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(Fortsetzung folgt.)

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Madame Sans Gsne.

Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger.

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Wer kannte es sein? Seine verstorbene Frau, glaubte Cora.

Sie dachte dann an Nettas Gestcht und an ein Porträt, das die verstorbene Frau des Lord darstellte. Aber ketns von beiden hatte die geringste Aehnlichkeit mit diesem Miniatur, bilde.

Und doch war es Caro, als ob ste dieses Gesicht auf einem Bild ober im wirklichen Leben schon einmal gesehen hätte, wenn sie auch für den Augenblick nicht sagen konnte, wann und wo?

Aber wie sie es sich so ansah, kehrten ihre Gedanken nach ihrer deutschen Heimath und zu ihrer Kindheit zurück, als sie Frau Falkner einst mit einem Kästchen in der Hand gesehen hatte, das sie und Adele aufmerksam betrachteten und das ebenfalls zu sehen st- sich mit kindlicher Neugier herangeschlichen. Dieser Vorfall hatte sich ihrem Gedächtniß fest eingeprägt des scharfen Tadels halber, den sie von der alten Dame für diese kleine Unart empfangen hatte. Sie war sofort aus dem Zimmer gewiesen worden, aber sie hatte das Gestcht viele Tage lang nicht vergessen können und dasselbe trat ihr jetzt wieder lebhaft in die Erinnerung.

Ihr erster Gedanke war, diese Reliquie sorgfältig zu be» wahren; kein minder treuer Behüter sollte dieses Juwel et* halten, das Dem so theuer war, der sein Leben für ste gewagt hatte.

Und mit einem letzten raschen Blick auf das schöne Ge* sicht war sie eben im Begriff, das Bild in die Tasche ihres Kleides zu versenken, als sie plötzlich in ihrem Vorhaben durch eine Stimme gestört wurde, die zwar nicht unbekannt war, deren scharfer, unerwarteter Ton sie aber erzittern ließ.

Ei, junge Miß! Was ist das?" rief die Stimme.

Es war der alte Diener Mitchell, der von Kindheit an auf Schloß Faro lebte.

Mit ernstem, doch väterlichem Ausdruck auf feinem ehr­würdigen Gesicht trat er näher; als er den Schrecken der jungen Dame vernahm, wurden feine Züge weicher.

Verzeihen Sie, Miß!" sagte er, als Cora die Hand, die das Kleinod hielt, an die Brust drückte.Ich habe selbst Kinder und will um meiner jungen Herrin willen nicht hart gegen Sie sein. Das muß ich sagen .... ich habe nichts Unrechtes von Ihnen gesehen, seit Sie im Hause sind. Doch wissen Sie, daß Sie sich in einen schlechten Ruf bringen, wenn Sie hier in diesem Zimmer noch länger verweilen ? Und wäre es nur um deswillen, was ich soeben von Ihnen gesehen habe."

Und was wäre das, Mitchell?" fragte Cora, bemüht, ihre Ruhe zu behalten.

Was das wäre? . . . Run, Sie durchsuchten soeben die Papiere meines armen lieben Herrn und ich sah etwas in den Händen glitzern, das, wenn es bemerkt würde, den Verdacht des Diebstahls erregen könnte."

Mein Gott, so ist es ja nicht!" rief sie erregt.O, Mitchell, was kann ich thun? Ihr Herr war mein einziger Freund ... er liegt im Sterben und ich bin unglücklich. Ach, wenn ich doch auch sterben könnte I" stöhnte sie und ihren Augen entquoll ein Strom heißer Thränen.

Mitchell war fast erschreckt über die Leidenschaftlichkeit, mit der ste sprach.

Kind, ich will Ihnen ja nicht wehe thun, was auch meine Herrin dazu sagen mag," erwiderte er freundlich.Rur thäten Sie besser, aus dem Wege zu gehen und nicht neue Streiche zu spielen, denn mit meiner jungen Herrin ist nicht zu spaßen, das weiß ich von früher."

Aber ich kann, ich will ihn nicht lassen, meinen einzigen Stfwibl' sagte das Mädchen aufgeregt.Wenn er stirbt, Mitchell, fällt die Schuld auf mich und wenn er am Leben bleibt, würde er mich treulos, für schlecht halten, wenn ich während seines Leidens das Haus verließe, in das er mich gebracht hat. Nein, nein! Ich wage es nicht I Ich darf weder ihn noch das Haus jetzt verlassen!"

