille" genannt, Das mit Silber umsäumt d,in grünes Gewand, Das dich schützend umarmt mit schwellender Lust, Dich wonniglich preßt an die wogende BrustI Wie dein Meer, wie der Lüfte Balsamhauch, Wie die Sonne dich liebt, so lieb' ich dich auch!"

Hier in San Francisco machte ich einige Tage Rast, um dann nach den Sandwich-Jnseln und Khina und Japan weiter zu reifen.

Nur dreizehn Tage von Hamburg nach San Francisco, von den Gestaden der Nordsee bis zum Stillen Ocean, halte es gedauert, und wir waren über den Atlantischen Ocean und durch ein Wunderland nach dem goldenen Port am Stillen Meere geführt.

Im Osten fegt der Schnee über die öden Fluren und Kaminfeuer flackern in den Häusern, während hier im sonnigen Kalifornien die Blumen blühen, Gold Orangen an den Säumen hängen und buntfarbig schillernde Kolibri« und Schmetterlinge von Blüthe zu Blüthe fliegen.

Em Kontrast, nicht größer denkbar. *)

*) Von demselben Verfasser erscheint demnächstVia Sunset Routs", ®tne Reise um die Welt, mit besonderer Berücksichtigung von China und Japan, ein illustrirtes Reisehandbuch von Heinrich Lemcke. Zu be­ziehen durch alle Buchhandlungen.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm UniverstMS-Bnch- und Steindruckcrei (Pietsch A Echehdas m Gießen.