Der gute alte Diener machte ein sehr verlegene» Gestcht, als er dieser Wehklage zuhörte.

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(Fortsetzung.)

Auf dem Pflaster hallten Gewehrkolben nieder. Gleich­zeitig wurde an die Hinterthüre gepocht und wirre Stimmen erhoben sich:Nach dieser Richtung ist er gelaufen!"

Hier hat er sich versteckt!"

Catherine zitterte.

Sie suchen ihn," murmelte sie, indem sie den noch immer bewußtlosen Verwundeten mit noch größerem Mitleid betrachtete.

Die Stimmen lärmten an beiden Eingängen. Ein ge­reiztes Stampfen mit den Füßen bewies die Ungeduld der Menge.

Schlagen wir die Thür ein!" sprach plötzlich eine Stimme.

Wie rette ich ihn?" murmelte Catherine und schüttelte den Sterbenden, indem sie ihm zuraunte:Bürger . . . Monsieur . . . Muth gefaßt! Versuchen Sie aufzustehen!"

Der Verwundete öffnete die Augen und seufzte mit er­stickter Stimme:Ich kann nicht . . . lassen Sie mich sterben 1"

Ach was, sterben I" brummte Catherine.Vorwärts, raffen Sie sich zusammen, in des Kuckucks Namen! Ich muß Sie ja lebend dem Fräulein von Lavaline zurückstellen . . . Das hätte sich nicht gelohnt, Sie herzuschicken, damit sie hierbleiben . . . Stehen Sie auf... so ... so! Sie stehen, es ist nicht schwer, man braucht nur zu wollen."

Neipperg schwankte wie ein Trunkener-

Catherine hatte Mühe, ihn aufrechtzuhalten. Draußen verdoppelten sich das Geschrei, die Drohungen und Flüche, und schon ließen kräftig geführte Stöße mit dem Gewehr­kolben die Pfosten der Thür erzittern.

Plötzlich erhob sich eine Stimme-

Wartet, Bürger . . . laßt mich machen, mir wird aus-

Sehen Sie, mein liebes Kind," sagte er in väterlichem Ton.Das klingt Alles so recht hübsch, aber Sie werden doch jedenfalls gehen müssen. Wenn Lord Faro wieder gesund wird, was der Himmel gebe I wird er in seinem Hause thun, was ihm beliebt und kann Sie sofort wieder zurückrufen. Und wenn er sterben sollte, der arme, gute Herr, wäre es viel schlimmer für Sie, aus dem Hause gewiesen zu werden, als wenn Sie jetzt aus freien Stücken gehen, wo, wenn ich die Wahrheit sagen soll, der Leute Mund voll von Ihnen ist. Wollen Sie mir denn nicht vertrauen, Fräulein?" sprach er weiter.Sie können sich darauf verlassen, ich würde über das, was ich soeben gesehen habe, nicht reinen Mund halten, wenn ich nicht wüßte, wie die Dinge zwischen Ihnen und meiner jungen Herrin stehen. Sehen Sie, Miß Cora, ich bin ein erfahrener alter Mann und weiß recht gut, daß Miß Emily und Lord Faro schon seit ihrer Kindheit nicht besonders gut mit einander ausgekommen flnd. Nehmen Sie meinen Rath an und folgen Sie mir!"

Cora sank auf einen Stuhl und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen.

Warum lebe ich? Warum hat er mich gerettet? O, Rupert, Rupert! Es war doppelt grausam! Ich bringe nur Unglück, wohin ich auch gehe. Wenn ich mich doch in der Erde verbergen könnte!"

Und sie stöhnte laut in ihrer Herzensqual.

Haben Sie keine Freunde, zu denen Sie gehen könnten, Miß Cora?" fragte Mitchell mitleidig.

Keine I" sagte sie.Gar keine. Besser ist es, ich er­gebe mich meinem Schicksal."

Wie traurig, wenn man an all' die vornehmen Herr­schaften denkt, die hier so lustig waren und Sie mit ihnen, und daß Sie keinen Freund haben sollen, an bett Sie sich in